Garden Route, achter Tag
Am nächsten Morgen wurden wir, von dem älteren Herren vom Vortag aus den Betten gescheucht. Er klopfte und fragte, ob wir mit zum German Store (Laden mit deutschen Lebensmitteln) nach Sedgefield kommen wollen würden. Nebenbei erwähnte er, dass wir schon hätten aus checken sollen. Mal wieder hatten wir uns darüber nicht vorher informiert, aber netterweise wurden wir hier nicht einfach hinaus geschmissen, sondern bekamen noch eine halbe Stunde Zeit.
Bereits vorher hatte ich mir überlegt, dass ich Heilig Abend nicht im Bus sitzen und anschließend mit Gepäck, meine Mitbewohner am Strand suchen wollte. Das Angebot des Deutschen kam mir somit sehr recht. Ich fragte bei einem Backpacker in Wilderness (liegt auf der Strecke nach Sedgefield), von dem ich wusste, dass dort der deutsche Weltreisende sein würde, um einen Stellplatz für mein Zelt. Ich erhielt eine Zusage und somit befanden wir uns eine halbe Stunde später auf dem Weg zum German Store. Ich, mit meinem ganzen Gepäck. Im Laden angekommen, kaufte ich mir Lebkuchen und erfreute mich an den anderen, teilweise unbekannten deutschen Lebensmitteln.
Wie wir bereits am Vortag festgestellt hatten, war unser Fahrer ein Fan von Autos. Dies kam besonders zum Ausdruck, als wir vor einer Autoausstellung von ganz alten oder ganz seltenen Autos halt machten und er uns durch die Reihen zu führen begann. Das Ganze erinnerte mich an eine Oldtimer-Ausstellung in Frankfurt, nur im Freien. Die südafrikanische Variante eben.
Auf der Rückfahrt wurde ich in Wilderness abgesetzt und es folgte eine kurze Abschiedszeremonie von meiner Freundin, welche an dem Tag den Bus zurück nach Kapstadt nehmen würde. Von dem deutschen Herren erhielt ich die E-Mail Adresse, ich sollte mich mal melden.
Mit meinem schweren Rucksack, der Kamera und einem Beutel machte ich mich in brütender Hitze auf den Weg zum Backpacker. Nach einigem Suchen hatte ich den richtigen Weg gefunden und kam verschwitzt oben an. Der Backpacker lag oberhalb des Strandes mit einem wunderschönen Blick auf das Meer. Über der Terrasse, wo gegessen wurde, hingen kleine bunte Fähnchen, die im Wind flatterten. Zwei schwarze Hunde spazierten, ja patrouilliert durch das Gelände und freuten sich immer über Streicheleinheiten. Auch mein Stellplatz auf einer hinteren Terrasse, hätte nicht schöner sein können. Von dort konnte man ebenfalls den Meerblick genießen und bei Meeresrauschen einschlafen.
Bereits bei der Anmeldung hatte ich den deutschen Weltreisenden gesehen und so verabredeten wir uns mit zwei Anderen am Strand. Nachdem ich das Zelt aufgebaut hatte, was alleine deutlich schwieriger ist, gingen wir zum Strand. Dort trafen wir auf die Anderen, oder besser gesagt ein deutsches Pärchen in meinem Alter, dass ebenfalls eine Weltreise machte. Gemeinsam gingen wir in einem sehr eng begrenzten, aber bewachten Bereich schwimmen bzw. Wellen hüpfen.
Nach dieser Abkühlung wollten wir etwas wandern gehen und entschieden uns, an der Küste entlang zu laufen. Der Weg führte auf stillgelegten Schienen (ein weiterer Teil der stillgelegten Strecke, dessen andere Teile wir schon bei vorherigen Backpackern gesehen hatten) durch mehrere Tunnel direkt am Meer entlang.
Nachdem wir einen der vielen Tunnel passiert hatten, standen wir plötzlich vor einer riesigen Höhle. Diese war komplett wohnlich eingerichtet. Als wir durch den Eingang gingen, kam uns ein Mann entgegen. Er begrüßte uns und erklärte, dass dies die Wohnstätte dieses Mannes sei. Dabei zeigte er in Richtung eines Sessels, auf dem ein Mann mit Mütze im Schneidersitz saß und uns nun ebenfalls begrüßte. Dies tat er mit einer erstaunlich hohen Stimme. Dabei leuchteten seine Augen, mit denen er einen merkwürdig in seinem Bann zog. Nebenbei saß ein weiterer Mann.
Wir erhielten vom Besitzer der Höhle, gegen eine kleine Spende die Erlaubnis, uns umzuschauen. Fasziniert irrten wir durch die verschiedenen Gänge seines Reiches. Überall hingen Muscheln von der Höhlendecke und alles war voll gestellt mit Flohmarkt Gegenständen und Dingen, die er, wie er uns später erzählte, gesammelt/aus dem Müll gerettet hatte. Eine surreale Welt mit einer Übermacht an Farben und Gegenständen, die sich auf uns drückte. Im hinteren Bereich wurde es dunkler und wir machten die Taschenlampe vom Handy an. Das Handy war ein moderner Gegenstand, der in dem Moment überhaupt nicht in diese Welt zu passen schien. Vor dem Strahl der Taschenlampe erschien eine Küchenzeile mit einer riesigen Auswahl an Gewürzen. Die Auswahl an Sitz- und Liegemöglichkeiten war ebenso groß. Ein altes Bett aus Holz mit schönen Verzierungen gefiel mir besonders. Das Ganze wirkte wie in einer Fantasy-Erzählung.
Als wir wieder zurück ans Tageslicht kamen, erfuhren wir noch, dass der Besitzer die Höhle durch einen Sitzstreik erhalten habe und nun schon über 10 Jahre dort lebe.
Beschwingt gingen wir nach dieser Entdeckungstour auf den Schienen weiter. Irgendwann kamen wir an eine alte Eisenbahnbrücke, die bestimmt 20 Meter über dem Meer auf die andere Seite einer Bucht führte. Vorsichtig, auf jeden Schritt bedacht, überquerten wir diese. Auf der anderen Seite liefen wir an drei dunkelhäutigen Männern vorbei. Nichts weiter bei uns denkend, machten wir bei der nächsten kleinen Brücke eine Pause.
Nach einigen Minuten tauchten drei Männer auf den Schienen auf. Als sie gerade dabei waren uns zu passieren, griff der Letzte von ihnen, wie selbstverstänadlich nach einem unserer Rucksäcke. Wir reagierten schnell und hielten diesen fest. Leider war das nur das Ablenkungsmanöver gewesen, denn der erste griff nun nach dem Rucksack des Weltreisenden und alle rannten in ihren Plüschpatoffeln weg. Der Beklaute rannte hinterher, gab sich aber geschlagen, als einer der Männern ein Messer zückte. Im Rucksack waren unglücklicherweise Pass und eine Kamera gewesen. Zum Glück hatte der Backpacker vorher eine Kopie des Passes gemacht.
Geknickt gingen wir den Weg zurück zum Backpacker und meldeten den Verlust dort. Es wurde uns geraten, direkt zur Polizei zu gehen, was wir dann auch taten. Der Polizist war super nett und nahm alle Details auf. Außerdem erzählte er uns noch von andere Geschichten auf dieser Strecke, wie zum Beispiel von einer Frau, die dort ebenfalls überfallen werden sollte und sich mit ihren Karate Fähigkeiten und einem Sprung von der Brücke selbst gerettet haben soll. Außerdem erwähnte er, dass man diesen Teil der Strecke meiden sollte. Hätten wir das mal früher gewusst...
Man muss dazu sagen, dass es sich an diesem Tag um den 24.12 handelte. Trotz des nicht so schönen Nachmittags wurde der Heilige Abend sehr schön. Es gab ein Buffet mit Salat und wir erfuhren beim Essen die ein oder andere Geschichte aus dem Leben des ein oder anderen. Außerdem erlernte ich die Regeln des Billiard Spielens an diesem Abend. Ein Anruf bei den Lieben durfte natürlich auch nicht fehlen.












