In die Klausur gehen. Der Sachverhalt lautet wie folgt: Die Mode der Institutionen spült die Formel vitam instituere/ debent mal auf und hoch und dann wieder ab und runter. Es gibt Phasen, da taucht die Formel vitam instituere/ debent auf. Es gibt Phasen, da taucht sie ab.
Im Juli 2025, so kündigt Amazon noch im Juni 2025 (also heute) an, werde die englische Übersetzung von Roberto Espositos Buch Vitam Instituere erscheinen. Unterstellen Sie, dass die Formel vitam instituere und die Formel vitam instituere/ debent dieselben Formeln sind. Die Ankündigung erfolgt auf den Internetseiten des ehemaligen Buchändlers und gegenwärtigen Alleshändlers Amazon. Dieser Händler, so wollen wir sowohl den Konzern als auch die für die Ankündigung in Deutschland letzlich doch irgendwie verantwortliche juristische Person nennen, hat sich nach einem Strom in den traurigen Tropen benannt. Im Juli erscheine die englische Übersetzung von Roberto Espositos Buch Vitam Instituere, so lautet also die Ankündigung auf jenen Seiten, die dem Kundenverkehr dienen.
Aufgabenstellung: (a) Was hat der Sachverhalt mit der Notitia Dignitatum zu tun? (b) Welchen Beitrag können die Bildwissenschaften den Verwaltungswissenschaften liefern? Erstellen Sie ein Gutachten aus min. 3 und max. 7 Zetteln auf tumblr. Wer für seine Zettel insgesamt weniger als 10.000 likes erhält, fällt durch.
Berücksichtigen Sie dabei auf jeden Fall Pierre Legendres Buch Dieu au mirroir. Etudes sur l'institution des images (Paris 2004; dt. Gott im Spiegel) sowie den Aufsatz Ihres Kollegen Oliver Brupbacher L'Institution de la vie en image. Spiegelungen zu Pierre Legendres Institutionentheorie des Rechts in der Zeitschrift Rechtsgeschichte 2006. Arbeiten sie aber darüber hinaus technisch, d.i. rekursiv, via detour und kooperativ, indem die Sie Kommunikation mit Zettelkästen betreiben, also die Zettel aus ihren Zetteln machen, indem Sie Ihre Zettel verzetteln. Warnhinweis nach § 6 Abs. III Satz 2 der auf einer europäischen Richtlinie basierenden Lehreverbesserungsverordnung 2022: Sollten Sie diese Klausur, die Ihr letzter Versuch ist, nicht bestehen, besteht die Gefahr, dass Sie ihr Leben versaut oder zumindest die letzten 16 Semester an juristischen Fakultäten vergeudet haben. Sie dürfen frei entscheiden, ob Sie teilnehmen, keine Sorge, toi toi toi!
Eigentlich schade, dass ich wegen geplatzter Geduld keine Massenveranstaltungen mehr aus- und abhalte und solche Sachverhalte nicht mehr massenhaft in Klausuren verteile. Dann eben im Internet, von dem manche noch zu sagen wagen, das sei ein Massenmedium. Selbst wenn Masse und Medium da trotz aller Zweifel vorkommen: Klausuren sind im Netz rar, äußerst rar. Verschlüsselte Architekturen gibt es im Netz kaum, weil das Netz ein Netz und darin verkettet ist, was verkettet und dasjenige verkettet, was verkettet ist. Selbst Meta verwechselt mich in manchen persönlichen Gesprächen mit irgendwelchen dahergelaufenen AlgoRithMen.
Dieu au mirroir. Etude sur l'institution des images ist ein französisches Buch jenes Pierre Legendre, dessen Berufsbezeichnungsverbrauch mit demjenigen von Aby Warburg konkurrieren kann. Ich schätze, dass der Verbrauch niedriger ist. Legendre soll Rechtswissenschaftler, Rechtshistoriker, Verwalter und Psychoanalytiker gewesen sein (die Frage nach der formellen Qualifikation spielt eine Rolle, aber dafür haben wir hier keinen Platz). Man sagt, alle Bücher von Legendre seien ein Buch. Ob das stimmt oder nicht: schon das ist ein Indiz dafür, dass Legendre nicht soviele Berufsbezeichnungen verbraucht hat, wie Aby Warburg. Ihm heftet der Ruf an, immer dasselbe gemacht zu haben. Das ist bei Warburg anders. D erstaunen die Leute bei jeder der fast jährlich anrollenden Warburgrenaissancen, was er noch so gemacht haben soll. Selbst Spezialisten sagen dann: so haben ich ihn noch nie gesehen! Warburg ein Rechtswissenschaftler? Das müssen sie mir erst einmal erklären.
Am Anfang des erwähnten Buches von Legendre kommt es zu einer Verwechslung, die Folgen haben wird - bis hin zu Carolin Behrmanns grundlegender Studie über den Tyrann und den Märtyrer, einem groß angelegten Buch zur Bild und Recht um 1600.
Diese Verwechslung, das schicke ich voraus, hat die Qualität einen Wunders. Die Herkunft des Wunders sei dunkel, heißt es. In der Qualität der wunderbaren oder wunderlichen Verwechslung setzt sich etwas von der Herlkunft des Wunders fort. Das setzt sich etwas dunkles fort. Im Grimm (in Grimm) schreibt einer der Autoren, das Wunder sei subjektiv ein Vorgang (wie Akten es sein sollen). Der Schreiber, der aus dem Bett aufgestanden ist, aus dem neben ihm das Recht und die Literatur aufgestanden sein sollen, assoziiert diesem Vorgang mit Gefühlen. Das Wunder sei ein Gefühlsvorgang, das schreibt er. er schreibt es unter einer Adresse, nämlich unter Punkt I. Punkt I folgt dort auf eine Art Präambel, ein Vorwort oder Vorschreiben, das ohne Adresse ist und in dem zuerst eine Reihe von gleichlautenden Wörter aufgelistet und verschieden Sprachen zugeordnet werden. Wunter, wuntar, wunder, wundar, wonder, wunder, wundor, wonder, undr, under (quasi unter wie in Unter dem Gesetz). Die Herkunft des Wortes sei dunkel, klar, sie kommt von unten, auch dem dunklen und ist insoweit ein Wunder. Man sagt, der logos sei zebrochen und die Leute wüssten es, sie würden darum die Worte und die Dinge nicht mehr so schnell verwechseln, wie sie es bei Bildern tun. Das Wort Wunder ist trotzdem ein Wunder, denn technisch betrachtet ist das Sprechen rekursiv, läuft via detour und bleibt kooperativ.
Die Verwechslung, die dem Legendre am Anfang des Buches unterläuft, die hat die Qualität eines Wunders. Ich will sie ein Austauschmanöver nennen, weil das Austauschmanöver derjenige Begriff in meinem Vokabular juridischer Kulturtechnik der geheimnisvollste Begriff unter drei Begriffen ist. Neben Trennung und Assoziation, die beide schon ambigue sind, ist Austauschmanöver noch ein Kompositum und verdoppelt damit schon die Ambiguität. Nur und immerhin darum verdient der Begriff die Anmerkung, von diesen dreie der geheimnisvollste Begriff zu sein, gerade weil die Frage daran anschliesst, wie und ob sich Ambiguität steigern oder verdoppeln lässt.
Verwechslungen passieren schon mal. 'What you believe to be real is real in its consequences lautet einer der Formel, die sich auf die Produktivität der Verwechslung beziehen und die man für pragmatisch hält. Die Philosophie des Als-Ob ist der Titel eines noch für Hans Kelsen wichtigen Buches und auch eine Formel, die sich auf die Produktivität solcher Verwechslungen bezieht. Die normative Kraft des Kontrafaktischen, eine Formel, die deutlich unbeständig und wie ein guter Witz (somit auch autorenlos) kursiert, die bezieht sich auch auf solche Verwechslungen. Bevor auf diesem oder den anderen Zettel Schimpf und Schande auftauchen sei gesagt: Die Verwechslung ist ein Element juridischer Kulturtechnik. Prinzipiell ist sie kein Problem. Die Details aber, ach, och, die Details.
Die Verwechslung, die dem Pierre Legendre unterläuft, die markiert auch den Punkt, an dem vitam instituere/ debent mit der Notitia Dignitatum in Kontakt steht. Die Verwechslung basiert auf Verkettungen. Legendre liest an der Stelle einen Text desjenigen Kollegen, der wiederum einer der fleissigsten Leser Legendres ist. Die Verkettung geht mit einer wechselsitigen Lektüre einher. Legendre liest nämlich an der Stelle Peter Goodrich, und zwar genau den Peter Goodrich, der Pierre Legendre gelesen hat. Was verkettet ist verkettet, das ist wie mit Übersetzungen. Was übersetzt wird ist auch schon übersetzt (daran entwickelt Ino Augsberg seine Geschichte und Theorie der juridischen Kulturtechniken, die laden und kassieren und deren technisches Objekt der Kassiber ist). Der Goodrich, der den Legendre liest und von Legendre gelesen wird, liest auch die Notitia Dignitatum. In Goodrichs Apparats spielt insbesondere eine Edition von 1651 die Rolle, immer wieder die Version zu sein, die er zitiert. Die Editionsgeschichte der Notitia Dignitum ist so wild wie das Meer. Jeder Version eine Arche, die schifft. Goodrich zitiert also die von 1651. Meine Erinnerung sagt mir, dass Goodrich ausgerechnet eine der Versionen der Notitia Dignitatum zitiert, die ohne die Illustrationen, ohne Abbildungen erstellt wurde. Irre, ironisch? Sind nicht die illustrationen und Abbildungen der Kern der Notitia Dignitatum? Ist das nicht Bildverwaltung? Sind dem Goodrich und dem Legendre nicht die Bilder besonder wichtig? Ein Wunder: selbst wenn, dann kommen die Bilder auch mal ohne Bilder aus. Die Erinnerung sagt mir, Goodrich verwende eine Edition ohne Abbildung. Das Gedächtnis ist aber stolz oder kurz, ich muss es nachprüfen (Cliffhanger vorbereiten, Anm. FS)
(Nicht zu früh hängen lassen, Anm. FS).
Welche Verwechslung genau ist gemeint? Legendre zitiert eine Formel, die in der Notitia Dignitatum reproduziert wird, wenn die Notitia Dignitatum der Titel einer Akte oder einer Zettelsammlung ist, in deren Bestand sich die Altercatio Hadriani (die FAQs der notitita dignitatum) findet. In der Editionsgeschichte der Notitia Dignitatum etwas ist passiert, zu dem Wolf Haas in der Geschichte des Brenners (der Brenner hat einen Pass und der weist ihn als Simon Brenner aus) folgende Formel geliefert hat): Schon wieder ist etwas passiert. Diesmal folgendes: Es wurde ein Buch daraus gemacht. Vorher war das ein Codex, eine Akte, ein Zettelsammlung. Im 16. Jahrhundert wird ein Buch daraus gemacht. Unter anderem war Andreas Alciatus involviert, der hat an der Vorbereitung des ersten Druckes im Druckhaus Froben in Basel mitgearbeitet. Unter anderem hat er einen Kommentar geschrieben.
Bei Legendre kommt Folgendendes an, es ist eine Art Goofy history: Quid est pictura? Veritas falsa! sei ein Satz des Andreas Alciatus. Der habe ihn geschrieben, der sei der Autor. Stimmt/ nicht. Er kann ihn geschrieben haben, dann war es ein Zitat und er nicht der Autor. Der Autor ist nämlich unbekannt. Wie ange die Sätze schon kursieren: niemand weiß was genaues. Wir sprechen über Schreiben, die Wunder sind, weil sie aus dem Dunklen kommen. Man datiert zwar die Entstehung der Notitia Dignitatum mit plausiblen Argumenten auf das Ende des ersten Viertels des 5. Jahrhundert, datiert dann aber eine Zusammensetzung von Zetteln. Die Indizien macht man an Stellen fest, die mit der Altercatio verkettet sind, in selben Codices wurde abgeschrieben. Aber die Verkettung erfolgt technisch durch Trennung, Assoziation und Austauschmanöver. Hadrian muss wohl schon gelebt haben, als die Altercatio entweder geschrieben oder aber erstmal in seinem Namen geschrieben wurde. Das ist zu der Zeit, auf die man die Entstehung der Notitia Dignitatum datiert aber immerhin auch schon 300 Jahre her und vorbei.
Ich bekomme jetzt schon Feuchtigkeitscreme von mir selbst ins Gesicht geschmiert, wenn ich an das Erscheinungsjahr von Gott im Spiegel denke. Das war doch gerade erst, aber da sind ja doch viele Falten. Nur die 300 Jahre zwischen Hadrians Ableben und dem Anfang vom Nachleben der Notitia Dignitatum halten vermutlich noch ein paar mehr Überraschung als die paar Falten in meinem Gesicht parat. Die Datierungen sind unbedingt diplomatisch und bedingt Diplomatik, dabei wollen wir es mal belassen. Die Technik ist umwegig, sie schirmt immer etwas ab und beschirmt es. Die Rekursion verläuft in der Rekursion. Und etwas kooperiert doch. Und sie bewegt sich doch. Und es faltet sich doch. Das spricht für die Details und die Details sind die Fürprecher dessen, was rekursiv, via detour und kooperativ läuft.