»Die Frage der Sanktionen gegen Italien stellte die Parteien der sozialistischen Internationale an einen Wendepunkt. Sollte die Politik des abstrakten Pazifismus und der unbedingten Gewaltlosigkeit fortgesetzt werden, oder sollte man sich zu der Erkenntnis durchringen, daß der Friede mit realen Mitteln organisiert werden muß Nur wenn die Gemeinschaft der Friedensfreunde eine physische Gewalt aufbringen kann, die starker ist als jede mögliche Kombination der Friedensstörer, wird der Friede wirklich gesichert sein. Die Mehrheit der sozialistischen Arbeiter Europas hat sich für die Sanktionspolitik des Völkerbunds ausgesprochen; ganz gleich, welche Folgen daraus entstehen konnten. Damit ist eigentlich das gefährlichste Dogma der älteren liberalen Demokratie, die Lehre vom absoluten Pazifismus, überwunden. Parallel zu dieser bedeutsamen Wandlung in der sozialistischen Außenpolitik geht ein entsprechendes Umlernen in den innerpolitischen Fragen. Die sozialistischen Parteien beginnen, sich mit den Kommunisten und den noch vorhandenen bürgerlich-demokratischen Gruppen zu Volksfronten zusammenzuschließen. Man bemüht sich, die Probleme nicht nur vom Standpunkt eines speziellen Berufs aus, sondern im nationalen Rahmen zu sehen. Man erkennt die Notwendigkeit, der faschistischen Gewalttätigkeit die eigene Gewalt, und dem modernen Monopolkapitalismus eine staatliche Planwirtschaft im Interesse des werktätigen Volkes entgegenzusetzen.« (332)
»Wenn der Staat gewaltsam angegriffen wird, dann wird er sich auch mit Gewalt verteidigen müssen. Das gilt für den demokratischen Staat wie für jeden andern, und eine Sonderstellung der Demokratie existiert in dieser Hinsicht nicht. Die demokratische Bewegung hat ebenfalls, genau so wie jede andere politische Tendenz, sich der verschiedensten Mittel bedient, um ihre Ziele zu verwirklichen. … Die Geschichte lehrt also, daß die Demokratie, je nach den Umständen in dem betreffenden Lande und in einer bestimmten Periode, entweder gewaltsame oder gewaltlose Methoden angewendet hat, genau so wie jede andere politische Bewegung. Das Missverständnis, als wäre die Demokratie die Verkörperung der Gewaltlosigkeit, ist in neuerer Zeit nur dadurch entstanden, daß man die Demokratie im Ganzen mit einem speziellen Typus der Demokratie, nämlich mit der liberalen Demokratie des letzten Jahrhunderts, verwechselte.« (343f.)