München
Der Heilige Gustl, Münchner Lagerbier Hell oder einfach nur Augustinerbräu. Flüssiges Gold oder eines der besten Biere Deutschlands. Die erste Flasche Augustiner jedoch nicht die Offenbarung, nach der sie klingt. Ende allererstes Semester, getränkt von der Euphorie der vollbrachten Prüfungen bei einem Kommilitonen in der WG getroffen. Er meint, er hat Bier gekauft. Gutes Bier. Ich sehe nur eine Flasche, deren Körper ein Etikett ziert, auf dem ein Mönch mir entgegenlächelt. Wir trinken. Keine Offenbarung. Die ersten Erfahrungen mit Alkohol sind noch sehr jung. Das erste richtige Bier, ohne Zuckermische für den Geschmack, vielleicht erst einen Monat her. Zu naiv, um abschätzen zu können, was ich dort als normales Bier abgetan habe. Der Geschmack, zu unausgeprägt. Noch schmeckt alles bitter.
Schnitt. Drei Jahre später. Rumgekommen. Erst mehr als ein paar U-Bahn Stationen von der Heimat entfernt gelebt. Dann ins Ausland. Inzwischen ausreichend Erfahrungen mit Alkohol. Viele positiv, einige negativ, fast immer exzessiv. April 2017, die vierte Stadt. Praktikum ist angesagt. Die Mutterstadt des Gustl, München. Das erste Nachtleben bis zum Morgengrauen ausgenutzt und sofort begriffen: Augustiner ist das Getränk, das die Münchner durch die Nacht treibt. Wo man sich umschaut, der freundliche Mönch lädt ein ins Delirium. Doch ist es nicht nur der Geschmack. Das Lebensgefühl ist das, was fasziniert. In der ersten Nacht: verliebt in das Bayerische Helle. Am ersten Frühlingssonntag: verliebt in die Stadt. Seitdem ist beides untrennbar. Wann immer mich Gustl anlächelt: Ich stehe an einem sonnigen April-Sonntag vor dem Monopteros und bin verfallen.

















