Durch mein Talent zur Cleverness, durch mein Yoga, durch mein Faible für französischen Wein und durch das ausgezeichnete singuläre Thai-Food, durch mein Gender-Verhalten und das meiner Freunde, durch meine Erfolgskarriere bei der Deutschen Bank gewinne ich, so Reckwitz, an Eigenkomplexität und werde besonders, wobei aber das Besondere gerade jenes Produkt des Allgemeinen ist, sodass die Besonderen fast schon zu riechen sind, tauchen mehr als zwei von ihnen in ihren Szene-Restaurants oder Bars auf, in denen sie nicht das Angebot kuratieren, sondern durch das Angebot kuratiert und gesteuert werden, im Konsum noch kreativ gemacht werden, indem sich ein Modul ins andere fügt, das Food, der Drink, die Designerfrauen, das Ambiente. Der funktionelle Psychopath erscheint als der Bandenführer seiner selbst, der vom Unbewussten den Befehl erhält, zu siegen, koste es, was es wolle, und aus dessen Gesicht anerkennung leuchtet, für die vielen zu sprechen, die er selbst ist. Je mehr einer sein Leben so auf sich selbst eingerichtet hat, um so vollkommener repräsentiert die systemische Logik. Das Procedere wird aber auch nicht neuer, wenn man, wie Reckwitz das tut, von relativ Neuem spricht. Eine Kokreation der besonderen Art, die da konsumiert und bei der eben nichts weltbewegend Neues erfunden wird. Dennoch suhlt sich der funktionelle Psychopath weiterhin in einer Art Hyper-Aktivismus, im Rausch von Spasmen, die wenn, dann nur eines bewiesen, wie wertvoll man doch für sich selbst und die Welt ist, mit welchen virtuosen Fähigkeiten, die allerdings vom Opportunismus nicht zu unterscheiden sind, die Welt erobert werden kann, ein Kannibalismus, der sich potenziell auf alles ausweitet, was der monetarisierten Selbstentfaltung dienlich sein kann. Dem entspricht, dass man eigentlich nur noch auf Facebook Freunde hat, man an jedem Ort und zu jeder Zeit mit der Tyrannei der positiven Energie konfrontiert wird, sodass das Leben nur noch aus uplifting energies besteht, money, Redbull und Koks. Aber dennoch scheint selbst dem Psychopathen Ähnliches zu blühen wie Koks, Yahoo, Sushi oder Netflix. Es läuft nach wie vor und irgendwie ganz gut, doch das symbolische Kapital, das mit ihm verbunden ist, schwindet zunehmend. Längst hat sich Verdrossenheit unter die Begeisterung gemischt, ist das Mythische im Immergleichen des Alltags verschwunden und der Reiz verloren, mehr darin zu sehen, als was darin zu sehen ist, nämlich eine hundsgewöhnliche Praktik. Nur den funktionellen Psychopathen ficht das bis jetzt nicht wirklich an, und es ist kein Geheimnis, wie er die machtvolle Leere des Alltags der Indifferenz in einen ziemlich originellen Singularitätsgewinn umzuwandeln versucht.