Tag 676 / Vorzeitige, unbefristete Vertragsverlängerung

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Tag 676 / Vorzeitige, unbefristete Vertragsverlängerung
Tag 676 / Vorzeitige, unbefristete Vertragsverlängerung
Tag 519 / Die Welt der Frau hat gerade wieder super Aufkleber
Tag 480 / Die Fortsetzung des Abstinenzkalenders erfolgt ums Eck
Tag 480 / Die Fortsetzung des Abstinenzkalenders erfolgt ums Eck
Tag 346 / Viele abstinente Tage füllen ein Kalenderblatt
Tag 346 / Viele abstinente Tage füllen ein Kalenderblatt
Nun ist ein Blatt von meinem Abstinenzkalender voll. Für jeden Tag, den ich trocken geblieben bin, mache ich einen Aufkleber auf das Papier, welches ich an meine Schlafzimmerwand genagelt habe. Als ich zur Langzeittherapie in der Rehaklinik war, hatte ich ein neues Kalenderblatt angefangen. Auf dem setze ich das Kleben für jeden abstinenten Tag ab jetzt fort. Für mich ist mein Abstinenzkalender ein grandioses Hilfsmittel, um trocken zu bleiben - ein Abstinenz-Tool eben. Der Abstinenzkalender veranschaulicht mir, dass jeder einzelne trockene Tag wichtig, gleichwertig, großartig ist, dass die Summe der abstinenten Tage ein tolles Bild ergibt, dass meine Abstinenz kontinuierlich wächst, dass ich jeden Tag meinen eigenen Highscore toppe, dass auf gute 24 Stunden ein neues Heute folgt, dass ich einen neuen, alkoholfreien Weg gehe, dass ich für jeden einzelnen abstinenten Tag dankbar sein kann.
Tag 296 / Eine Armada AA-Anakondas
So machen die mir und potenziell anderen Neuen oder Unsicheren die Selbsthilfe kaputt. Das macht mir Angst, wenn da drei hysterische Weiber vor mir stehen und sich mir aufdrängen. Nur weil ich eine zitterige, weinerliche Stimme beim Vorlesen der 12 Versprechen habe, heißt das nicht, dass mir enge Zusammenarbeit mit einem anderen Anonymen Alkoholiker Stärke, Stabilität und Sexyness schenkt. Das ist doch Bullshit, dass es nur dann hilft, wenn man es so und so macht. Alter, wie krank und engstirnig seid ihr denn? Merkt ihr überhaupt, habt ihr ein Quäntchen von Einfühlungsvermögen, wie das sein kann für jemanden, wenn ihr da so plötzlich zu dritt vor mir steht? Wenn ihr mich mit Fragen löchert? Wenn ihr befehlt: Nimm auch mal ihre Telefonnummer. Ich geb dir jetzt meine. Ich ruf dich morgen an. Ich schicke jeden Tag Nachrichten rum, die kriegst du jetzt auch.
Habt ihr euch schon mal geöffnet und wart in Meetings, wo mehrere Menschen 20, 30 Jahre trocken sind? Habt ihr denen mal zugehört? Geht auch nur eine von euch vielleicht mal bitte zum Psychiater? Das ist doch nicht normal wie ihr euch verhaltet. Warst du im Krankenhaus? Echt? Hast du allein zu Hause entzogen? Echt? Wie lange bist du denn jetzt trocken? Echt? Aber du bist noch nicht so lange bei AA, oder? Echt? Aber in dieses Meeting gehst du noch nicht so lange, oder? Ab und zu, sporadisch. Und jetzt wohl erstmal nicht mehr. Erfolgreich vergrault.
Wisst ihr, was das Wort “Empfehlung” von dem Wort “Befehl” unterscheidet? Könnt ihr euch vorstellen, dass eine Person (ich) zu Tränen gerührt ist, während sie die Versprechen vorliest, weil einige davon für mich bereits Wirklichkeit geworden sind?
Mit eurem radikalen Vorgehen nehmt ihr mir das, wofür AA schon über ein Jahr für mich steht: Zugehörigkeit. Ich wurde und werde in den Gruppen, in denen ihr nicht seid - in Berlin, aber auch in anderen Städten Deutschlands - angenommen wie ich bin. Und damit leben die anderen das, was meiner Meinung nach den Spirit ausmacht: "Bei den AA werden Sie vorbehaltlos akzeptiert."
Wenn ihr denkt, mich zum x-ten Mal bedrängen, mit einer Sponsorin die Schritte arbeiten zu müssen, damit "es wirkt", es mir besser geht, dann solltet ihr vielleicht doch endlich mal cross-checken, ob euer Vorgehen so AA-konform ist. "Jeder kann auf seine eigene Art und Weise nach diesem Programm leben." steht auf der Website der AA im deutschsprachigen Raum. Lasst mich doch bitte einfach auf meine Art mit meinen Abstinenz-Tools und mit meiner Weise, AA zu nutzen, trocken sein.
Was ich am "Tag 68 / Fuck you!" empfand, hat immer noch Gültigkeit.
/ Fragen und Antworten https://www.anonyme-alkoholiker.de/content/03info/03index.php