Tag 676 / Vorzeitige, unbefristete Vertragsverlängerung

seen from Netherlands
seen from Russia
seen from China

seen from Malaysia
seen from Hong Kong SAR China
seen from China
seen from China

seen from Malaysia
seen from T1
seen from Hong Kong SAR China
seen from T1
seen from China
seen from T1
seen from Netherlands
seen from Malaysia

seen from Netherlands

seen from Sweden

seen from United States
seen from United States

seen from United States
Tag 676 / Vorzeitige, unbefristete Vertragsverlängerung
Tag 676 / Vorzeitige, unbefristete Vertragsverlängerung
Tag 480 / Die Fortsetzung des Abstinenzkalenders erfolgt ums Eck
Tag 346 / Viele abstinente Tage füllen ein Kalenderblatt
Nun ist ein Blatt von meinem Abstinenzkalender voll. Für jeden Tag, den ich trocken geblieben bin, mache ich einen Aufkleber auf das Papier, welches ich an meine Schlafzimmerwand genagelt habe. Als ich zur Langzeittherapie in der Rehaklinik war, hatte ich ein neues Kalenderblatt angefangen. Auf dem setze ich das Kleben für jeden abstinenten Tag ab jetzt fort. Für mich ist mein Abstinenzkalender ein grandioses Hilfsmittel, um trocken zu bleiben - ein Abstinenz-Tool eben. Der Abstinenzkalender veranschaulicht mir, dass jeder einzelne trockene Tag wichtig, gleichwertig, großartig ist, dass die Summe der abstinenten Tage ein tolles Bild ergibt, dass meine Abstinenz kontinuierlich wächst, dass ich jeden Tag meinen eigenen Highscore toppe, dass auf gute 24 Stunden ein neues Heute folgt, dass ich einen neuen, alkoholfreien Weg gehe, dass ich für jeden einzelnen abstinenten Tag dankbar sein kann.
Tag 296 / Eine Armada AA-Anakondas
So machen die mir und potenziell anderen Neuen oder Unsicheren die Selbsthilfe kaputt. Das macht mir Angst, wenn da drei hysterische Weiber vor mir stehen und sich mir aufdrängen. Nur weil ich eine zitterige, weinerliche Stimme beim Vorlesen der 12 Versprechen habe, heißt das nicht, dass mir enge Zusammenarbeit mit einem anderen Anonymen Alkoholiker Stärke, Stabilität und Sexyness schenkt. Das ist doch Bullshit, dass es nur dann hilft, wenn man es so und so macht. Alter, wie krank und engstirnig seid ihr denn? Merkt ihr überhaupt, habt ihr ein Quäntchen von Einfühlungsvermögen, wie das sein kann für jemanden, wenn ihr da so plötzlich zu dritt vor mir steht? Wenn ihr mich mit Fragen löchert? Wenn ihr befehlt: Nimm auch mal ihre Telefonnummer. Ich geb dir jetzt meine. Ich ruf dich morgen an. Ich schicke jeden Tag Nachrichten rum, die kriegst du jetzt auch.
Habt ihr euch schon mal geöffnet und wart in Meetings, wo mehrere Menschen 20, 30 Jahre trocken sind? Habt ihr denen mal zugehört? Geht auch nur eine von euch vielleicht mal bitte zum Psychiater? Das ist doch nicht normal wie ihr euch verhaltet. Warst du im Krankenhaus? Echt? Hast du allein zu Hause entzogen? Echt? Wie lange bist du denn jetzt trocken? Echt? Aber du bist noch nicht so lange bei AA, oder? Echt? Aber in dieses Meeting gehst du noch nicht so lange, oder? Ab und zu, sporadisch. Und jetzt wohl erstmal nicht mehr. Erfolgreich vergrault.
Wisst ihr, was das Wort “Empfehlung” von dem Wort “Befehl” unterscheidet? Könnt ihr euch vorstellen, dass eine Person (ich) zu Tränen gerührt ist, während sie die Versprechen vorliest, weil einige davon für mich bereits Wirklichkeit geworden sind?
Mit eurem radikalen Vorgehen nehmt ihr mir das, wofür AA schon über ein Jahr für mich steht: Zugehörigkeit. Ich wurde und werde in den Gruppen, in denen ihr nicht seid - in Berlin, aber auch in anderen Städten Deutschlands - angenommen wie ich bin. Und damit leben die anderen das, was meiner Meinung nach den Spirit ausmacht: "Bei den AA werden Sie vorbehaltlos akzeptiert."
Wenn ihr denkt, mich zum x-ten Mal bedrängen, mit einer Sponsorin die Schritte arbeiten zu müssen, damit "es wirkt", es mir besser geht, dann solltet ihr vielleicht doch endlich mal cross-checken, ob euer Vorgehen so AA-konform ist. "Jeder kann auf seine eigene Art und Weise nach diesem Programm leben." steht auf der Website der AA im deutschsprachigen Raum. Lasst mich doch bitte einfach auf meine Art mit meinen Abstinenz-Tools und mit meiner Weise, AA zu nutzen, trocken sein.
Was ich am "Tag 68 / Fuck you!" empfand, hat immer noch Gültigkeit.
/ Fragen und Antworten https://www.anonyme-alkoholiker.de/content/03info/03index.php
Tag 100 / No big deal?
Endlich dreistellig! Vom Körpergewicht her möchte ich liebend gerne wieder zweistellig werden. Aber mit den abstinenten Tagen die Dreistelligkeit erreicht zu haben ist das, was für mich im Februar und März noch ein unvorstellbares, unerreichbares Ziel war. Eine weitere, wichtige Etappe geschafft! Die ersten 100 Tage im Amt sind ja in Politik und Wirtschaft so eine gängige Zeitspanne, um Beurteilungen über erfolgte oder unterlassene Leistungen auszusprechen. Was habe ich bewirkt in der hunderttägigen Abstinenz? Was bewirken andere im selben Zeitraum? Wie mache ich mich in meinem abstinenten Amt? Nach Feiern ist mir heute nicht zumute. Ich mache kein Fass auf und lasse auch nicht die Korken knallen. Ich stoße nicht auf mich an und proste mir nicht zu. Ich gehe heute noch nicht mal vor die Tür. So kann ich am sichersten sein, dass auf den hundertsten abstinenten Tag der hunderterste folgen kann. Der amerikanische Präsident, der angeblich diese hundert Tage Marke mal implementiert hat mit der Bitte, man möge seinen "New Deal", seine Arbeit und das Greifen seiner Maßnahmen, erst nach Verstreichen dieser Frist anfangen, zu beurteilen, hatte höchstwahrscheinlich einen strategisch ausgefeilten Plan. Ich bin relativ planlos in die ersten hundert abstinenten Tage gestartet. Aber nicht mittellos. Neben Suchtberatung, Therapeutin, Ärztin, Pusteröhrchenfrau und AA habe ich mich mit meinen Abstinenz-Tools gewappnet. http://agatha-abstinent.tumblr.com/abstinenz-tools Für mich sind diese hundert Tage auf jeden Fall eine große Leistung, ein "Big Deal". Ich habe die zurückliegende abstinente Zeit nicht mal eben auf einer schwitzenden Arschbacke abgesessen. Das war und ist zwar nicht viel Blut, aber Schweiß und noch mehr Tränen. Es ist Anspannung, Gefühlswucht, Reizüberflutung und Gedankenchaos. Trotzdem mache ich weiter. Auch weil ich ja einen Abstinenz-Deal mit meiner Therapeutin habe. Wir werden uns nach 730 trockenen Tagen hinsetzen und Bilanz ziehen. So haben wir es besprochen.
Tag 1 / Jetzt ist irgendwann.
Ist Tag 1 überhaupt Tag 1, wenn man gegen 4 Uhr nachts den letzten Schluck getrunken hat? In der Nacht auf den Tag, der Tag 1 heißen soll, habe ich geträumt, dass mir mein neuer Arbeitsplatz in einer Werbeagentur gezeigt wird, von einem real existierenden Ex-Kollegen. Zu ihm sage ich im Traum "Ich trinke ab morgen nichts mehr." Gelassen reagiert er: "Macht ja, nichts. Du kannst doch einfach so tun als ob." Ich will aber gar nicht so tun als ob. Es ist doch nichts schwerer, als ein Bier in der Hand zu halten, mit anderen anzustoßen und dann nicht aus der Flasche zu trinken. Den ganzen Tag 1 habe ich im Bett gelegen. Die Zugabe des gestrigen Abschiedskonzerts lag mir in den Knochen. Dieses Leiden habe ich ja auch bewusst provoziert. Und es war Teil des Plans, am Tag 1 sich nicht direkt mit Schmerzmitteln das Leiden zu mildern. Aber um 16 Uhr halte ich es nicht mehr aus und nehme eine Ibu 400. Für meine AA-Gruppe um 18 Uhr fehlte mir die Kraft. Kurz vor 21 Uhr habe ich es noch in den Discount-Supermarkt zum Einkaufen geschafft. Danach habe ich sehr viele Nudeln gegessen. 3 oder 4 mal am Tag habe ich gedacht: "Was wäre, wenn ich jetzt doch etwas trinke?" Ich konnte dann relativ schnell "Nein" zu mir sagen. Irgendwann ist Schluss. Und jetzt ist irgendwann. Ich habe einen Abstinenzvertrag geschlossen. Ich habe mir ein Geburtstagsgeschenk mit "Abstinenz-Gravur" gewünscht. Das geht alles nur, wenn ich abstinent bin. Ich schaff das.