Es ist scheiße, wenn Koks das einzige ist, was einen verbindet.
„Komm mal wieder vorbei“, sagte Marco. „Wir haben uns schon ewig nicht mehr gesehen.“
„Klar, komm einfach vorbei.“
Ich war seit drei Monaten clean. Als ich mich vom Berghain nach einer durchkoksten Nacht mit Schmerzen in der Brust direkt in die Notaufnahme begab, war mir klar, dass ich ein kleines Koksproblem hatte. Der vermutete Herzinfarkt stellte sich dann zwar als Speiseröhrenpilz raus, aber die Ursache war ja die gleiche: gereizte Schleimhäute, dreckige Scheine, zu viel gezogen. Es war Zeit für eine Pause.
Marco umarmte mich fester als meine Eltern es je taten. Das sollte jetzt nicht depri klingen. Ich hatte eine glückliche Kindheit. Aber Marco freute sich einfach unglaublich, mich zu sehen.
„Hast du was dabei?“, fragte er, und ich wusste jetzt auch, warum er sich so freute. Dieser Typ war so fertig.
„Nee, sorry, ich mach schon länger nichts mehr.“ Das war vielleicht auch der Grund, warum wir uns schon so lange nicht mehr gesehen haben.
Nun war das alles in der Zeit vor Kokstaxis, weshalb wir den Koksmangel in dieser Situation nicht einfach so lösen konnten, und zudem war Marco chronisch pleite. Koks ist teuer.
„Du willst mich verarschen“, lachte er. „Du willst mich doch verarschen. Komm erst mal rein und setzt dich. Ich hol dir ein Bier“, sagte er und ging zum Kühlschrank. „Leg uns schon mal zwei Bahnen.“
„Marco, ich hab wirklich nichts dabei.“
„Digger, verarsch mich nicht“, kam er mit zwei Bierflaschen in der Hand zurück.
Enttäuscht stellte er die Flaschen auf den Wohnzimmertisch und sagte: „Ok, warte hier.“
Er ging in die Küche. Als er zurück kam, hatte er ein Messer in der Hand.
„Taschen leer“, befahl er.
„Bist du noch ganz dicht? Ich hab nix!“
„Taschen leer, hab ich gesagt.“
Ich stand auf und wollte gehen, doch er kam einen Schritt auf mich zu. Berlin Standoff.
„Sag mal hast du nen Schatten oder was? Leg das scheiß Messer weg.“
„Als ob du nichts dabei hast!“
Ich griff zur Bierflasche. Nur was macht man jetzt damit?
B. Marco in Gesicht stoßen?
Ich entschied mich für C, warf die Flasche mit voller Kraft gegen die Wand und rauschte an ihm vorbei zur Tür, ins Treppenhaus und nach Hause.
In der Bahn merkte ich, dass ich meine Jacke vergessen hatte. Das hatte ich nun von meiner Abstinenz.