Nein, aber nein, meine Katze, die mich im Schlaf- oder im Badezimmer anblickt, diese Katze, die vielleicht nicht "meine Katze" noch "meine Kätzin" ist, kommt hier nicht, um, als Botschafterin, die gewaltige symbolische Verantwortung zu repräsentieren, die unsere Kultur dem Katzengeschlecht seit jeher auferlegt hat, von La Fontaine bis Tieck [...], von Baudelaire bis Rilke, Buber und so vielen anderen. Wenn ich sage "es ist eine reale Katze", die mich nackt sieht, dann deshalb, um ihre unersetzliche Einzigartigkeit zu markieren. Wenn sie ihrem Namen entspricht/ auf ihren Namen hört/ antwortet [...], dann tut sie das nicht als Fall einer Spezies "Katze", noch weniger einer Gattung (genre) "Tier" oder eines "Tier"-reichs (règne "animal"). Es ist zwar wahr, dass ich sie als Katze oder eine Kätzin identifiziere. Aber noch vor dieser Identifizierung kommt sie zu mir als 'dieses' unersetzliche Lebewesen, das eines Tages meinen Raum betrat, diesen Ort, an dem es mir begegnen, mich sehen (voir), ja sogar (voire) mich nackt sehen konnte. Nichts wird in mir je die Gewißheit aufheben können, daß es sich hierbei um eine Existenz handelt, die jedem Begriff gegenüber rebellisch ist.
Jacques Derrida, “Das Tier, das ich also bin” (Passagen Verlag,Wien: 2010. S.28)













