Ich konstruiere keine Romanfigur. Ich dekonstruiere das Mädchen, das ich gewesen bin.
Annie Ernaux: “Erinnerungen eines Mädchens”, S.58
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Ich konstruiere keine Romanfigur. Ich dekonstruiere das Mädchen, das ich gewesen bin.
Annie Ernaux: “Erinnerungen eines Mädchens”, S.58
#fhp #fhpotsdam #staudenhof #ausblick #einblick #stadtschloss #barbarini #potsdamermitte #altermarkt #abriss #architektur #dekonstruktion #späti #window #baustelle #underconstruction #adieu #neubau #plattenbau #ddrarchitektur (hier: Potsdamer Stadtschloß)
Nein, aber nein, meine Katze, die mich im Schlaf- oder im Badezimmer anblickt, diese Katze, die vielleicht nicht "meine Katze" noch "meine Kätzin" ist, kommt hier nicht, um, als Botschafterin, die gewaltige symbolische Verantwortung zu repräsentieren, die unsere Kultur dem Katzengeschlecht seit jeher auferlegt hat, von La Fontaine bis Tieck [...], von Baudelaire bis Rilke, Buber und so vielen anderen. Wenn ich sage "es ist eine reale Katze", die mich nackt sieht, dann deshalb, um ihre unersetzliche Einzigartigkeit zu markieren. Wenn sie ihrem Namen entspricht/ auf ihren Namen hört/ antwortet [...], dann tut sie das nicht als Fall einer Spezies "Katze", noch weniger einer Gattung (genre) "Tier" oder eines "Tier"-reichs (règne "animal"). Es ist zwar wahr, dass ich sie als Katze oder eine Kätzin identifiziere. Aber noch vor dieser Identifizierung kommt sie zu mir als 'dieses' unersetzliche Lebewesen, das eines Tages meinen Raum betrat, diesen Ort, an dem es mir begegnen, mich sehen (voir), ja sogar (voire) mich nackt sehen konnte. Nichts wird in mir je die Gewißheit aufheben können, daß es sich hierbei um eine Existenz handelt, die jedem Begriff gegenüber rebellisch ist.
Jacques Derrida, “Das Tier, das ich also bin” (Passagen Verlag,Wien: 2010. S.28)
Weil die beiden nicht mehr miteinander schlafen, erhalten sie ihre Intimität via Dekonstruktion aufrecht, d.h. sie erzählen sich alles.
Chris Kraus: “I love Dick”, S.11/12
Ich habe Sehnsucht nach Schiffskatastrophen und Verwüstung und plötzlichem Tod.
Tom Kristensen: “Roman einer Verwüstung”, S. 578
Von der Postmoderne zur Metamoderne – Auf der Suche nach neuer Tiefe und kultureller Orientierung
„Nichts ist wahr, alles ist erlaubt.“– Motto der Postmoderne? Oder das Echo einer kulturellen Verlorenheit? Die Postmoderne hat viel geleistet: Sie hat die Lügen der Moderne aufgedeckt, Autoritäten in Frage gestellt, feste Wahrheiten dekonstruiert. Doch was als Befreiung begann, endete für viele in Entwurzelung, Orientierungslosigkeit und Sinnverlust. In diesem Beitrag erkunden wir, wie die Postmoderne zur kulturellen Heimatlosigkeit beitrug – und ob es einen Weg darüber hinaus gibt. 1. Die Auflösung der großen Erzählungen Jean-François Lyotard erklärte das „Ende der großen Erzählungen“ – also jener universalen Ideen, die Sinn und Orientierung gaben: Fortschritt, Aufklärung, Humanismus, Gerechtigkeit. Die Postmoderne war skeptisch gegenüber Wahrheit, Objektivität und linearer Geschichte. Sie entlarvte Machtstrukturen – in Sprache, in Wissenschaft, in Kunst. Was folgte, war: Ironie statt Ernst Zitat statt Ursprung Spiel statt Sinn Diese Haltung war befreiend – aber auch: entleerend. 2. Kultur als Simulakrum Jean Baudrillard prägte den Begriff des Simulakrums: eine Welt, in der Zeichen nur noch auf andere Zeichen verweisen – und nicht mehr auf Wirklichkeit. Medien, Werbung, Kunst und Konsum erzeugen eine hyperreale Welt, in der das Echte durch Inszenierung ersetzt wird. Beispielhafte Symptome: Marken statt Werte Influencer statt Vorbilder Ästhetik statt Ethik Das Ich wird zur Projektionsfläche – ständig wandelbar, ständig sichtbar, aber innerlich leer. 3. Der Preis der Dekonstruktion: Identität ohne Fundament Die Postmoderne forderte das Ende fixer Identitäten: Geschlecht, Nation, Kultur, sogar das Selbst wurden als Konstrukte entlarvt. Doch was als Befreiung von Zwang gedacht war, führte oft zu einem paradoxen Zustand: Man darf alles sein – aber weiß nicht mehr, wer man ist. Alles ist relativ – also nichts mehr verbindlich. Alles ist Spiel – aber kein Spiel mehr ernst. In einer Welt ohne Orientierungspunkte wird Narzissmus zur Strategie: die Inszenierung ersetzt das Innere, das Image wird zum Ich. 4. Kulturelle Entwurzelung – Was fehlt? Die Folge ist eine kulturelle Entwurzelung. Menschen verlieren: Traditionen, die nicht reaktionär, sondern sinnstiftend sein könnten. Gemeinschaften, die Halt geben. Narrative, die Hoffnung spenden. In einer Gesellschaft, die nur noch dekonstruiert, wird es schwer, etwas aufzubauen. Der Mensch wird zum Konsumenten von Bedeutungen – nicht mehr zum Träger von Sinn. 5. Gibt es einen Ausweg? Die Metamoderne als neue Haltung Die Metamoderne ist eine kulturelle Reaktion auf die Leere der Postmoderne – nicht als Rückkehr zur alten Ordnung, sondern als Versuch, Tiefe und Sinn trotz Bewusstsein für Ambivalenz zuzulassen. Metamodern heißt: Zwischen Ernst und Ironie zu pendeln Zwischen Gefühl und Reflexion zu atmen Zwischen Dekonstruktion und Rekonstruktion zu bauen Sie strebt nach Rekohärenz – einem neuen, komplexeren Zusammenhang von Ich und Welt. 6. Was wir wieder brauchen Verantwortung, die nicht mit Dogma verwechselt wird Spiritualität, die nicht ins Esoterische kippt Gemeinschaft, die nicht ausgrenzt Wahrhaftigkeit, die sich nicht hinter Ironie versteckt Die Aufgabe lautet nicht, zur Moderne zurückzukehren – sondern über die Postmoderne hinauszuwachsen.
Resümee: Von der Entwurzelung zur Neuwurzelung
Die Postmoderne hat zurecht dem Absoluten misstraut – aber dabei oft das Sinnstiftende verloren. Sie hat kritisiert – aber kaum aufgebaut. Was fehlt, ist ein kultureller Neuanfang, der das dekonstruktive Erbe nicht verleugnet, aber neue Tiefe, neue Zugehörigkeit, neue Orientierung wagt. Nicht weniger Denken – sondern tieferes Denken.Nicht weniger Freiheit – sondern verbindlichere Freiheit.Nicht weniger Vielfalt – sondern integrierte Vielfalt. Ihr Eduard Rappold Hinweis: Diese Informationen dienen ausschließlich Bildungszwecken und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen stets qualifizierte medizinische Fachkräfte. Copyright © Eduard Rappold 2025
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Rezension zum Buch der Autor*in Akwugo Emejulu – „Schwarzer Feminismus und die Grenzen des Menschseins“ Akwugo Emejulu legt mit „Schwarzer Feminismus und die Grenzen des Menschseins“ ein beeindruckendes, intellektuell herausforderndes Werk vor, das tief in die politischen, sozialen und philosophischen Fragen unserer Zeit eintaucht. Die Autorin ist eine renommierte Politikwissenschaftlerin. Sie…
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