Alles nur Geschichte? - benbi im FEZ Berlin
Am 14. November dieses Jahres besuchten wir einen der „entwicklungspolitischen Bildungs- und Informationstage“ (kurz benbi) organisiert von Kate e.V. zur höchst interessanten Frage, die man sich ohne solche Veranstaltung wohl eher nicht stellen würde: „Alles nur Geschichte? - Wie Kolonialismus unsere Welt bis heute prägt“. Den physischen Rahmen der Veranstaltung bot das sich in der Wuhlheide befindende FEZ.
Da wir freundlicherweise vom benbi eingeladen wurden, um ein wenig über die Veranstaltung zu berichten, tun wir das jetzt!
Zunächst fand die Eröffnung statt, eine Art Hinführung zum Tagesablauf und zum zentralen Thema – Kolonialismus. Es wurde Grundwissen gesammelt, von grundlegenden Informationen, beispielsweise was Kolonien überhaupt sind, über die Rolle des Deutschen Reiches in der zentralen Kolonialzeit, bis zur Frage, was heute von Kolonien – mental und physisch – übrig geblieben ist.
Sodann teilten wir uns auf die sowohl vom Inhalt als auch von der Quantität her vielfältigen Workshops auf, welche von den den unterschiedlichsten Themenbereichen, von Ethik über Geographie bis zur politischen Bildung und Sozialkunde reichten. Für Grundschüler standen auch Workshops mit der thematischen Relation Sachunterricht und Gesellschaftswissenschaften und ab der 11. Klasse Sozialwissenschaften zur Auswahl.
Die drei Workshops unserer Wahl hießen: „Apartheid – ein rassistisches System und seine Folgen“, „Antikolonialer Widerstand in Kamerun“ und „Klima(un)--gerechtigkeit und Kolonialismus“. Detailiertere Informationen zu den von uns gewählten Workshops findet ihr weiter unten.
Nach den Workshops fanden sich die Gruppen wieder zusammen, um eine Art Resumé zu ziehen, bezüglich der Informationen zu Kolonialismus allgemein sowie speziell, zu dem was wir (hoffentlich...) in den Workshops erfahren haben. Dies wurde teilweise mit von Mitarbeitern gedrehten Filmen, in denen Schüler etwas zu den gerade genannten Themengebieten zum Besten gegeben haben, unterstützt. Ergebnis: Abgesehen von allgemeinen Schwierigkeiten, das durchaus komplizierte Wort „Kolonialismus“ auszusprechen, gaben die Schüler generell positives Feedback.
Nun kamen wir in größere Gruppen eingeteilt zum dritten Programmpunkt – eine kurze themenbezogene Dokumentation im Kinoforum des FEZ. „Auf den Spuren des postkolonialen Berlins“ stellt unter anderem Orte (!!) in Berlin vor, die auf die koloniale Vergangenheit der Hauptstadt hinweisen – ein paar jedoch zu deutlich, wie den Forderungen der Kampagne „Black Community“ zu entnehmen ist. Diese kämpfen nämlich schon seit Jahren in Form von Demonstrationen und an die Zuständigen adressierten Briefen gegen beispielsweise rassistische oder Rassismus glorifizierende Straßenbenennungen, wie die Mohrenstraße, oder Lüderitzstraße – benannt nach Adolf Lüderitz (Link). Das zeigen des Films geschah im Zuge der glorreichen Mission, uns auf alltägliche Dinge aufmerksam zu machen, die wir oberflächlich wahrnehmen, hinter denen sich jedoch Geschichten von Ungerechtigkeit, Menschenverachtung und Diskriminierung verbergen.
Um dies auch hinzureichend aufzuarbeiten, mündete die Veranstaltung im einer abschließenden klasseninternen Reflexionsphase. In Anbetracht unseres Nicht-Ganz-Entsprechens einer Klasse im herkömmlichen Sinne, beschlossen wir, uns einer anderen Klasse als Beobachter und Dokumentierer anzuschließen. Diese Klasse fasste die erlebten Ereignisse zusammen, es wurde über das Kinoforum gesprochen, nach Aufgabenstellungen in Gruppenarbeit Information über verschiedene rassistische Berliner Straßennamen auf Postern verewigt und evaluiert.
Wir fanden das benbi bereichernd, lehrreich, auf die Bedeutung hinter trivial erscheinenden Dingen aufmerksam machend und somit empfehlenswert!
Eure dekolonialisierenden Blogger.
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Im Workshop "Apartheid – ein rassistisches System und seine Folgen" ging es um die Kolonisationszeit in Südafrika, welche von 1910 bis 1994 andauerte und eine Periode der Desintegration, brutaler Unterdrückung und Despotie war.
Als Apartheid ("Getrenntheit", gebildet aus dem niederländischen Adjektiv "apart") wird eine geschichtliche Periode der staatlich festgelegten und organisierten sogenannten Rassentrennung im jetzigen Südafrika bezeichnet, welche vor allem durch die selbsterklärte Vorherrschaft der „weißen“, europäischstämmigen Bevölkerungsgruppe über alle anderen gekennzeichnet war. Nach einer Phase der Verständigung mit einem demokratischen Regierungswechsel endete die Apartheid damit, dass Nelson Mandela der erste schwarze Präsident des Landes wurde.
Im Workshop haben wir viel mit Bildern gearbeitet, über die wir nachgedacht, uns ausgetauscht und die wir zeitlich eingeordnet haben, aber auch auf Situationen aus unserem eigenen Leben zu den Themen Rassismus, Ausgrenzung und Respekt wurde eingegangen.
Meiner Meinung nach wurde zu viel mit unserem Grundwissen, welches teilweise nur spärlich vorhanden war, gearbeitet, obzwar der Workshop doch eigentlich zu unserer eigenen Information gedacht war, in Folge dessen verliefen nicht alle Arbeitsaufträge reibungslos. Dennoch war er sehr aufschlussreich und interessant. Ich würde ihn weiterempfehlen. (Max)
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Antikolonialer Widerstand in Kamerun
Ich habe mich für den Workshop rund um Kamerun entschieden, da ich da noch am wenigsten darüber wusste und mich in der Kurzbeschreibung vor allem die Geschichte von einem Mann, der in Kamerun aufgestellte französische Soldatenstatuen „köpfte“ konfus und neugierig machte.
Es wurde nicht allzu viel Zeit mit herkömmlichen Kennenlernen verbracht, es war eher ein kontextbezogenes „Was weiß ich, was weiß ich nicht“, was ich als sehr angenehm empfand.
Der Workshop war nicht rigoros auf die Problemfrage zugespitzt, wir erfuhren sehr viel zu vorhandenen Sprachen (wo wir dann auch etwas ausprobieren konnten - „Ndjil'a“ heißt „Hallo, wie geht es dir“ auf Bassa, einer von über 150 kamerunischen Sprachen), zur geographischen Situation, etc. In Gruppenarbeit bekamen wir dann noch einzelne Geschichten und Schicksale kamerunischer Antikolonialisten zugeteilt, die wir in sehr kreativen Aufgaben, wie zum Beispiel einem Slam, aufarbeiteten und dann den anderen vortrugen.
Der Workshop war manchmal berührend, manchmal entsetzend, manchmal überraschend und immer höchst interessant und informativ, nicht zuletzt dank der sympathischen und energetischen Leiter. (Mira)
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Nach einer spielerisch gestalteten Kennenlernrunde zwischen 7 Schülern und 2 Veranstaltern versuchten die Veranstalter dieses Workshops, welche ehrenamtlich für den Förderverein SAMUHA.DE e. V. arbeiten, unsere Vorkenntnisse zum Thema durch ein Spiel in Erfahrung zu bringen. Danach bekamen jeweils Partner verschiedene Texte von Personen, in deren Heimatland aufgrund der Auswirkungen des Klimawandels gelitten wird. Anschließend wurde für die anderen zusammengefasst, was in dem Text stand, offen die Konsequenzen der Globalen Erderwärmung diskutiert und nach Problemlösungen gesucht. Nun wurden noch in kreativer Gruppenarbeit Plakate erstellt, auf denen Ideen zum Stoppen des Klimawandel festgehalten wurden. Zum Schluss füllten wir noch Evaluationsbögen aus. Die meisten fanden den Workshop sehr informativ und interessant. Dem würde ich mich auch anschließen, wenn ich dadurch neues Wissen erlangt hätte, was ich nicht tat. Dennoch ist der Workshop empfehlenswert für alle, die sich noch nicht so gut mit Klimaungerechtigkeit in Bezug auf Kolonialismus auskennen, um ihr Wissensinventar zu erweitern. (Latifa)