Straßenverkehr + Bus: Verkehrswende in Berlin geplatzt? Keine neuen Busspuren für die BVG, aus Berliner Zeitung
26.12.2023
https://www.berliner-zeitung.de/news/verkehrswende-in-berlin-geplatzt-keine-neuen-busspuren-fuer-die-bvg-li.2171427
Die Planung und #Umsetzung neuer #Busspuren in Berlin ist vorerst #gestoppt. In diesem Jahr wird das Netz nicht weiter ausgebaut. Warum?
In der Hauptstadt sind im laufenden Jahr keine neuen Busspuren für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) #ausgewiesen. Das teilte…
„Te he prometido que te he de olvidar, sabiendo que mañana irás con otro al altar“, die Mariachis erwischen mich völlig aus der Kalten, ich hab nicht mitgekriegt, wie sie reingekommen sind, weil ich ja dicken schwarzen Bohneneintopf löffle und mit meinem Schicksal hadere, während Jerry die Jalapeños aus seinem Burrito zieht und auf der Papiertischdecke arrangiert. Noch eine knappe Stunde, bis ich am Flughafen sein muss. Kann sein, dass ich etwas rausfinde, was ich lieber nicht herausfinden würde, hat Jerry bei unserem Kennenlernen auf der Bank am Lake Michigan gesagt. Wie prophetisch. Nur, dass mir nicht klar war, dass ich etwas rausfinden würde, was mich schneller nach Deutschland zurückbringt, als ich gedacht hätte. Die drei kastenförmigen kleinen Männer mit zurückgeföhnten Pomadehaaren und wettergegerbter Haut, Geige und Gitarre spielen sich zwischen den Tischen und den schmuddeligen, orangenen Holzpaneelen entlang, bis sie vor unserer gepolsterten Sitznische stehen bleiben, „no podrás ser feliz con ningun otro pues conmigo conociste el amor…“ Ich wische mir die Sour-Cream-Reste aus den Mundwinkeln und werfe Gino und Eddie, die hingerissen an ihren Lippen hängen, einen misstrauischen Blick zu, aber sie scheinen damit nichts zu tun haben.
Der Sänger, Schulterpolster, breites Revers, fette blütenförmige Silberknöpfe, wie ein Frack mit abgeschnittenen Frackschößen, tritt einen Schritt vor, die hellgraue Anzughose fällt ihm auf die viel zu kleinen Füße, während er von der verlorenen Liebe singt. Keiner wird dich je lieben wie ich, singt der trostlose Kubaner, während der Kellner sich mit dem vollbeladenen Tablett an ihm vorbei zwängt, meine zusammengeknüllte Papierserviette vom Tisch klaubt und zu den schmutzigen Tellern schmeißt, auf dem die Eiswürfel in den halbvollen Bechern im Takt meiner Sentimentalität aneinander klackern.Lloraras, lloraras por tu capricho, ja, du wirst schon noch weinen über deine Launenhaftigkeit, mit mir hast du die Liebe kennengelernt. Wortlos zieht Jerry eine neue Serviette aus dem kleinen Blechspender. Erst da merke ich, dass sich auf der Papiertischdecke unter mir ein feuchter Fleck ausbreitet. Der trostlose Kubaner hat mir die Traurigkeit in die Augen gelockt. Jetzt tropft sie auf die Tischdecke.Fugazi. Fucked up, got ambushed, zipped in. Scheiße gebaut, in die Falle getappt, eingesackt worden. Ich hab echt verbrannte Erde hinterlassen. Krater. Was ich jetzt gebrauchen könnte, wär eine Handvoll Zaubereicheln.
Ich bekenne mich schuldig. Schuldig, zu den Menschen zu gehören, die an Magie glauben wollen. So sehr, dass sie bereit sind, den Geschmack gefärbter Zuckerkügelchen für Liebe zu halten. So sehr, dass sie ein Mädchen mit orangefarbenen Haaren zu ihrer Real-Life-Heldin machen. Dem konnte sie natürlich nicht standhalten. Wie kein Mensch dem Anspruch eines anderen, für ihn den Helden abzugeben, gewachsen ist. Ich bekenne mich schuldig, diesem Mädchen Zuckerkügelchen aus der Hand gefressen und mich für berechtigt gehalten zu haben, ein Kind von ihr zu bekommen. Mich zum Rächer aufgeschwungen zu haben, als sie ihrer Verpflichtung mir gegenüber nicht nachgekommen ist. Als sie unser Kind mit einem anderen bekommen wollte. Ihren Status auf #pregnant geändert und Ultraschallbildchen gepostet hat. Mich zum Rächer aufgeschwungen und sie so lange gedemütigt und an den Pranger gestellt zu haben, bis sie aufgehört hat mit dem Posten . Keine Ultraschallbildchen mehr. Kein #trimester1. Ich habe nicht aufgehört, ihren kostbaren Ruf als Real-Life-Heldin zu verbrennen, bis sie ihren Status erneut geändert hat. Von #pregnant auf #healingfromloss. Was sind wir immer betroffen zusammengezuckt, wenn der Hashtag in unserer Glow-Chatgruppe aufgetaucht ist. Healing from loss. Den Verlust verschmerzen. Wenn das Kind sich noch vor der Geburt wieder verabschiedet hat.
Und dann hatte ich plötzlich selber einen Status. #IdentityTheft. Bestellung von Waren oder Dienstleistungen unter fremden Namen. Corned Beef hab ich bestellt, Industriefleisch aus der Hormel-Hölle. In Handelsabgabegrößen. Auf Oranges Namen bestellt und ans Lousy Liberty liefern lassen. #Namensmissbrauch. Veröffentlichung von Äußerungen und Falschaussagen unter fremden Namen bei Twitter, Facebook, Instagram & Co. #Datenmissbrauch. Widerrechtliche Verknüpfung von Nutzer-Profilen. Genau im passenden Moment hatte Glow diese Sicherheitslücke. Brauchtest nur die Mailadresse eines anderen Nutzers oder einer anderen Nutzerin zu kennen, um die beiden Profile verknüpfen. Und zwar ohne dass der andere dem zustimmen musste. Sie hätte bestimmt nicht zugestimmt. Da war sie ja schon längst mit Kevin verknüpft. Also hab ich nicht gefragt. Wozu auch. Ich hab das als Wink des Schicksals verstanden – Glow wollte, dass Orange erneut nackt vor mir lag. Ihr Aufenthalt in einer Glow-Vertragsklinik. Der Erfolg ihrer Fruchtbarkeitsbehandlung. Offen lesbar wie ihr Zervixschleim.Aber natürlich hat sie sich das nicht kampflos gefallen lassen. #healingfromloss hat sie nicht davon abgehalten, sich eine Anwältin zu nehmen. Und jetzt hat eine dritte Instanz ihr Profil mit meinem verknüpft.„Aufgrund der Dauer und Intensität der Beziehung, die meine Mandantin zwischen September 2015 und April 2016 mit dem Angeklagten geführt hat, erklärt sie sich bereit, unter bestimmten Voraussetzungen von einer strafrechtlichen Verfolgung Abstand zu nehmen. Sollte der Angeklagte gegen die im Mediationsprotokoll der zivilrechtlichen Schlichtungsvereinbarung festgehaltenen Auflagen verstoßen, behalten wir uns vor, vom gesamten Ausmaß strafrechtlicher Konsequenzen – Schadensersatzforderungen, Schmerzensgeld – Gebrauch zu machen. Hiervon ist insbesondere die Auflage betroffen, die Vereinigten Staaten von Amerika innerhalb von vierzehn Tagen zu verlassen.“
#Ausgewiesen.
Jerry legt seinen angebissenen Burrito auf den Teller und nimmt mich ins Visier. Ich senke den Kopf und nehme Jerrys Teller ins Visier. Rechts und links aus seinem angebissenen Burrito quillt zähflüssige rote Salsa. „Ganz groß, mein Freund. Hat dich ja weit gebracht, deine Rache. Fühlst du dich jetzt wohler, jetzt, da du die Welt aufgeklärt und es dem Mädchen, das dir deine Bilderbuchfamilie verweigert hat, , heimgezahlt hast? Sitzt hier in Gesellschaft eines alten Grantels und zweier Spielzeugnilpferde und lässt dich von einer kubanischen Folkloreband zum Heulen bringen. Ist es das, was du erreichen wolltest?“
Er streicht sich die Hosen glatt und lässt ein paar Münzen Trinkgeld zwischen die aussortierten Jalapeños auf das Papiertischtuch fallen. Ich spüre Ginos und Eddies flehentliche Blicke. Die Zeit geht uns allmählich aus. Wenn wir jetzt aufbrechen, bleibt uns nur noch die gemeinsame Autofahrt zum Flughafen. Du kannst ihn doch jetzt nicht so einfach aus unserer Geschichte entlassen, scheinen meine beiden Kunststofffreunde zu flehen. Als ob ich´s nicht versucht hätte. Hab ihn ja selber schon fast mit Ottilie in der Hollywoodschaukel gesehen. Wie sie zusammen Quittenraki trinken und Ottilie versucht, ihn beim Schiffeversenken zu besiegen. Hab ihn mit seiner Pfeife im Mund unter dem Walnussbaum stehen sehen, wie er die Leiter festhält. In meiner Vorstellung kann Ottilie die natürlich wieder hochklettern. Aber es nutzt ja nichts. Jerry hat sich das angehört, einen Rauchkringel über die Wasseroberfläche geschickt und sich in aller Ruhe eine Handvoll Erdnüsse in den Mund geschoben. „Meine polnischen Wälder haben jetzt schon sechzig Jahre ohne mich überlebt und deine Ottilie kommt seit Jahrzehnten alleine mit ihren Walnüssen klar. O.k., reizvolle Vorstellung, meinen Blaubeeren noch mal guten Tag zu sagen, aber warum sollte ich mir meine schönen Erinnerungen durch die Realität verderben lassen? Es vergeht kein Tag, an dem mich der Brandfleck auf meinem Couchtisch nicht an Blanche erinnert. Aber es vergeht auch kein Tag, an dem ich mich nicht zusammenreißen und aufraffen würde. Dann lasse ich Couchtisch Couchtisch und Vergangenheit Vergangenheit sein, gehe raus, drehe meine Runde am Wasser und lande schließlich auf meiner Bank rauche. Und dabei wollen wir es auch belassen, mein Freund.“Der Chevy ist direkt vor dem Imbiss geparkt, und er wird nicht mit mir ins Terminal kommen, sondern mich am Bordstein rausschmeißen. Keine tränenreiche Verabschiedung, so lautet unsere Vereinbarung. Er nimmt seinen Anorak vom Garderobenhaken und drückt sich das Glencheck-Hütchen auf den kahlen Schädel. Als könnte er Gedanken lesen, lächelt er uns liebevoll an. “So Freunde, dann wollen wir mal dafür sorgen, dass ihr euren Flug erwischt. Nicht, dass ich euch jetzt für den Rest meines Lebens auf der Tasche liegen habe.” Auch die Kubaner haben ihre Vorstellung beendet, die Tische abgeklappert und ihre Münzen eingesammelt. Gemeinsam mit uns drängen sie in Richtung Ausgang. Während Jerry in seiner Hosentasche nach dem Autoschlüssel wühlt, gucke ich ihnen hinterher, wie sie langsam den Hügel hinunterlaufen, , ihre Instrumente an den bunten Umhängegurten auf dem Rücken. Wir sitzen schon auf den zerschlissenen Polstern und Jerry lässt den Motor an, da dreht mein trauriger Sänger mit den viel zu kleinen Füßen sich noch einmal um und winkt mir aufmunternd zu.
„Ich hatte die große Liebe. Und trotzdem hab ich sie kampflos gehen lassen.“ An den Fenstern ziehen flache Gebäude vorbei, die Taco-Buden, die Baumärkte, die Malls und Drugstores mit den riesigen Parkplätzen davor, alle flach an den Boden gedrückt wie liegende Streichholzschachteln. Als dürften in Flughafennähe keine Hochhäuser den Flugzeugen im Weg stehen. „Ich hab dir erzählt, warum Blanche und ich uns gegen Kinder entschieden haben.“ Ruhig und fest liegen Jerrys große Pranken auf dem Lenkrad, sein auf die Fahrbahn gerichtetes Gesicht zeigt keine Regung. Trotzdem scheint er meinen irritierten Blick zu spüren. „Was ich dir nicht erzählt habe, ist, wie gerne ich Vater geworden wäre. Wie gerne ich dem ewigen Täter-Opfer-Geschacher Einhalt geboten hätte, das mit dieser verdammten Fernsehserie, mit dieser verdammten Familie Weiss auch bei Blanche und mir Einzug gehalten hat. Dem hätte ich gerne ein Leben entgegengesetzt.“ Jerry also auch. Hätte mir eigentlich klar sein können, dass er es nicht dabei belassen würde, zum Abschied Jalapeños auszusortieren und ein sentimentales Folkloretrio auf mich anzusetzen. „Ein Kind, dessen Eltern dem Wissen um eine kaum tragbare Schuld etwas entgegenzusetzen gehabt hätten: die Liebe. Eine Holzbank im Pulaski Park. Rote Finger vom polnischen Weihnachtsborschtsch.“ Ich unterdrücke den Impuls, nach seiner Hand zu greifen oder ihm auf die Schulter zu klopfen. „Wie wir wissen, hat Blanche sich anders entschieden. Wie deine Orange. Menschen tun das.“ Wir schweigen für den Rest der Mannheim Road, wir schweigen auch noch, als wir die Mannheim Road verlassen und wir schweigen das kurze Stück über den Kennedy Expressway. Die Parkplatzschilder fliegen rechts und links an uns vorbei und die schildkrötenpanzerartige Außenhaut des Kontrollturms ist schon mit bloßem Auge erkennbar, als er über meinen Schoß hinweg ein Päckchen Zigaretten aus dem Handschuhfach zieht. Er drückt den Knopf im Armaturenbrett und saugt ein paar Sekunden trocken auf der Zigarette herum, bis der Zigarettenanzünder rot glüht.„Ein Kind von jemandem nicht zu bekommen, ist ein ziemlich deutliches Zeichen. Ein Zeichen dafür, dass etwas anderes wichtiger ist. – Ich habe lange darüber nachgedacht, was das für Blanche wohl gewesen sein mag. Ich habe viele mögliche Motive gefunden. Mal hatte es etwas mit ihr zu tun, mal mit mir. Klarheit über die Motive anderer werden wir unser ganzes Leben lang nicht gewinnen können.“
Die Ampel springt auf Grün. Jerry hebt den Blick und konzentriert sich auf die blauen Anzeigetafeln am Fahrbahnrand, auf denen die Abflugterminals ausgeschildert sind. „Ist ja nicht so, dass Blanche das nicht auch versucht hätte. Einen langen Brief hat sie mir noch geschrieben. Und ein paar Wochen später kam dann noch diese Videokassette. Ich hab nie rausgefunden, welche Geschichte sie mir darin erzählt. Konnte ich 1981 gar nicht abspielen. Europäische PAL-Codierung.“ Er drückt die halbgerauchte Zigarette in den Aschenbecher, blinkt und lenkt den Chevy in eine Lücke am Bordsteinrand vor dem United-Abflugterminal. Jerry wird nicht mit aussteigen. Die Bordsteinkante vor dem Abflugterminal ist eine reine Rausschmissangelegenheit, Drop´n´Go, rausschmeißen und weiterfahren. Außerdem kenne ich ja seine Bionicle-Gelenke. Den Motor hat er gar nicht erst abgestellt. Auf meinen Daumendruck schnappt die Zunge aus dem Gurtschloss. Ich beuge mich über die Mittelkonsole. Jetzt klopfen wir einander doch unbeholfen auf die Schultern. Ich hab ihm schon den Rücken wieder zugedreht und die Hand an der Beifahrertür, da spüre ich noch einmal den Druck seiner Hand auf meiner Schulter. Da kann sie von mir aus für immer liegen bleiben. Vielleicht hält er mich ja jetzt doch noch zurück.
“Klar hab ich gehofft. Aber jeder Briefumschlag bleibt eben nur ein Briefumschlag, egal wie viel große Gefühle drin stecken. Ich wollte keine Gesten. Ich wollte nicht die Erinnerung an ihren Käsekuchen, ich wollte ihren Käsekuchen. Ich wollte eine Frau, die mit mir auf unserer Bank sitzt. Alt wollte ich mit ihr werden und jedes Jahr Weihnachtsborschtsch mit ihr kochen. Ganz einfach. Und ab irgendeinem Punkt wird es dann auch belanglos, ob du die Motive von jemandem verstehst. Dein Leben musst du trotzdem weiterleben.” Er schiebt mich in Richtung Beifahrertür und gibt dem hinter uns wartenden Fahrer ein Zeichen, dass er gleich wieder ausparken wird. “Und was dich angeht: nimm dir ein Beispiel an deiner Ottilie. Die hat dir doch beigebracht, was wirkliche Helden auszeichnet.“ Und dann stehe ich mit offener Jacke vor dem Abflugterminal, drop´n´go, auf dem Bordstein abgestellt, unschlüssig, wohin mit meinen Gefühlen. Aber ich kann ja schlecht den rauchenden Wachmann an der Drehtür ansprechen, entschuldigen Sie bitte, ob Sie vielleicht mal ein Feuerzeug für mich hätten, und am besten auch noch eine Schraube oder irgendeinen anderen metallischen Gegenstand, ich muss gerade ein bisschen meinen Schmerz betäuben? Fafickte Ferletzungen. Fafickter Monsterkoffer. Sind die Paybackpunkte doch noch zu was gut, hat Mama gesagt, und dass ich noch dankbar sein würde für die vier Rollen, meine Beine zucken, am liebsten würde ich ihren fafickten Paybackkoffer mit seinen fafickten Rollen mit den Füßen traktieren. Stattdessen ziehe ich den Reißverschluss zu und die Nase hoch, da fährt Jerry das Seitenfenster neben mir noch einmal runter. „Flieg nach Hause, Anatol. Geh´ Eichhörnchen füttern. Dein Leben weiter leben. Auf dich warten andere Geschichten.“
This was a good read. The first few chapters were almost a little dull but it quickly got more interesting. I learned some things about censorship and freedom of speech in China, which is an equally interesting as sometimes frightening topic.
(Sadly I dont know the English title for this, but if you come across this author, maybe give it a try.)
In diesen Tagen jährt sich zum 80ten Mal eine weitgehend vergessene Aktion, mit der NS-Deutschland die Grenzen des Unrechts austestete. Heute, wo der Faschismus für die Märkte wieder eine Option ist, ist es notwendig, sich zu erinnern.
By Peter Nowak
"Kapital, sagt der Quarterly Reviewer, flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher Natur. Das ist sehr wahr, aber doch nicht die ganze Wahrheit. Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens. Wenn Tumult und Streit Profit bringen, wird es sie beide encouragieren. Beweis: Schmuggel und Sklavenhandel."
Karl Marx
Daher haben die Märkte noch jeden rechten Putsch, wie den gegen Allende, ebenso bejubelt wie die Wahl von Trump. Die Märkte verhalten sich also auch im Fall Bolsonaro nur regelkonform. Widerstandspotentiale kann es nur aus der Bevölkerung geben, und dann vor allem derer, die wenig bis nichts zu verlieren haben. Gerade deshalb ist es wichtig, sich der Deportationen in Deutschland von vor 80 Jahren zu erinnern, an ihre Vollstrecker, an ihre Profitgier und auch an die, die Widerstand geleistet haben wie Herschel Grünspan.
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