Sie sah gut aus, das will ich gar nicht leugnen. Sanfte, gleichmässige Gesichtzüge, blaue Augen, langes blondes Haar, ein wenig pummelig, aber nicht fett (wobei fett ihr sicher auch gut gestanden hätte), ein grossartiger Arsch, hübsche, im Verhältnis zum übrigen Körper, etwas kleingeratene Titten und das Ganze bei einer hantlichen Körpergrösse von höchstens einsfünfundsechzig. Ihre Schönheit hätte allemal ausgereicht um mich ein wenig verrückt zu machen, aber was mir wirklich um den Verstand brachte, war ihr Duft. Ich erinnere mich gut, an das erste Mal, dass ich sie gerochen habe. Es war ein sonniger Montagmorgen Mitte Juni kurz nach sechs Uhr. Sie stieg an der Haltestelle xy in den Bus, mit dem ich unterwegs zur Arbeit war und setzte sich auf den Sitz vor mir. Sie sah irre süss aus in ihrem hellblauen Sommerkleidchen, zu dem sie schwarze Ballerinas und eine kleine hellbraune Handtasche trug (bestimmt eine besonders angesagte oder edle Marke, aber fragt nicht danach). Ich hatte sie davor schon zwei, drei Mal gesehen, beim Einkaufen oder auf der Strasse und sie war mir da schon aufgefallen, aber so nah, dass ich ihren Duft wahrnehmen konnte, war ich ihr zuvor noch nie gekommen. Sie roch nach Abenteuer, Gefahr, nach Frische, Wärme, vielleicht nach Frühling, nur nicht nach einem mitteleuropäischen Frühling, vielleicht nicht nach einem irdischen Frühling, jedenfalls war es ein fabelhafter Geruch, der von ihr ausging: rund und sanft, weich und sinnlich. Mein Unmut darüber, dass sie sich nicht den anderen freien Platz, eine Sitzereihe weiter vorne auf der anderen Seite ausgesucht hatte, wo ich bessere Sicht auf sie gehabt hätte, wich umgehend der hellen Begeisterung über diesen, ihren betörenden Duft. Schon lange üben Gerüche eine besondere Faszination auf mich aus. Wie herrlich ist es, etwa einen Wald zu riechen, das Harz, das Holz, den Morast, die Gräser und Blumen, die frische, mit ätherischen Ölen durchsetzte Luft, oder eine Bäckerei am frühen Morgen, wie die, die an meinem Schulweg lag und deren Duft nach Berlinern oder Zigerkrapfen einem schon von weitem in die Nase stieg, oder eine frische Pizza, ein guter Kaffee, Jasmin- oder Cannabisblüten, eine feuchte Fotze oder das Meer, und so unterschiedlich die Gerüche sind, so haben sie doch alle ihren besonderen Reiz und selbst schlechte Gerüche haben, nebst dem nützlichen Umstand, dass sie uns warnen vor Verdorbenem, Verwesendem oder sonstwie potenziell gesunsheitsgefährdenden Dingen und Orten, etwas spannendes an sich, etwas Anziehendes das dem Abstossenden innewohnt. Doch so sehr ich mich schon vor diesem Tag, für Gerüche zu begeistern vermochte, so hatte doch nie zuvor ein Duft etwas vergleichbares in mir ausgelöst wie dieser. Ich war auf erregende Weise erschüttert, fühlte mich wie in Trance, mein Schwanz war umgehend hart geworden und ich musste mich richtig zusammenreissen, um der Verlockung, mir die Quelle dieses Duftes auf der Stelle zu schnappen, sie an mich zu drücken und zu küssen, ihr die Kleider runterzureissen und jeden Quadratdzentimeter ihres Körpers zu beschnuppern und abzulecken, zu widerstehen. Natürlich hätte man mich nicht lange gewähren lassen. Ihren Abwehrversuchen wäre ich wohl noch beigekommen, aber in dem gut gefüllten Bus, hätten sich bestimmt genug Leute gefunden, die die Courage und die Kraft gehabt hätten, mich zu stoppen. Ich überlegte, sie an der nächsten Haltestelle rauszuzerren, verwarf aber auch diesen Gedanken. Das ich mich ob der offensichtlichen Schwachsinnigkeit des Gedankens nichtmal geschämt habe, kann ich mir nur damit erklären, dass mein Verstand komplett vernebelt war. Jedenfalls war ich von da an besessen von ihrem Duft und von ihr. Am Bahnhof, wo der Bus acht Minuten Aufenthalt hat, bevor er dorthin zurückfährt, woher er gekommen ist, blieb ich noch einen Moment sitzen, bis ihr Duft sich verflüchtigte. Sah ihr hinterher. Sie nahm dem Zug in Richtung Zürich. Ich stieg als letzter aus und ging ins Büro, wobei ich an dem Tag auf der Arbeit nichts auf die Reihe bekam (wie so oft, aber das ist ein anderes Thema)...