Sein Stand-up Video "Reverse Racism" wurde auf YouTube bereits 1,7 Mio. mal gesehen. Seitdem ist Aamer Rahman, ein australischer Muslim, ein Globetrotter.
kennt ihr schon das Interview von #schauHin-Vorstandsmitglied Emine Aslan mit aamerrahman?
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Sein Stand-up Video "Reverse Racism" wurde auf YouTube bereits 1,7 Mio. mal gesehen. Seitdem ist Aamer Rahman, ein australischer Muslim, ein Globetrotter.
kennt ihr schon das Interview von #schauHin-Vorstandsmitglied Emine Aslan mit aamerrahman?
#SchauHin-Senf von Kathi
In unserer neuen Rubrik #SchauHin-Senf, teilen wir Meinungen, Beiträge und andere senfige Sachen von Personen, die nicht unbedingt Teil des #SchauHin-Teams sind, aber genauso wenig Geduld für Alltagsrassismus haben.
Der erste Beitrag kommt von #SchauHin-Fan Kathi, die einen Blackfacing-Vorfall auf einer Faschingsparty schildert.
Es ist Samstagabend, ich würde gerne ausgehen und telefoniere mit einem Freund, der mich auf eine 90er Mottoparty in der Bar einer Freundin einlädt. Unverkleidet tauchen wir kurze Zeit später auf der Party auf. An den Wänden hängen Bilder von Tic Tac Toe, Michael Jackson und Take That. Einige Menschen haben sich verkleidet, sie tragen Jeansjacken, enge Kleider mit Puffärmeln oder bunte Trainingsanzüge. Die Stimmung ist gut und ich fühle mich zunächst ganz wohl und geschützt, was auch an der Zusammensetzung der Leute liegt, da es eine Party mit einigen PoC* Gästen ist.
Ein-zwei Bier nach meiner Ankunft erstarre ich kurz als ich wieder an die Bar gehe und vor mir einen Typen sehe: Verkleidet als… naja…Rassist. Und dafür hat er sich auch noch richtig Mühe gegeben. Gesicht und Oberkörper sind schwarz angemalt, Afro-Perücke auf dem Kopf, ne dicke fake Gold Kette mit Dollar–Zeichen um den Hals und fake Grillz hat er auch auf den Zähnen. Verbal unterstütze ich die weiße Frau, die neben mir an der Bar steht und ihn gerade forsch auffordert er solle sich waschen gehen. Er schaut irritiert und verschwindet dann in der Küche. Ich habe kurz Hoffnung, vielleicht hat er verstanden, vielleicht ist es ihm peinlich, vielleicht geht er sich jetzt waschen, vielleicht…
Später entdecke ich ihn auf der Tanzfläche wieder - er hat sich nicht abgeschminkt. Ich fordere meinen Freund auf, seiner Freundin - die Barbesitzerin- zu sagen, dass es nicht klar geht, diesen Typen hier so rumlaufen zu lassen. Ein paar Minuten danach sehe ich die weiße Barbesitzerin freudestrahlend auf ihren geblackfaceten Freund zulaufen und sie greift ihm lachend und mit beiden Händen ein paar Mal in seine Perücke, als könne sie sich nun endlich mal so daran auslassen, wie sie es sich bei den Haaren ihrer Schwarzen Freund_innen sonst (hoffentlich!) nicht traut.
Dann werde ich Zeugin einer sehr guten Aktion! Die gleiche Frau, welche ihn zuvor aufgefordert hatte sich waschen zu gehen, steht mit einem vollen Glas Wasser in der Hand vor dem Typen und schüttet ihm den gesamten Inhalt voll ins Gesicht (ich feiere sie still). Der Typ ist kurz verdutzt, holt sich dann ebenfalls ein Glas Wasser und läuft bestimmt auf eine Gruppe von Leuten zu, ich gehe ihm hinterher. Als ich bei ihm ankomme, hat er gerade einer Frau das Wasser ins Gesicht geschüttet. Es ist die falsche – nicht die, die ihn kurz vorher mit Wasser übergossen hat. Die Frau vor ihm ist natürlich verdutzt, hat keine Ahnung von dem, was gerade passiert. Sie ist verdutzt - er ist verdutzt…und entschuldigt sich kleinlaut.
Da ich selbst nicht Schwarz bin, ist es für mich zwar nicht unbedingt einfach, aber wahrscheinlich einfacher mich einem längeren Gespräch auszusetzten, in dem ich die gesamte Zeit in ein schwarz bemaltes, inzwischen verschmiertes, Gesicht schauen muss. Ich drücke ihn auf einen Stuhl, setze mich ihm gegenüber und beginne „Entwicklungshilfe“ für ihn zu leisten. Er ist ein hartnäckiger Fall und wir gehen die gesamte Palette durch: „Aber ich meine es doch gar nicht rassistisch“, „Aber ich wollte doch nur mal so wie Coolio sein, der ist für mich so 90er, ist doch lustig“, „Aber mein Ex-Freund ist doch Schwarz“, „Aber wir sind hier nicht auf einer politischen Party“, „ Aber darf man dann bald gar keine Witze mehr machen?!“, „Aber solange es nicht persönlich gemeint ist, ist es doch ok?!“, „Aber DU bist doch eigentlich rassistisch weil DU hast diese negativen Bilder im Kopf, MIR ist Rassismus total fremd“ …
Ich versuche, so gut ich weiß und kann, seiner Abwehr Stand zu halten. Ich erzähle von der rassistischen Geschichte des Blackfacing, von der hässlichen Tradition der Minstrel Shows. Ich sage ihm, dass es auch rassistisch ist, wenn es nicht rassistisch gemeint ist, da es in so einem Fall vor allem darauf ankommt wie ein Mensch und seine Aktionen gelesen werden. Ich sage ihm, dass es einfach nicht witzig sein kann, sich über Menschen lustig zu machen, die in der Gesellschaft strukturell benachteiligt werden, auf diese Weise werden Herrschaftsstrukturen verfestigt. Und ich erzähle ihm, dass ich denke, dass alle Menschen, ausgehend von sehr unterschiedlichen Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen, ihre Privilegien und whiteness reflektieren müssen. Zu erkennen, dass man ungewollt Rassismus reproduziert hat, ist jetzt nicht der schönste aller Momente im Leben, aber passt schon! Es ist wirklich gar nicht so schwer damit umzugehen- im Vergleich zum Erleben von Rassismus ist es ein Kinderspiel. Einfach mal öfter zuhören, nochmal Dinge nachlesen, sich immer wieder Literatur empfehlen lassen, was lernen und dann werden bei der nächsten Party die Witze vielleicht auch mal lustig, für alle.
„OK, ich habe verstanden, dass es jetzt Zeit ist für mich nach Hause zu gehen“, waren seine Worte, bevor der Typ im Anschluss an das Gespräch die Party verlies.
Ich gehe zurück zur Bar und komme dort mit einer Schwarzen Frau ins Gespräch, die den Typen natürlich auch gesehen hat. Sie erzählt mir, dass ihre Strategie war, ihn so gut wie Möglich zu ignorieren und dass sie sich bestimmt nicht mit dem Typen unterhalten hätte. Als direkt betroffene Person wäre sie wieder einmal nur als zu emotional argumentierend und als zu aggressiv interpretiert worden, wahrscheinlich besonders dann, wenn sie diejenige gewesen wäre, die ihm das Wasser ins Gesicht gekippt hätte. Wer weiß ob der Typ dann nicht noch defensiver gewesen wäre. Diesem Stress und Schmerz hätte sie sich vermutlich nicht auch noch zusätzlich aussetzen wollen.
*People of Colour
#SchauHin-Redebeitrag auf der NoPegida-Demo am 9.2.2015 in Berlin: Rassismus-Symptom Pegida
Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes: Der Name der Initiative klingt so absurd und realsatirisch, dass es vielen Menschen schwer fällt, Pegida ernstzunehmen. Häufig wird mit Zynismus und Ironie über dieses rechtspopulistische Bündnis gesprochen, manchmal auch mit ein wenig Scham, aber die dominantesten Zuschreibungen sind in der Regel „bildungsfern“, „Wutbürger“, „ostdeutsch“ oder „besorgte Eltern_Bürger_innen“. Pegida sind aber nicht nur ein paar Tausend nervige Menschen, die „lächerliche“ Demonstrationen besuchen, sondern Ausdruck eines gefährlichen Rechtspopulismus', der seinen Hass auf die sogenannten „Anderen“ projiziert. Pegida ist eine Ermutigung zum rassistischen Handeln im Alltag, die Konsequenzen zeigen sich bereits: Die Angriffe auf rassifizierte Personen sind enorm gestiegen, das rassistische Klima hat sich verschärft.
Pegida ist kein sächsisches Problem und kein Problem der Arbeiter_innenklasse, sondern gesamtdeutsch und klassenübergreifend. Die Symptome dieser rassistischen Gesinnung zeigen sich schon seit Jahren in allen Schichten und Orten. Unterschiedliche Formen von Gewalt beginnen bereits beim Othering, der Konstruktion eines „Anderen“. Daraufhin folgen Ausschlüsse, Diskriminierung und Übergriffe auf verschiedenen Ebenen. Nicht erst seit, aber verstärkt auch durch Pegida. Die Verantwortung liegt nicht nur in den Händen Ostdeutscher, sondern bei jeder einzelnen Person, die nicht interveniert, sondern wegschaut, wenn diskriminierendes Handeln passiert.
Politiker_innen und Medienmacher_innen reagieren auf Stimmen und Ängste. Doch es sind nicht etwa die Stimmen und Ängste betroffener Personen, auf die endlich gehört wird, sondern die vermeintlichen Ängste der Mehrheitsgesellschaft. Sprechen sich doch noch weiße Poltiker_innen gegen Rassismus aus, wird ihre Meinung gefeiert, während die jahrelange Arbeit anti-rassistischer Gruppen unsichtbar bleibt und nicht wertgeschätzt wird.
Auch der Medienduktus ist problematisch: Anstatt Rassismus konkret zu benennen, wird von Fremdenfeindlichkeit oder Islamkritik geschrieben. Auf dem Blog Shehadistan macht die Autorin Nadia Shehadeh darauf aufmerksam, dass vor Jahren allein die Formulierung „Mensch mit Migrationshintergrund“ als problematischer Begriff verstanden wurde, während heute die Rede wieder ganz unkritisch von „Ausländern“ ist.
Bei der medialen Berichterstattung rund um Charlie Hebdo wurde anti-muslimischer Rassismus nicht nur in der Mehrheitsgesellschaft gefüttert. Selbst vermeintliche Verbündete wie kritische Verlage und öffentliche Personen positionierten sich solidarisch zur Zeitung. Eine kritische Auseinandersetzung mit den rassistischen, homofeindlichen und sexistischen Inhalten des Blatts hat es nicht gegeben.
Wir sind nicht nur gegen Pegida, sondern auch für die Sichtbarmachung und konkrete Benennung von Rassismen in Deutschland: Refugee-Politik, rassistische Polizeigewalt, Racial Profiling, anti-muslimischer Rassismus, Antisemitismus, Kolonialrassismus/kulturelle Aneignung müssen als Unterdrückungsformen anerkannt und bekämpft werden. Nicht nur reaktiv, sondern proaktiv muss Rassismen entgegengewirkt werden, sodass gar nicht erst der Boden für Initiativen wie Pediga entsteht. Es ist immer schön, kollektiv laut zu sein, doch es ist auch wichtig, individuell zu intervenieren und diskriminierendes Handeln im Alltag nicht unkommentiert zu lassen. Zivilcourage, Akzeptanz und Offenheit werden stets gepredigt, doch fehlen in der Praxis häufig.
Unsere Forderungen sind nicht nur im Rahmen von Pegida stark, sondern bleiben auch danach. Denn anschlussfähige Rassismen sind in Deutschland nicht erst seit Pegida ein Problem, sondern sind viel weitreichender.
Khaled Idris Bahray
I wrote this on Facebook on friday (January 23th 2015):
An update on the case of the murdered Eritrean refugee Khaled Idris Bahray (background info in the 3rd paragraph: https://www.facebook.com/Malaika123/posts/10153151739002214):
- Khaled Idris Bahray was a black refugee from Eritrea, who lived in Dresden, Germany. He was stabbed to death on monday 12th of January 2015 in Dresden. On tuesday when his body was found, police Dresden first announced that it was an accident and that there were no traces of injuries, which one day later turned out to be false information. Also there were no crime scene investigators till 30 hours after his body had been found
- The murder took place at the same time of the weekly racist PEGIDA-demonstrations in Dresden
- A member of the German parliament filed charges of obstruction of justice against the Dresden police department. Yet the Dresden police department is still the one in charge for the murder investigation
- Yesterday (22th of January) Dresden’s prosecution in this case released a statement that they found a suspect - an Eritrean roommate of Khaled Idris Bahray. It was also said that this roommate already made a confession
- German press has been writing headlines that the murderer is known, that the roommate is the murder and that the case can be closed now. Despite the fact that there has been no convivtion yet, no further evidence, no trial. There are still many questions unanswered right now:
- The suspect had (/has) no interpreter during interrogations. He speaks no German and only little English, it’s questionable how he can have made a confession without an interpretor in his native language. I highly doubt that the police in Dresden speaks any Eritrean languages.
- Why were there no crime scene investigators at the scene until 30 hours later?
- Why is the police deparment Dresden still in charge of this case? Are they truly unbiased to investigate this while they/their coworkers are at the same time being supsected of obstruction of justice in the same exact case? Adding to that, there was also lots of public pressure on them to find a suspect.
- The suspect also had no attoney during the police questioning in which he allegedly confessed
- Why did Dresden police question only Eritrean housemates/friends of Khaled after they found his body? (and how exactly did those questionings took place? From what is known there was no interpretor in most of these questionings)
- The porsecuter announced that the motive apparently was some conflicts over household chores: What do the other roommates say about this alleged conflicts?
- Why did the press suddenly report that there was allegedly drugs found in the victims body?
There are still many questions unanswered, yet the suspect is being potrayed as the definite murderer by most of German press, by some politicians, and of course by bunch of racists and people who like to jump on the bandwagon. This all is happening just three years after it turned out that German govermental institutions/police had been covering up the racist serial murders of NSU for years (http://en.wikipedia.org/wiki/National_Socialist_Underground).
Maybe the Eritrean roommate killed Khaled Idris Bahray. But maybe it was also someone completely different. We dont know that yet for sure. We also can’t completely dismiss the possibility that it might have been a hate crime yet. What is known: There are still so many unanswered questions that need to be looked at and investigated by unbiased people.
Stellungnahme zu Charlie Hebdo
Am 7. Januar 2015 wurden bei dem grausamen Anschlag auf die Redaktion des Pariser Satiremagazins Charlie Hebdo 12 Menschen getötet. Der Anschlag löste europaweit eine Welle der Empörung, Solidarität und Wut aus und wird auch in deutschen Medien aufmerksam verfolgt und diskutiert. Kein Mensch sollte sterben müssen für das, was er oder sie sagt. Das #SchauHin Team verurteilt die grausame Tat aufs Schärfste und bedauert den schrecklichen Tod der Menschen. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer. #SchauHin möchte den Anschlag zusätzlich zum Anlass nehmen, sich kritisch zu der allgemeinen Berichterstattung zu äußern und zu mahnen: Der derzeitige mediale und politische Umgang mit der Thematik, sowie bereits erfolgte Angriffe auf Muslim_innen in Frankreich sind höchst problematisch und alarmierend.
Wir sind nicht Charlie
Der Anschlag schlug Wellen, die nun in europäischen Gesellschaften und vor allem in vielerlei Medien sichtbar werden. Das hart getroffene Satireblatt erfährt weltweit Solidarität und es wird von einem brutalen Angriff auf die Meinungsfreiheit gesprochen. Zahlreiche und gut besuchte Solidaritätsmärsche für die Opfer finden statt. Die Flaggen in Deutschland wehen auf Halbmast.
uch online ist Charlie Hebdo Top-Thema: Der Hashtag #JeSuisCharlie (dt. Ich bin Charlie) und ähnliche Posts gehen um die ganze Welt und werden von Millionen Menschen geteilt- unter den Posts gibt es auch vermehrt rassistische, anti-muslimische Karikaturen. #SchauHin möchte sich explizit von diesen Reaktionen distanzieren und ist beunruhigt über die augenscheinliche Identifizierung seitens der Mehrheitsgesellschaft mit den rassistischen, respektlosen und anstachelnden Karikaturen der Charlie Hebdo Redaktion, all dies unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit. Meinungsfreiheit ist ein wichtiges Grundrecht, dem wir uns verpflichtet fühlen. Es ist jedoch von mindestens genauso großer Bedeutung, das Recht auf Meinungsfreiheit nicht für rassistische, sexistische und andere menschenverachtende Inhalte zu missbrauchen - und wenn dies geschieht, zu kritisieren und zu verurteilen. Charlie Hebdo ist in den vergangenen Jahren immer wieder durch diskriminierende und beleidigende Karikaturen aufgefallen. Tatsächlich wurde im Jahr 2008 der Charlie Hebdo Redakteur Maurice Sinet aufgrund einer antisemitischen Karikatur (zurecht) kritisiert und sogar entlassen. Die gleiche Sorgfalt zeigte die Redaktion jedoch nicht in Bezug auf anti-muslimische Beiträge, im Gegenteil.
Politische Satire hatte einst die Absicht, Machtverhältnisse herauszufordern und anzuprangern, nicht etwa unterdrückte und an den Rand gedrückte Gruppen zu schmälern. Mit der Auslegung der Satire von Charlie Hebdo kann und will sich #SchauHin nicht identifizieren. Wir sind deshalb ausdrücklich nicht Charlie Hebdo.
Sorge um Sicherheit von Muslim_innen
Infolge der Anschläge in Paris hat es bereits viele Fälle von rassistischen, körperlichen Angriffen auf Muslim_innen gegeben. Seit dem 7. Januar wurden über 15 Angriffe auf muslimische Communities und Individuen in Frankreich verzeichnet. Zu den Angriffen gehören Brandstiftung, Drohungen, Vandalismus, körperliche Gewalt, ein Bombenanschlag, und Pistolenschüsse. (Quelle: http://tellmamauk.org/news/) Dies verdeutlicht nun einmal mehr, dass Muslim_innen für das Attentat zur Verantwortung gezogen werden und sich um ihre Sicherheit sorgen müssen. Muslimische Bürger_innen in Europa stehen diesen Anschlägen genauso hilflos gegenüber wie andere auch. Tatsächlich sind sie mehrfach betroffen: Zum einen durch den Missbrauch ihrer Religion, zum anderen durch ihre Kategorisierung als vermeintliche Verantwortliche und ihre damit einhergehende soziale Marginalisierung, und zuletzt - wie auch der Polizist Ahmed Merabet in Paris - als ebenso potentielle Opfer dieser Anschläge.
Unverhältnismäßigkeit der Berichterstattung
Die unverhältnismäßige Berichterstattung und die europaweite Trauer und Anteilnahme deuten ferner auf eine selektive Wertigkeit des Lebens seitens der so genannten westlichen Welt hin. Das #SchauHin Team bedauert zutiefst, dass Solidarität mit den Opfern und Ergriffenheit über die Gräueltaten angesichts der Boko Haram Anschläge, bei dem vor wenigen Tagen über 2000
Menschen brutal ermordet wurden, ausblieben. Der “Wert Weißen Lebens” wurde erst im Oktober 2014 von Charlotte Wiedemann in einem eindrucksvollen taz-Artikel thematisiert und wird im Fall Charlie Hebdo erneut relevant. Es scheint, als gäbe es in der westlichen Welt nur Anlass, auf die Straßen zu gehen und sich in dem Ausmaß trauernd zu zeigen, wenn Menschen der europäischen oder westlichen Mehrheitsgesellschaft Opfer wurden.
Die Nachwirkung des Falls Charlie Hebdo kann nicht unabhängig von den doppelten Standards und der Ignoranz europäischer Politik und Mainstream-Medien betrachtet werden. Muslim_innen weltweit müssen sich nun erneut vor vermehrten Angriffen und Ausgrenzung fürchten. Ferner wird die Deutschlandweite Bewegung “Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes” (kurz, PEGIDA) von der unkritischen und verzerrten Berichterstattung der Medien im Falle Charlie Hebdo, sowie von Solidaritätbekundungen in den sozialen Netzwerken und auf den Straßen, profitieren. Tatsächlich haben Anhänger_innen von PEGIDA den Anschlag bereits zum Anlass genommen, verstärkt Stimmung gegen den Islam, Geflüchtete und die vermeintliche “Islamisierung” Europas zu machen. #SchauHin möchte vor diesen Hintergründen appellieren: Wir dürfen uns nicht spalten lassen, denn wir sind alle betroffen von Anschlägen dieser Art.
Empfohlene Links zum Thema:
Twitter: #JeSuisCharlie / #JeNeSuisPasCharlie
“Der Wert Weißen Lebens” http://www.taz.de/!147680/
Zur Komplexität der Pariser Anschläge (engl.) http://www.theguardian.com/commentisfree/2015/jan/11/charie-hebdo-danger-polarised-debate-paris-attacks
Freedom of Speech and unmournable bodies (engl.) http://www.newyorker.com/culture/cultural-comment/unmournable-bodies
Toleranz, Meinungsfreiheit, rechtpopulistische Wortklauerei https://malifuror.blog-space.eu/toleranz-meinungsfreiheit-rechtspopulistische-wortklauerei-vom-22-10-2014/
Tweet of the muthafuckin YEAR.
The generalization of black people has led to the murder of them by police with impunity.
The generalization of white people has led to…increase sales in pumpkin spice lattes
A system cannot fail those it was never built to protect.
W.E.B. DuBois (via america-wakiewakie)
Gegen rassistische epistemische Gewalt an der Universität!
Statement zum Kolloquium “Von epistemischer Gewalt zu epistemischem Ungehorsam? Dekoloniale und feministische Herausforderungen” am 16.05.2014, organisiert vom Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien an der Humboldt-Universität zu Berlin
Dieses Statement hat den Zweck, die rassistischen Vorfälle, zu denen es auf einer öffentlichen Veranstaltung der Humboldt-Universität im Mai 2014 kam, in einem größeren Kreis öffentlich bekannt zu machen und zu einem Umdenken an deutschen Hochschulen in Bezug auf rassistische Alltagsgewalt aufzurufen. Es ist uns wichtig, zu betonen, dass es sich bei den geschilderten Vorfällen keineswegs um Einzelfälle handelt, sondern lediglich um einen exemplarischen Ausdruck der epistemischen Gewalt, der Schwarze, PoCs und Rroma sowohl auf struktureller als auch auf individueller Ebene tagtäglich im akademischen Betrieb ausgesetzt sind. In diesem Fall sind die verantwortlichen Professor_innen im Wesentlichen in den Gender Studies, den American Studies und den Sozialwissenschaften angesiedelt. Dies sind nun gerade diejenigen Disziplinen, in denen zumindest vereinzelt der Versuch unternommen wird, sich mit rassistischen Strukturen zu beschäftigen und diese abzubauen. Es ist deshalb wichtig, sich bei der Lektüre dieses Statements vor Augen zu halten, dass in weiten Teilen der deutschen Hochschullandschaft jegliches Bewusstsein für die eigene Verstrickung in rassistische Herrschaftssysteme fehlt, so dass die hier geschilderte Gewalt noch weit extremere Formen annehmen kann und oft in noch höherem Maße normalisiert und akzeptiert wird.
Am 16.05.2014 sollte Encarnación Gutiérrez Rodríguez auf dem vom Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien (ZtG) organisierten, öffentlichen Kolloquium „Von epistemischer Gewalt zu epistemischem Ungehorsam? Dekoloniale und feministische Herausforderungen“ an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) einen Vortrag zum Thema „Wenn die Rhetorik nicht ausreicht – Fragen zur sozialen Ungleichheit an Hochschulen. Eine materialistische und dekoloniale feministische Perspektive“ halten. Aufgrund des vielversprechenden Titels waren für diesen Vortrag im Gegensatz zum restlichen Kolloquium viele Schwarze, PoCs, Rroma, und weiße, die sich im contra-rassistischen Spektrum verorten - sowohl Studierende als auch Nicht-Studierende - anwesend.
Unsere Überraschung sowie unser Bedauern waren groß, als wir feststellen mussten, dass Encarnación Gutiérrez Rodríguez nicht anwesend sein würde und stattdessen die weiße Amerikanistin Sabine Broeck ihren eigentlich für den Vormittag angekündigten Vortrag halten würde. Sabine Broeck ist die Leiterin der Research Group Black Knowledges in Bremen, die bereits seit ihrer Gründung stark in die Kritik geraten ist, weil an dieser Gruppe ausschließlich weiße Forscher_innen beteiligt sind. Diese weiße Re_produktion von Wissen über Schwarze Menschen sowie das weiße Profitieren von der Wissensproduktion Schwarzer Menschen sind offensichtliche Beispiele für genau die kolonial-rassistische epistemische Gewalt, der das Kolloquium unserem Verständnis nach entgegenwirken wollte. Vor diesem Hintergrund ist aus unserer Sicht bereits die Einladung von Sabine Broeck als Referentin und damit als Expertin zu epistemischer Gewalt und dekolonialem Widerstand in der Wissenschaft unverständlich.
Mindestens ebenso unverständlich ist, wie das ZtG dann ein Podium stattfinden lassen konnte, auf dem alle bekannten rassistischen Muster exakt wiederholt wurden. Schon wieder tauschte sich eine weiße Vortragende mit einer weißen Kommentatorin (Ina Kerner, Juniorprofessorin für Diversity Politics am Institut für Sozialwissenschaften der HU und Mitglied des ZtG) und einem weißen Moderator über die Rassismuserfahrungen Schwarzer Menschen, deren Widerstandsstrategien und wie diese zu „verbessern“ seien aus. Wider besseren Wissens und trotz jahrzehntelanger Wissensansammlung haben Sabine Broeck, Ina Kerner und das ZtG Gayatri Chakravorty Spivaks Frage, „Can the subaltern speak?“, wieder einmal grandios beantwortet: Sie könnte, aber ihre Stimme wird systematisch zum Schweigen gebracht.
Tatsächlich hat Sabine Broeck dann in ihrem Vortrag zur besonderen Problematik des anti-Schwarzen Rassismus insbesondere in universitären Kontexten zwar erwähnt, dass ihre eigene Positionierung als weiße, deutsche Professorin, die zu diesen Themen spricht, nicht ideal ist. Sie hat aus dieser Feststellung jedoch keinerlei Konsequenzen gezogen. Ganz im Gegenteil zeigte sich die mangelnde kritische Reflexion ihrer eigenen Macht-/Position dann umgehend in ihrer gewaltvollen und elitären Vortragsweise, durch die wiederum epistemische Gewalt gegen genau die nicht-akademischen Schwarzen, PoCs und Rroma ausgeübt wurde, deren Lebensrealitäten und Rassismus-Erfahrungen als Rohmaterial für weiße akademische Wissensproduktion ausgebeutet werden.
Intensiviert wurde diese Gewaltausübung durch Sabine Broeck, als sie begann, eine nicht enden wollende Flut von Zitaten vorzulesen, in denen aus der Sicht von Betroffenen die schlimmsten und grausamsten anti-Schwarzen Rassismuserfahrungen detailliert beschrieben wurden. Beispielsweise beschrieben Schwarze Menschen in diesen Zitaten, dass weiße Schwarze Menschen mit dem „n-word“ benannten (hier wurde das n-word von Sabine Broeck auf Englisch ausgesprochen), zu „Gegenständen“ machten und wie „lumps of flesh“ behandelten. Diese extrem gewaltvollen und (re)traumatisierenden Begriffe und Bilder in großer Zahl aus dem Mund einer weißen Professorin hören zu müssen ist in sich eine Zumutung für alle anwesenden Schwarzen, PoCs und Rroma, die mit diesen Begriffen und Erfahrungen in ihrem täglichen Leben zur Genüge konfrontiert sind. Dies gilt auch, wenn weiße dabei Zitate von Schwarzen benutzen.
Sollte es Sabine Broeck darum gegangen sein, ihre Zuhörer_innen durch diese Anhäufung extrem graphischer Zitate zu schockieren und wachzurütteln, so lässt sich daraus nur schlussfolgern, dass sie ihre Zuhörer_innenschaft als ausschließlich weiß imaginiert haben muss. Selbst die Anwesenheit von Schwarzen und PoCs bei ihrem Vortrag hinderte sie jedoch nicht daran, sich dieser extrem gewaltvollen Sprache zu bedienen.
Ja, rassistische Gewalt gegen Schwarze kann und muss deutlich benannt werden, aber es macht einen großen Unterschied, wer dies in welchem Kontext auf welche Art und Weise und zu welchem Zweck tut. Sollte es nicht vermeidbar sein, sich rassistischer Sprach-Re_Produktion zu bedienen, so bedarf es zumindest einer vorherigen Warnung für diejenigen, die von dieser Gewaltausübung unmittelbar betroffen sind. Die sachlich nicht notwendige, gehäufte, lustvolle Re_Produktion verbaler rassistischer Gewalt durch weiße Menschen ist und bleibt eine Ausübung genau jener epistemischen Gewalt, die Gegenstand des Kolloquiums hätte sein sollen.
Ein trauriger Höhepunkt war erreicht, als Sabine Broeck in ihren eigenen Worten (d.h. nicht als Teil eines Zitats) Schwarze mit dem N-Wort bezeichnete – ausgesprochen und ohne jegliche Qualifizierung. Stellt das Aussprechen von rassistischen Fremdbezeichnungen in Zitaten durch weiße bereits eine Form von epistemischer Gewalt dar, so ist mit der Verwendung des N-Worts im eigenen wissenschaftlichen Diskurs eine exorbitante Steigerung rassistischer Gewaltausübung erreicht.
Aus diesem Grund verließen einige Anwesende den Raum, um dieser Gewalt nicht länger ausgesetzt sein zu müssen und um ihren Widerstand gegen Sabine Broecks rassistischen Vortrag deutlich zu machen. Sabine Broeck ignorierte diesen offensichtlichen Protest und versuchte, ihren Vortrag einfach fortzusetzen. Erst durch die entschiedene Intervention einer Rromni konnte Sabine Broeck in ihrem Vorhaben gestoppt und zur Rede gestellt werden. Sie versuchte zunächst, den Gebrauch des N-Worts als „offensichtlich [sic] überspitzt und ironisch“ zu legitimieren und wollte dann das N-Wort „zurücknehmen“, um mit dem Vortrag fortzufahren. Während auch der weiße Moderator Sabine Broeck bei diesem Vorhaben unterstützte, musste erst die intervenierende Rromni klarstellen, dass nicht die gewaltausübende Person (in diesem Fall Sabine Broeck) entscheiden kann, wie mit ihrer Gewaltausübung umzugehen ist. Vielmehr ist es an den von dieser rassistischen Gewalt betroffenen Personen zu entscheiden, wie und ob fortgefahren werden kann. Der Forderung nach einer 10-minütigen Pause stimmt das Podium nur widerwillig zu.
Da die Betroffenen, die den Raum verlassen hatten, und deren Allies befürchten mussten, dass Sabine Broeck sich auch weiterhin typischer weiße Derailing-Strategien (weiße Verteidigungs-, Ablenkungs- und Abwehrstrategien) bedienen würde, wodurch erneut rassistische Gewalt ausgeübt würde, bestanden sie darauf, dass Sabine Broeck ihren Vortrag nach der Pause nicht mehr fortsetzen sollte. Stattdessen sollte Ina Kerner direkt mit ihrem Kommentar fortfahren. Als dieser Beschluss nach der Pause verkündet wurde, bediente eine weiße Person aus dem Publikum1 sich gleich der nächsten weißen Abwehrstrategie und bezeichnete diesen Beschluss nun seinerseits als gewaltvoll gegenüber Sabine Broeck und als Anlegen eines „Maulkorbs“ [sic]. Dies war ein trauriger Versuch, die gegebenen Machtverhältnisse zu verschleiern und umzudrehen. Erneut musste von Betroffenen klargestellt werden, dass Unterdrückung sich nicht willkürlich umdrehen lässt und nur von oben nach unten und nicht von unten nach oben funktioniert, bevor ihrem Beschluss stattgegeben wurde und Ina Kerner ihren Kommentar begann.
In ihrem Kommentar zu Sabine Broecks Vortrag bezeichnete Ina Kerner die Zentrierung Schwarzer Perspektiven und Anliegen in anti-rassistischen Kämpfen an der Universität (wie sie Sabine Broeck gefordert hatte) als „Unterdrückungs-Olympiade,“ durch die andere anti-rassistische Kämpfe z.B. gegen Anti-Semitismus, Anti-Rromaismus und anti-muslimischen Rassismus angeblich verdeckt würden. Damit diskreditierte Ina Kerner aus ihrer weißen Perspektive bestehende Allianzen und Solidarität zwischen People of Color, die sich bewusst und aus strategischen Gründen gemeinsam entscheiden, an bestimmten Stellen speziell Anliegen von Schwarzen zu priorisieren. Die extreme Ironie, dass eine weiße Professorin über das angebliche Leiden von Rroma unter der Zentrierung Schwarzer Menschen und Perspektiven in universitären Kontexten doziert, während sie und andere weiße sich aktiv gegen die Intervention einer anwesenden Rromni gegen die Verwendung des N-Wortes wehren, ist wohl nur wenigen Anwesenden aufgefallen. Es ist auch bezeichnend, dass weißen immer ausgerechnet dann die Wichtigkeit von Kämpfen gegen bestimmte Formen von Rassismus einfällt, wenn es darum geht, damit andere anti-rassistische Kämpfe zu diskreditieren. Auf dieses Ausspielen von Rroma und PoC Aktivist_innen gegen Schwarze Aktivist_innen, auf diese altbekannte Strategie des „Teile und Herrsche“ haben wir wirklich keine Lust. Die solidarischen Zusammenschlüsse von Schwarzen, Rroma, und PoCs bedürfen keiner Legitimation durch eine weiße Wissenschaftlerin.
Darüber hinaus nahm Ina Kerner in ihrem Kommentar mit keinem Wort Bezug auf die rassistische Gewalt, die Sabine Broeck in ihrem Vortrag ausgeübt hatte. Auch der Protest der Anwesenden blieb gänzlich unerwähnt. Stattdessen bedankte sie sich für den „sehr interessanten Vortrag [ihrer] geschätzten Kollegin“ und verlas ihren offensichtlich im Voraus vorbereiteten Kommentar.
Auch dieser weiße Schulterschluss zwischen der Vortragenden und der Kommentatorin stellt eine bekannte Strategie epistemischer Gewaltausübung dar, die darauf abzielt, anti-rassistischen Widerstand zum Schweigen zu bringen und durch Verschweigen und Ignorieren seiner Wirkung zu berauben. Letztlich soll so der rassistische Status quo mit allen Mitteln auch gegen expliziten Widerstand erhalten werden. Die bittere Ironie, dass dies alles ausgerechnet auf einem Kolloquium geschah, auf dem explizit die Möglichkeiten des „dekolonialen epistemischen Ungehorsams“ ausgelotet werden sollten, muss wohl kaum extra erwähnt werden.
Diese Strategie des Verschweigens und der weißen Solidarität setzt sich bis heute fort, da weder das ZtG noch die beteiligten Einzelpersonen jemals öffentlich Position zu diesen Vorfällen bezogen haben. Ganz offensichtlich wird darauf gesetzt, dass die rassistischen Vorfälle jenseits des Kolloquiums nicht bekannt werden, damit unter dem Deckmantel weißer Verschwiegenheit der kolonial-rassistische Normalzustand aufrecht erhalten werden kann. Wir fordern deshalb
1) eine öffentliche Verantwortungsübernahme des ZtG, wie es sein kann, dass es immer wieder zu solchen rassistischen Vorfällen innerhalb des ZtG kommt.
2) eine öffentliche Entschuldigung von Sabine Broeck, Ina Kerner und des ZtG.
3) keine weiteren Konferenzen oder Kolloquien zu Rassismus und Kolonialismus, bei denen mehrheitlich weiße zu Wort kommen.
4) eine Beschränkung der Verwendung rassistischer und kolonialistischer Sprache und Bilder auf das für wissenschaftliche Analyse und Kritik absolut notwendige Maß.
5) vor der Verwendung rassistischer und kolonialistischer Sprache und Bilder explizit darauf hinzuweisen, dass diese verwendet werden.
Dieses Statement wurde verfasst von schockierten Anwesenden.
Zusätzlich wird dieses Statement und die darin enthaltenen Foderungen unterstützt von:
ISD Bund e.V. (Initiative Schwarze Menschen in Deutschland)
ISD Berlin e.V.
ISD Hamburg e.V.
IniRromnja
Rroma -Informations – Centrum e.V.
Romano Svato – Verein für transkulturelle Kommunikation e.V.
ADEFRA e.V.
AK UniWatch
Fachschaftsinitiative Gender Studies (HU Berlin)
Fachschaftsinitiative Slawistik & Hungarologie (HU Berlin)
#SchauHin e.V.
Bitte beachten Sie, dass dieser Briefwechsel von uns öffentlich geführt wird und wir dieses Anschreiben sowie Ihre Antwort zu Zwecken der Dokumentation und Aufklärung veröffentlichen.
1 In einer früheren Version dieses Statements haben wir diese Person fälschlicherweise als Ulrike Vedder identifiziert. Wir entschuldigen uns aufrichtig für diese Verwechslung.
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Der Braune Mob e.V. ist Deutschlands erste Schwarze Media Watch Organisation, die seit 2001 Aufklärungsarbeit zu strukturellem Rassismus und Alltagsrassismus leisten will. Die Tätigkeiten beschränken sich aber nicht nur darauf, auf rassistische Praktiken in Medien hinzuweisen und diese zu benennen, sondern inzwischen auch auf Community- und Vernetzungsarbeit.
Der Braune Mob hat lange Zeit viel Informationsmaterial für Redaktionen und Journalist_innen gesammelt, um über Rassismus und Repräsentation aufzuklären. Diese und ähnliche Materialien von anderen Organisationen stellen sie gesammelt auf ihrer Website bereit.
Auf diese Informationsarbeit beschränkt sie sich aber nicht mehr, und will mehr Community-Arbeit leisten:
„Unsere Aufgabe sehen wir daher ab sofort in der Förderung von Projekten, die Stimmen, Selbstbestimmung, Selbstbewusstsein, Ausdruck, Lebensmut, Gesundheit, Zugang, Chancen und Kreativität von Schwarzen Menschen und PoC in Deutschland stärken.“
Auf ihren Seiten findet ihr neben ganz viel Downloadmaterial mit Informationen u.a. auch Sticker, die auf Rassismen in der Öffentlichkeit hinweisen sollen, und die ihr euch selber ausdrucken könnt. Daneben gibt es auch Informationen zu Initiativen, Aktionen und anderen Organisationen, die „etwas Positives für das Leben von von Diskriminierung negativ betroffenen Menschen anbieten“.
Vielleicht habt ihr ja schon ein bisschen auf unserem Blog gestöbert und seid auf unsere „Held_innen“ Seite gestoßen. Wenn nicht, seid nicht traurig, die Held_innen kommen nun zu euch.
In den kommenden Wochen und Monaten wollen wir euch unsere Held_innen, also Organisationen, Medienproduzent_innen und Privatpersonen, die anti-rassistische Arbeit im deutschsprachigen Raum leisten, vorstellen. Vielleicht sind für euch neue, unbekannte Blogs, Initiativen oder Medienschaffende dabei, die ihr in Zukunft verfolgen/unterstützen möchtet.
#SchauHin war dabei: Erster Europäischer Tag gegen Islamophobie
Am 21. September 2014 war der erste Europäische Tag gegen Islamophobie. Islamophobie - oder wie wir finden, präziser: Anti-muslimischer Rassismus - ist eine Form von Rassismus, die sich gegen Individuen oder Gruppen richtet, die sich der muslimischen Gemeinschaft zugehörig fühlen, oder als solche wahrgenommen werden. In Deutschland kommt es immer wieder zu Übergriffen auf die muslimische Gemeinschaft. Zu diesen Übergriffen gehören nicht selten Attacken auf Moscheen, sowie körperliche Angriffe auf Individuen. Doch auch in anderen EU-Ländern kommt es zu schlimmen Übergriffen, Ausgrenzung und Diskriminierung von Muslimen. Häufig, so zum Beispiel in Deutschland, werden anti-muslimische Straftaten statistisch erst gar nicht erfasst. Diese Tatsache deutet darauf hin, dass anti-muslimischer Rassismus nicht als Problem angesehen wird. EU-Mitgliedstaaten müssen das Problem anerkennen und sollen es aktiv, gemäß den europäischen Anti-Diskriminierungsgesetzen, bekämpfen.
Mit dem Europäischen Tag gegen Islamophobie wurde nun ein Zeichen gesetzt. #SchauHin war dabei und unterzeichnete die Stellungnahme des Europäischen Netzwerks gegen Rassismus (ENAR).
Ebenso haben wir eine eigene Stellungnahme in Form eines Videos veröffentlicht:
#SchauHin Stellungnahme: Der Tod von Michael Brown
(please scroll down for English version)
#SchauHin verurteilt die Tötung des Schwarzen Jugendlichen Michael Brown durch einen weißen Polizisten in Ferguson, im US-Staat Missouri. Ferner solidarisiert sich #SchauHin mit den demonstrierenden Massen in Ferguson, die weiterer, unverhältnismäßiger Gewalt seitens der Polizei ausgesetzt sind, während sie sich für eine gerechte und kritische Auseinandersetzung mit dem Fall einsetzen. Ebenso möchte #SchauHin erneut den Fokus auf rassistisch motivierte Polizeigewalt in Deutschland richten, die im öffentlichen Diskurs kritisch beleuchtet werden muss.
Berlin - 26. August 2014: Am 09.08.2014 wurde der 18-jährige Michael Brown am helllichten Tag durch mehrere Schüsse, abgefeuert von einem weißen Polizisten, getötet. Augenzeugenberichten zufolge war das Opfer unbewaffnet und floh zuvor mit erhobenen Händen vor dem Polizisten, nachdem es in dessen Streifenwagen zu einer Auseinandersetzung kam. Autopsieberichte offenbarten, dass der Jugendliche insgesamt sechsmal angeschossen wurde. Vier Kugeln trafen ihn in seiner Abwehrhaltung in den Arm, eine Kugel traf sein rechtes Auge und die vermutlich tödliche Kugel traf ihn im oberen Schädel, womöglich als er mit seinem Oberkörper zu Boden ging. Dieser äußerst brutale Umgang mit Schwarzen Menschen, insbesondere mit Schwarzen Männern, seitens der US-amerikanischen Polizei ist bei weitem kein Einzelfall, sondern spiegelt erneut den strukturellen, institutionalisierten und in der Tat tödlichen Rassismus wider, der im US-amerikanischen System vorherrscht.
In Ferguson kommt es seit dem Vorfall zu heftigen Auseinandersetzung zwischen zivilen Demonstrant_innen und der Polizei, die zunehmend gewaltbereit reagiert und sich in ihrer Ausrüstung stark dem Militär ähnelt. Die Demonstrant_innen fordern einen fairen und transparenten juristischen Umgang mit dem Fall und protestieren lautstark gegen die rassistischen Praktiken seitens der Polizei gegenüber Schwarzen Menschen. In ihren Protesten und Demonstrationen erfahren Fergusons Bewohner_innen landesweit und international Solidarität.
#SchauHin möchte anlässlich dieser Tragödie das Augenmerk auf Deutschland richten, denn auch hier sind bereits mehrere Schwarze Menschen durch polizeiliches Handeln ums Leben gekommen. Zu ihnen zählen Oury Jalloh, N’deye Mareame Sarr, Christy Schundeck und Dominique Kouamadio. Von den Schwarzen Communities geforderte Untersuchungen blieben aus, so auch der kritische Umgang mit der Thematik im öffentlichen Diskurs. Dass institutionalisierter Rassismus und so genannte Racial Profiling Praktiken auch Teil der deutschen Staatsgewalt sind, darf an dieser Stelle nicht vergessen werden und muss intensiver thematisiert werden.
#DontShoot
Diskussionen, Debatten und Veranstaltungen rund um den Fall können bei Twitter unter #Ferguson, #MichaelBrown, #DontShoot verfolgt werden.
#SchauHin Press Statement- Michael Brown killing
#SchauHin strongly condemns the killing of the Black teenager Michael Brown through the shots of a white police officer in Ferguson, Missouri. Furthermore, #SchauHin would like to express its solidarity with the demonstrating and protesting masses in Ferguson, who are facing more and more disproportionate police violence in their struggle for a just and critical examination of the case. Finally, #SchauHin would like to draw attention to racist police violence in Germany which needs to be addressed more critically in the public discourse.
Berlin- August 26 2014: On August 9, 2014, 18-year old Michael Brown was shot dead in the middle of the day by a white police officer. Eye witnesses confirmed that the victim had not carried any weapons and fled from the police officer with his hands up after a quarrel between the two had taken place in the squad car. Autopsy showed that the teenager had been shot six times. Four bullets hit his arm while trying to cover his face, one bullet hit his right eye and the allegedly fatal bullet hit the victim’s scull, probably while falling on the ground. Sadly, extreme police brutality towards Black people, especially Black men, is common in the US and the killing of Michael Brown once again mirrors the structural, institutionalized and in fact fatal dimensions of racism within the US-American system.
Following the killing, Ferguson is currently home to boisterous quarrels between civil protesters and the police, who is increasingly violent and who in its equipment strongly resembles the military. Protesters demand a fair and transparent legal examination of the case and vociferously criticize racist methods of the police towards Black people. In their protests, Ferguson’s residents receive vast support and experience solidarity, both nationally and internationally.
On the occasion of this tragedy, #SchauHin would like to point to Germany and remind of the fact that here too, several Black people have died as a consequence of police brutality. Oury Jalloh, N’deye Mareame Sarr, Christy Schundeck und Dominique Kouamadio are among the victims. Examinations of these cases as demanded by Germany’s Black communities remain ignored. Moreover, the problem is being hushed up and kept out of the public discourse. Institutionalized racism and so-called Racial Profiling practices are undoubtedly an issue in Germany’s police. This must not be forgotten, but needs to be discussed intensely.
#DontShoot
To follow the discussions, debates and events online, follow the hashtags #MichaelBrown, #Ferguson and #DontShoot.
RECLAIM THE HASHTAG. Unser Clip zur unserer Aktion #ReclaimTheHashtag ist nun da. Da der Hashtag lange Zeit für rassistische Kackscheisze missbraucht wurde, haben wir uns diesen ominösen "umgekehrten Rassismus"/"Rassismus gegen weiße"/"Reverse Racism" mal genauer angeschaut. Schaut hin, teilt es auf allen Netzwerken, brennt es für eure Großeltern auf DVD und spammt alle damit zu. #SchauHin