" (…) Menschen gibt es nicht. Wir sind lediglich menschliche Tiere mit Scharen von Seelen Ermordeter in uns."
Aleš Šteger: Archiv der toten Seelen, S. 160
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" (…) Menschen gibt es nicht. Wir sind lediglich menschliche Tiere mit Scharen von Seelen Ermordeter in uns."
Aleš Šteger: Archiv der toten Seelen, S. 160
"(…)Er war in Wirklichkeit davon überzeugt, dass jeder Mensch zwei Gesichter und zwei Seelen hat. Nur Zwillinge haben eine, weil sie das Produkt eines Fehlers sind und die zwei Seelen, die für einen Menschen bestimmt sind, auf zwei Körper aufteilen müssen."
Aleš Šteger: Archiv der toten Seelen, S.99
"Es ist alles meine Schuld. Ich war immer die Schuldige. Schuld ist meine Spezialität. Wir wurden am 1. Juni geboren, Zwillinge."
Aleš Šteger: Archiv der toten Seelen, Frankfurt: Schöffling, 2016, S. 93
Dichterin Friederike Mayröcker über das Nichtsuchen und Nichtfinden, ihren Heiligen Geist der Erleuchtung und den Tod als Skandal
Eine urbane Ausstellung zum Hörspiel "Auckland"
Das Wort cigaretšpic macht mich schmunzeln, denn so wie mich die Worte würgen, berausch ich mich daran.
Anna Baar: Die Farbe des Granatapfels, S.261
Wenn einen die Liebe nicht würgt, wozu sie sich antun?
Anna Baar: Die Farbe des Granatapfels, S.253
Das Aufatmen erst Wochen später, als Nada längst fort war und es wieder leicht war, sie zu lieben, wie es immer ein Leichtes ist, die Abwesenden zu lieben (…).
Anna Baar: Die Farbe des Granatapfels, S.149
Unter dem Brustbein schwelt Ekel, aber ich rauche weiter, als ließen sich durch den beißenden Dunst die Leerräume und Nebenhöhlen stopfen, die ein bloßer Atemzug nicht zu füllen vermag, weil die Leibeslöcher für Dichteres vorgesehen sind, weil man die Hohlräume und Tiefungen nur im Schmerz spürt, sich nur so mit jedem Luftzug am Leben weiß.
Anna Baar: Die Farbe des Granatapfels, Göttingen: Wallstein, 2015, S.13
Hans Henny Jahnn: Fluss ohne Ufer/Das Holzschiff, S.101
'Jedermann ist auf seine Weise unmäßig', begann der fette Mann, 'manche in der Frömmigkeit, andere im Laster. Ich selbst, zum Beispiel, habe von Zeit zu Zeit das Bedürfnis, zu weinen.' 'Zu weinen', fragte ungläubig Gustav. 'Wenn jetzt eine Welle des Atlantischen Ozeans das Schiff ins Schlingern bringen würde, und die Gläser stürzten um, zersprängen. Oder sie würden achtlos das Ihre fallen lassen. Dann würde ich zu weinen anfangen. Und es würde mir ganz leicht danach sein.' 'Das verstehe ich nicht', sagte Gustav tonlos. 'Die Seele des Menschen muss manchmal aus ihm heraus', sagte der Koch, 'er muss sich auf den Tod vorbereiten, wo es vollkommen geschieht. Er muss Übung darin erlangen, sich aufzugeben. Wir hängen an den Dingen; aber die Dinge hängen nicht an uns. Glauben Sie mir, es ist den Gläsern gleichgültig, ob sie in dem seidenen Futteral liegen oder als Scherben auf dem Meeresgrund. Es ist dem Gelde, von dem wir soviel reden, unwichtig, wem es angehört, und wozu es dient. Es ist keine Partei. Es bleibt nicht bei den Toten. Es wandert, es wandert.'
Hans Henny Jahnn: Fluss ohne Ufer/Das Holzschiff, S. 70f
Er sagte sich: Gefahr war eine Vorstufe, bedeutete die Zone, in der Kausalreihen zusammenflossen, um sich zum Unglück zu verflechten. Aber es war noch nicht der Zustand der Katastrophe.
Hans Henny Jahnn: Fluss ohne Ufer/Das Holzschiff, S. 77