Bastian Doreth, Frank Buschmann und das Verständnis von öffentlichen medial wirksamen Auftritten in Deutschland
Aufgepasst, Deutschland. Im Zuge des Basketball-EM-Qualifikationsspiels der deutschen Nationalmannschaft in Österreich trat eine Meinungsverschiedenheit auf, die Beachtung verdient. Und zwar nicht nur von Basketballern, sondern von allen, die in gewisser Weise an Kommunikations- und vor allem Persönlichkeitskultur interessiert sind.
Was war passiert? Nach einem katastrophalen Spiel der deutschen Basketballer gegen eine aufopferungsvoll kämpfende österreichische Mannschaft (und vor allem gegen einen gewissen Herrn Murati), das durch einen Kraftakt zum Schluss gerade noch so zurechtgebogen werden konnte, gerieten Nationalspieler Bastian Doreth und Sportjournalist Frank Buschmann auf Twitter aneinander.
Die Statements von Buschmann...
Was ich da gerade sehe, das macht mich fassungslos. Deutschland liegt in Österreich hinten! Mit 8... @DBB_Basketball #EuroBasket2015
— Frank Buschmann (@FrankBuschmann)
August 13, 2014
Es macht mich auch wütend! @DBB_Basketball #EuroBasket2015
— Frank Buschmann (@FrankBuschmann)
August 13, 2014
Wenn nach diesem Auftritt wieder alles positiv gesehen werden soll, drehe ich durch! Das ist Wahnsinn! #EuroBasket2015 @DBB_Basketball
— Frank Buschmann (@FrankBuschmann)
August 13, 2014
Der Weltstar Murati macht uns frisch. Da wirst Du doch bekloppt! @DBB_Basketball #EuroBasket2015
— Frank Buschmann (@FrankBuschmann)
August 13, 2014
Das ist das schlechteste Spiel, das ich je von einer deutschen Nationalmannschaft gesehen habe. Leider gut, dass das niemand sieht! #AUTGER
— Frank Buschmann (@FrankBuschmann)
August 13, 2014
Regie ist wie das Spiel... Am Ende wird es ein knapper Sieg und wir sind alle Miesmacher und haben keine Ahnung..@DBB_Basketball #AUTGER
— Frank Buschmann (@FrankBuschmann)
August 13, 2014
Was war gut? Der Sieg und Maxi Kleber. Ansonsten? Vielleicht sollte man doch mal nachdenken... @DBB_Basketball #AUTGER Stichwort Einstellung
— Frank Buschmann (@FrankBuschmann)
August 13, 2014
Sorry, ich habe mich tierisch geärgert. Zu viel Herzblut! @DBB_Basketball #AUTGER
— Frank Buschmann (@FrankBuschmann)
August 13, 2014
und die Antwort von Doreth:
@FrankBuschmann du bist ein unfassbarer Selbstdarsteller! Genau deine Kommentare bringen uns weiter! Vielen Dank #teamdeutschland #1nation
— bastian doreth (@bastid28)
August 13, 2014
Okay, und warum hat mich das zu interessieren?
Warum ist dieser Zwist der zwei Herren aber so beachtenswert? Das hat zunächst einmal nichts mit dem gestrigen Spiel der Basketballer mit dem Adler auf der Brust zu tun. Ebenso wenig möchte ich die verschiedenen Charaktere Bastian Doreth und Frank Buschmann beleuchten. Genau genommen geht es in dieser Diskussion um eine ganz andere Frage: Ist jeder Mensch, der in der Öffentlichkeit steht – und das gern tut – ein Selbstdarsteller?
Vermutlich gibt es wenige, die diese Frage sofort laut mit „Ja“ beantworten würden und jubelnd verkünden würden, dass sich endlich einmal jemand traue, diese Wahrheit auszusprechen. Nein, so sind wir nicht. Wenn man auf den konkreten Fall schaut, sieht das dann aber doch ganz anders aus.
Diese Erfahrung durfte ich selbst vor kurzer Zeit machen. Als ich im Zuge der Ministrantenwallfahrt nach Rom in einer großen Kirche vor knapp 6000 Kindern und Jugendlichen auf einer Bühne die Sicherheitsansagen durchgegeben habe, fanden das alle gut. Wenn man allerdings gefragt wird, ob man das denn gern mache, und diese Frage mit „Ja“ beantwortet, verziehen sich meistens die Augenbrauen des Gesprächspartners und außer einem das Gespräch beendenden „Aha, okay“ hört man nicht mehr viel. Was man als Ehrenamtlicher – wenn man solche Rollen denn ausführt – vielleicht zwei- oder dreimal im Jahr zu Spüren bekommt, ist für einen permanent in der Öffentlichkeit stehenden Menschen wie Frank Buschmann Tagesgeschäft. Daran, dass es unter jedem Facebook-Beitrag wichtigtuerische Kommentare und Beleidigungen gibt, hat sich Buschmann inzwischen gewöhnt – auch, wenn es ihn weiterhin stört, wie oft auf seinen Kommunikationskanälen zu lesen und hören ist. Dass allerdings auch einem deutschen Basketballnationalspieler nichts Besseres einfällt, als Buschmann in die Selbstdarsteller-Ecke zu schieben, macht nachdenklich.
Darf man Talente nur im Stillen einsetzen?
Heute bekommt man bei der Berufswahl an allen Stellen und von allen Seiten gesagt: „Mach, was dich glücklich macht!“ „Schaue danach, was du gut kannst und suche dir einen Job, in dem du genau das tun wirst!“ „Achte auf dich und deine Fähigkeiten!“
Nur: Was, wenn das Talent eben ist, ein großes Publikum zu unterhalten oder in Ruhe mitzuteilen, was bei einer Großveranstaltung zu beachten ist? Was, wenn man besser und emotionaler Basketballspiele kommentieren kann, als es je irgendjemand in Deutschland konnte? Wenn man das, was Dirk auf dem Feld macht, in derselben Qualität am Mikro begleiten kann? Dann ist man also ein Selbstdarsteller.
Öffentliche mediale Auftritte in Deutschland, oder: Ist immer alles schlecht?
Wir brauchen in Deutschland eine Diskussion über den Wert öffentlicher Auftritte. Dass Talente vergeudet werden, weil sie in Facebook-Posts und Twitter-Feeds regelmäßig niedergemacht werden (Beispiel: Markus Lanz) und deswegen irgendwann keine Lust mehr haben, sich dem öffentlichen Griesgram auszusetzen, ist schon schlimm genug. Dass wir bald kaum noch Menschen haben, die sich mit einem Mikro und vor der Kamera an die Öffentlichkeit trauen und zusätzlich die nötige Unterhaltungsqualität besitzen, ist die für den Medienkonsumenten noch ärgerlichere Folge davon. Wen haben wir denn noch außer dem schlecht gemachten Lanz, dem als unsympathisch geltenden Raab und dem jetzt gescholtenen Buschmann, die in der Öffentlichkeit beachtet und gehört werden, wenn es um das Thema „Unterhaltung“ geht? Der Einzige, den ich sehe, der es – auch wenn er zumindest im Moment noch ein ganz anderes Format bedient – in letzter Zeit in die Riege der interessanten Menschen im Fernsehen geschafft hat ist Jochen Breyer. Was passiert, wenn man sich einen einzigen Fauxpas leistet, hat allerdings auch er schon feststellen müssen.
Eine neue Kultur der Akzeptanz würde diesem Land gut stehen. Nicht immer meckern, nur weil jemand etwas kann und dafür auch einsteht. Nicht immer bruddeln, wenn einer sich traut, in der öffentlichen Meinung auch mal gegen den Strom zu schwimmen. Einfach mal sich selbst hinterfragen und eine andere Meinung akzeptieren – vielleicht wäre es der Stimmung auf allen Seiten zuträglich. Das lernt man nämlich auf allen Kursen zum Thema Rückmeldung: „Feedback stehen lassen!“ Eine Diskussion über eine Rückmeldung ist noch nie gut gegangen.
Und zum Basketball: Die Deutschen werden nun hoffentlich gegen Luxemburg und dann in den Rückspielen in ihrer EM-Qualifikationsgruppe zeigen, was sie draufhaben. Dann hat sich die Diskussion um die Leistungsfähigkeit selbst erledigt. Und dann wird auch sicher keiner mehr meckern, lieber Basti Doreth. Doch bis dahin müsst ihr Kritik aushalten. Auch, wenn sie von einem ehemaligen Zweitligaspieler kommt.
Ich freue mich über Rückmeldungen zu meinem Artikel - am besten über Twitter an @SimonLinder. Dankeschön!















