Metaphern lassen jenes ‘über’, das speziell bei Äußerungen zum Tragen kommt, außer Acht, überwinden es im vorgenommenen Vergleich geradezu, wie beispielsweise durch Wittgenstein: Wenn seine Eröterung Sprachspiele darlegt, mögliche Gebräuche, Muster, als werde ein Bild skizziert, das dem Vergleich mit der Wirklichkeit dienen soll, dann wird die sprachliche Tätigkeit, mit der Sprache erläutert wird, umgedeutet, ja als spezielle ausgeblendet. Das Bemühen, Sprache durch ein ‘Sprache ist wie’ zu fassen, kann nur scheitern, weil es gar nicht mehr um Sprache ginge. Wenn Sprache etwas nicht ist, dann ‘wie’.
Das Wort ‘fassen’, das ich im vorausgehenden Absatz nutzte, ist ebenfalls metaphorisch. Ein solches metaphorisches Sprechen oder Schreiben über sprachliche Akte ist sogar relativ weit verbreitet, weil kaum Alternativen bestehen. Einige Beispiele sind bereits angeführt worden: ‘darstellen’, ‘erfüllen’, ‘zeigen’, ja sogar ‘anführen‘ gehört dazu. Würde man alle relevanten metaphorischen Äußerungen tilgen, blieben kaum Worte übrig. Eine Reduktion würde eine Diskussion über Sprache und sprachliche Tätigkeiten fast unmöglich machen. Vermeiden lässt sich aber, den Metaphern auf den Leim zu gehen.
Ich möchte die Möglichkeit nutzen, einen eigenen Ansatz zu entwickeln. Mehr als eine Richtungsentscheidung soll sich dabei aber nicht ergeben. Vorausgesetzt wird, dass die im vorliegenden Kontext relevante Sprache gesellschaftlich geformt wird. Wissenschaften und die Philosophie sind abhängig von dieser Sprache, unternehmen jedoch auch eigene Anstrengungen, um die Präzision von Aussagen zu erhöhen. Dieses Vorgehen ist besonders wichtig, ich halte es für die zentrale Aufgabe, mit diesen Tätigkeiten deutlicher als im gesellschaftlichen Alltag zu machen, um was es jeweils geht und die Entwicklung dessen, was gemeinhin Wissen genannt genannt wird, voranzutreiben.
Sieht man von Metaphern ab, bleibt für sprachlichen ‘Bezug’ kaum mehr als eine abstrakte Funktion. Mit diesem Akt reduziere ich jedoch nur Ungeschicklichkeiten - und erhalte möglicherweise eine neue, vielleicht sogar eine hervorragende Grundlage für eine andere Form von Unangemessenheit. Abstrakta (und Allgemeinbegriffe) boten und bieten seit Platon immer wieder den Ausgang für Spekulationen über ihr Sein, als handele es sich um Gegenstände, die mit physikalischen vergleichbar wären. Dass Abstrakta hilfreich sein können, beim Rechnen, Sortieren und Putzen, will ich gar nicht bestreiten, aber muss es deshalb auch um ein metaphysisches oder ontologisches Sein gehen, nur weil das Zeug nicht so einfach kaputtzukriegen ist?
Wenn ich der Ansicht wäre, dass sprachliche Äußerungen stets Bezüge hätten, würde ich Kriterien benötigen, besonders solche, die über ‘wahr’ und ‘falsch’ entscheiden lassen. Bezüge wären eine Eigenschaft der Sprache, jedoch nur formal, weil nur in jeweiligen Zusammenhängen geklärt werden könnte, welche. Ein isolierter Satz wie ‘Die Bank ist grün’ würde offen lassen, auf was sich die Äußerung bezieht. Nun könnte man einwenden, dass die Eigenschaft, Bezug zu haben, nicht einfach formal ist, sondern sich im Rahmen von vorgegebenen Möglichkeiten bewegt. Dem ließe sich entgegnen, dass es sein mag, dass sich relativ viele Menschen an übliche Bedeutungen und Bezüge halten, Neuerungen wären dann aber nicht möglich. Sprache würde sich nicht mehr entwickeln können. Jüngere gesellschaftliche Vorkommnisse wie ‘geil’ und ‘cool’ wären einfach nur absurd.
Würde man akzeptieren, dass Spache nur formal Bezüge als Eigenschaften haben kann, sich letztlich die äußernden Menschen entscheiden, welche konkret, durch die Kontexte oder durch die Situationen im Umgang, weshalb sollten Menschen nicht darüber entscheiden können, ob ihre Äußerungen überhaupt Bezug haben, oder nicht. Nein, nein, dies ginge zu weit? Wäre es angebrachter, auch Zahlen und Götterbezeichnungen Bezüge zuzuschreiben, unabhängig davon, ob man an einen lichten Himmel oder eine düstere Unterwelt voller abstrakter Entitäten und Götter aller Schattierungen glaubt? Ist Sprache zentral ein metaphysisches Unterfangen, zu dem auch jene formale Eigenschaft gehört? In religiösen Kontexten ließen sich vielleicht diskursiv eingebrachte Götterbezeichnungen als Zitate interpretieren, eventuell sogar selektiv, bei der Verwendung von Zahlen und anderen Abstrakta auch? Wäre der interpretative Aufwand letztlich nicht zu hoch, der erforderlich wäre, um eine Formalie zu erhalten, die man gar nicht braucht?
Man bräuchte sie, um die Frage nach Wahrheit aufrechtzuerhalten. Diese Frage wäre belanglos, würde es nunmehr um Bezüge gehen, die vorliegen können. Es wäre (a) ungewiss, welche geäußerten Ansichten Bezüge haben, zumal worauf, unabhängig davon, ob sie wahr oder falsch sind. Damit wäre (b) unklar, in Bezug auf was die Frage nach Wahrheit gestellt werden kann. Sprache würde der Beliebigkeit anheimgestellt. Die Menschen könnten geradezu machen, was sie wollten. Dieser unberechtigten Angst - die Leute machen ohnehin, was sie wollen, fragen nicht erst einen Sprachmetaphyiker oder -priester -, ließen sich die verschiedenen Kontexte entgegenhalten, in denen es um empirische oder religiöse beziehungsweise metaphysische Gegenstände und Sachverhalte geht. Wenn man mir abends in einem Laden zu verstehen gäbe, dass Milch ausverkauft sei, könnte ich die Äußerung mit relativ großer Sicherheit als empiriebezogene auffassen, nicht als Aussage über ein eingebrochenes mythisches Verhängnis, das häufig abends eintritt, auch wenn mich dieser Umstand nicht trösten könnte.
Es ließe sich, speziell um religiösen und metaphysischen Scheinproblemen zu entgehen, ein Rahmen abstecken, der durch Bedeutungen gegeben wird, die Verifikationshinweise umfassen, Bedeutungen, die wissenschaftlich konkreter wären, als zum Beispiel lexikalische Bedeutungen, Prüfbarkeit ermöglichten. Es entstände ein “empirischer Gehalt” (vgl. Quine, W.v.O., 1995, S.75), jedoch ebenso eine Beschränkung des Tätigkeitsbereichs. Der philosophische Anspruch auf Professionalität wäre erkauft, ohne dass dies erforderlich wäre. Durch einen selektiven Verzicht auf Gegenstandbezüge ließe sich auch über etwas sprechen, das es der eigenen Auffassung nach gar nicht gibt, dennoch gesellschaftlich relevant ist. Quine sieht im Kontext von Abstrakta, dass “der ontologische Gürtel um einige Löcher enger” zu schnallen sei (vgl. Quine, W.v.O., 1975, S.29), bei dieser leichten Abmagerungskur bleibt es allerdings.
Propositionale Einstellungen eines Autors gegenüber einer Textpassage sind mir als Leser in der Regel unbekannt. Unabhängig davon kann ich aber prüfen, ob Bezüge vorliegen, oder in welchem Umfang. Passagen und ihre Kontexte geben in der Regel preis, ob Bezüge für die jeweiligen Texte eine Rolle spielen können, oder nicht. In diesem Zusammenhang ließe sich sogar weitaus differenzierter vorgehen, als dies eine Dichotomie in ‘wahr’ und ‘falsch’ erlauben würde. Ist der Übertrag, der von formalen Sprachen aus vollzogen wurde, sprachlich nicht völlig ungeeignet, besonders im Hinblick auf Studien, die explizit ihren (möglichen) Empiriebezug betonen und der von vielen Faktoren abhängig ist, von den ausgewählten theoretischen Grundlagen, den Hypothesenbildungen, der sogenannten Operationalisierung, bis hin zu den präferierten Messinstrumenten? Schlicht nach Wahrheit zu fragen, käme der Inszenierung eines mittelalterlichen Gottesurteils gleich.
Auf Abstrakta und Gottheiten als Gegenstände lässt sich nach meinem Ermessen leicht verzichten, so sehr man die einen oder anderen auch konzeptionell gebrauchen kann, zum Beispiel in einer Diskussion. Ein solcher persönlicher Verzicht ließe dennoch zu, über Glaubensgegenstände anderer zu sprechen. Die Frage nach angemessenen Regeln oder sprachlichen Bedeutungen reicht für Gespräche völlig aus, alles weitere wäre ohnehin nur mit Gewalt zu lösen. Entscheidend ist nicht die Frage, ob eine abstrakte Entität existiert, sondern wie sie gefasst wird. Ob sie darüberhinaus noch existiert, ist für eine Diskussion sekundär.
Wenn die Frage nach Wahrheit entfallen kann, weil es bei möglicherweise empriebezogenen Äußerungen darauf ankommt, ob im Rahmen einer Prüfung ein solcher Bezug vorliegt oder nicht, gegebenfalls in welchem Umfang, in religiösen oder metaphysischen Kontexten hingegen Angemessenheit der Bedeutungen gefragt ist, nicht Bezug, es sei denn bei Textanalysen, die sich auf Schriften beziehen, könnte man ‘wahr’ als schlichtes Urteil auffassen, ähnlich wie ‘schön’. Nach meinem Ermessen käme dies einer Entlastung des kleinen unscheinbaren Wörtchens gleich, auch einer Entlastung von seiner Substantivierung und vom Pathos. Eine Frage nach der Bedeutung von ‘wahr’ wäre lediglich noch eine empiriebezogene, würde unzählige Bedeutungen in Sprache l (language), zur Zeit t (time), im Raum a (area) ergeben, eventuell sogar amüsante. Mehr wäre kaum zu erwarten.
Bezug ist keine Eigenschaft der Sprache. Aber ich gestehe sprachlichen Erzeugnissen selektiv eine abstrakte Funktion zu, über etwas Auskunft zu geben. Dieser Vorgang vollzieht sich intrasubjektiv, hängt von Erfahrungen, vom Differenzierungsvermögen, von vielem ab, das interpersonell kaum zugänglich ist. Sogenannte Forschungsstandards zu setzen, mag dabei behilflich sein, eine Fleißarbeit zu leisten, vielleicht auch eine nach der anderen, doch genau diese Standards sind es, die Objektivität vorgaukeln und ein wissenschaftliches als auch philosophisches Fortschreiten behindern.
Die Schwierigkeit aber, herauszufinden, was die abstrakte Funktion ausmacht, besteht darin, nichts zur Verfügung zu haben, was nicht die Sprache wäre, die es zu erläutern gilt. Diese Grenze hat auch Wittgestein gesehen. In seiner Spätphilosophie reagierte er darauf mit unangemessenen Darstellungsbemühungen. Mehr als den im Grunde schwachen Hinweis, über etwas Auskunft zu geben, vermag ich nicht zu formulieren.
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*Quine, W.v.O., 1975, Ontologische Relativität und andere Schriften, Stuttgart.
*Quine, W.v.O., 1995, Unterwegs zur Wahrheit, Paderborn u.a.
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Abschnitt VIII (Schluss)
Abschnitt VI
Abschnitt V
Abschnitt IV
Abschnitt III
Abschnitt II
Abschnitt I