28.11.25
Schreiben fühlt sich gut und wahr an, wenn man auf der Suche nach der Wahrheit ist. Es ist das Finden der Wahrheit. Einem Teil davon. Nach dem Schreiben kenne ich nicht die ganze Wahrheit von Allem. Ich kenne nur den Teil davon, der hier steht. Wahrheit kann alle Formen annehmen, die von Liedern, Bildern, Gesten, Worten, Maschinen, Ideen, Taten. Eine Pflanze ist eine offensichtliche Form der Wahrheit. Deswegen schreibe ich, wie eine Pflanze wächst, wenn sie wachsen darf, wie sie will. Ich sehe eine Pflanze und denke mir: Sie ist wahr, deswegen ist sie schön.
Fatal wäre es, wenn ich um Verständnis schreiben würde. Es wäre ein Verrat an mir selbst, zu Gunsten von Anderen. Was du verstehst, ist nicht mein Belang. Wenn du dumm bist, will ich dagegen nicht kämpfen. Wenn du uninteressiert bist – sei es. Ich habe mehr von einem Blick in die Augen eines Menschen als von seinem Verständnis meiner Sache. Meine Sache ist nicht weniger meine Sache, wenn sie nicht verstanden wird. Sie ist nur mehr deine Sache, wenn du sie verstehen willst. Ich sage nicht, dass meine Sache zu kompliziert, zu "hoch" ist, als dass sie wer verstehen könnte. Im Gegenteil, ich glaube nicht an Kompliziertheit. Ich finde sie unnötig blöd, nur brauchbar für intellektuelles Wettwichsen. Kluge Worte krönen meine Sache nicht. Zu der gibt es nichts Kluges zu sagen. Vielleicht gefällt dir ja, was ich schreibe. Das ist ok. Es ist nicht mein Ziel. Auch nicht zu missfallen. Man kann den Falschen gefallen, den Richtigen missfallen. Auch um recht haben geht es mir nicht. Das ist noch langweiliger, als Verständnis zu bekommen. Wer bei der Wahrheit bleibt, muss sich um recht haben keine Sorgen machen.
Die Sehnsucht treibt mich zum Schreiben. Das ist es, was ich tue: Schreiben. Nicht mehr, nicht weniger. Müsste ich schreiben? Niemand muss schreiben. Aber wäre die Welt nicht so viel ärmer ohne Geschriebenes? So trage ich bei, ich hoffe zum guten, mit meinem Schreiben. Spiele mit den Worten, bin gespannt auf sie, lasse das Universum diktieren. Ich erschaffe nichts, ich gebe nur wieder. Ich resoniere.










