November 2021
Papierlose Plasmaspende
Im Redaktionschat wird angeregt, doch mal wieder Blut zu spenden. Stimmt eigentlich, denke ich mir; mein letztes Mal ist mehr als zwanzig Jahre her. Der hiesige Blutspendedienst ist für mich nur umständlich zu erreichen, deshalb entscheide ich mich für eine Plasmaspende bei einem kommerziellen Anbieter. Das ist vielleicht nicht ganz so edel, hilfreich und gut wie eine Vollblutspende, aber schon auch. Aus dem Plasma werden Medikamente für Menschen gewonnen, die Probleme mit dem Immunsystem haben.Die gesamte Administration ist voll digitalisiert. Bei einem Vorabtermin arbeite ich an einem Tablet einen langen Fragebogen durch um zu klären, ob ich überhaupt für eine Spende in Frage komme. Dann werde ich gebeten, meine rechte Handfläche über eine durchsichtige Plastik-Halbkugel zu halten, die daraufhin anfängt, blau zu leuchten. Später lerne ich, dass hier das Muster der Venen in meiner Hand eingescannt wurde; das Techniktagebuch berichtete bereits 2018. Persönliche Daten und Handvenenscan werden auf einer Plastikkarte gespeichert, die ich zwei Minuten später in die Hand gedrückt bekomme. Der Spenderausweis ist künftig der Schlüssel zu ALLEM. Ich werde in ein anderes Zimmer geschickt, in dem eine Ärztin mit mir gemeinsam den Fragebogen durchgeht und noch ein paar Detailfragen stellt. Sie kann den Fragebogen nur auf ihrem Rechner öffnen, wenn ich meinen Spenderausweis und meine Handfläche einscanne. Am Ende müssen wir den Fragebogen beide „unterschreiben“; wir tun es mit unseren Venenscans. Außerdem lasse ich eine Blutprobe für ein Blutbild da.
Vor der ersten Spende muss ich denselben Fragebogen wieder ausfüllen. Auf dem Foto sieht man neben dem Tablet den Handvenenscanner; auf dem Sensorfeld liegt mein Spenderausweis. Nur die Kombination aus beidem entsperrt das Tablet. Außerdem werden Körpertemperatur, Gewicht, Blutdruck und der Hämoglobinspiegel bestimmt. Die Ärztin hat alle Daten auf dem Bildschirm, als ich nochmal mit ihr spreche und auch die Ergebnisse des Blutbildes.
Der Spenderausweis wird auch gescannt, um die Barcode-Etiketten für die Flasche zu erzeugen, in der mein Plasma gesammelt wird. Bevor sie mir die Nadel in die Armbeuge sticht, gleicht die medizinische Fachkraft meinen Namen und mein Geburtsdatum mit den Angaben auf dem Spenderausweis ab. Ein Venenscan findet hier nicht statt.
Das einzige Papier, das bei der Plasmaspende im Spiel ist, sind die Geldscheine, die ich hinterher bekomme. Die Aufwandsentschädigung wird in bar ausbezahlt, ich quittiere sie mit einem Venenscan.
(Marlene Etschmann)
















