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~ Anahera Tamati ~
Geboren an der rauen Küste Neuseelands, dort, wo der Wind das Salz durch die Täler trägt und das Meer wie ein lebendiges Wesen atmet, kam Anahera mit offenen Sinnen zur Welt. Schon als Kind hörte sie, was andere nicht hörten: Stimmen, die durch Räume zogen, durch Träume, durch die Zwischenräume der Welt. Sie sprachen in flüsternden Tönen, in Bildern, in Gefühlen, für die es keine Worte gab.
Diese Stimmen begleiteten sie von Anfang an – in der Stille, im Regen, im Atem der Nacht. Für sie waren sie vertraut, fast tröstlich. Doch die Welt um sie herum verstand sie nicht. Man nannte sie seltsam, schaute sie mit Vorsicht an, als würde etwas in ihr flackern, das man besser nicht berührte. Anahera wurde stiller mit den Jahren, zog sich zurück, lebte wie auf einer unsichtbaren Schwelle – halb hier, halb dort.
Der Tod ihrer Mutter – sanft, aber tiefgreifend wie das leise Schließen einer alten Tür – wurde ein Wendepunkt. Es war nicht nur ein Verlust, sondern eine Öffnung. Ein Ruf. Und sie folgte ihm nach Kyoto.
In dieser stillen, alten Stadt, wo selbst der Wind eine Erinnerung zu tragen scheint, fand sie einen Ort, an dem ihr Anderssein keine Grenze, sondern eine Gabe war. In einem kleinen, zurückgezogenen Haus am Rande der Stadt lebt sie heute – umgeben von Bambus, Tee, Licht. Die Welt draußen ist leise, genau wie sie.
Als Malerin fängt sie das Unsichtbare ein. Ihre Bilder erzählen von Welten hinter dem Sichtbaren, von Erinnerungen, die sich nicht greifen lassen, und von Botschaften, die durch sie hindurch fließen wie Wasser durch Stein. In ihrer Kunst liegt etwas Flüchtiges, eine zarte Tiefe, die den Betrachtenden berührt, ohne sich aufzudrängen.
Doch Anahera ist nicht nur Künstlerin – sie ist ein Medium. Eine Brücke. Ein stilles Gefäß für all das, was zwischen den Welten wandert. Die Stimmen sind noch immer bei ihr, aber sie fürchtet sie nicht mehr. Sie hört sie mit einem offenen Herzen. Und manchmal – wenn der Regen an die Fensterscheiben schlägt und der Duft von Papier und Farbe den Raum füllt – scheint es, als würde die Welt selbst durch sie sprechen.
Anahera lebt in der Zwischenzeit, im Dazwischen. Und genau dort findet sie ihre Wahrheit – leise, tief, leuchtend.
Wire: seelenfaden
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