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Fragentopf
Hört generische Architektur auch auf oder geht sie immer weiter? Spiegeln sich die Bockenheimer? Wie, und dann wie lange, halten Symmetrien?
Entziehen
1.
Es gibt nichts, dass einem so entzogen werden kann wie ein Markenprodukt. Das Markenprodukt ist industriell hergestellt, darum wird es auch zur Marke, um sich im Überfluss noch behaupten und exklusiv sein zu können. Das ist auch eine Kunst. Im Ergebnis: Nichts kann so entzogen werden, wie das Markenprodukt. Unsere Lieben können uns so nicht entzogen werden, wir behalten sie im Herzen. Rauschgift kann einem so nicht entzogen werden, irgendwo finden sich immer entweder Schmuggler oder Ersatzmittel. Heimat, Immobilien, Möbel, Führerscheine: nichts ist so restlos und vollständig entziehbar wie Markenprodukte, es sei denn, irgendwas davon wurde Markenprodukt, dann geht das natürlich. Ein Sessel von Charles Eames oder ein Mercedes 380 SE kann schon entzogen werden, das sind ja Markenprodukte.
Sobald es kein Banjo mehr gab, war an Banjo nicht mehr zu kommen. Es gab eine Zeit ohne Nogger, da war auch nicht dran zu kommen. In einer Welt ohne Drei-Wetter-Taft ist an nichts von dem zu kommen, was Drei-Wetter-Taft ausmacht. Nur in einer Welt mit Drei-Wetter-Taft fliegt man mit dem Jet durch drei Wetter und behält beim Aussteigen seine Frisur. Das Markenprodukt ist allem anderen schon abgezogen, zieht vollständig in sich, was es ist und was es ausmacht, behält es in sich wie eine Monade und braucht dafür keinerlei Harmonie, nicht einmal Stimmigkeit. Manche reagieren (man versteht es sogar!) beleidigt, wenn die Herstellung eines Markenproduktes eingestellt wird, man fühlt sich wohl ertappt mit Leere. Als Quaker Crunch sein Knuspermüsli mit Apfelstückchen vom Markt nahm gab es verzweifelten Briefverkehr noch aus Moskau. Man verdoppelt die Anzahl von Markenprodukten eher, als ein Markenprodukt zu verändern und damit das, was es war, indem es vollständig in sich aufging und wie ein Beweis totaler Selbstgenügsamkeit, zumindest ohne Bedarf nach Bezug zu irgendwas anderem in der Welt als sich selbst war, aus der Welt zu nehmen.
2.
Wie komm' ich drauf? Ich forsche zur Geschichte der Notitia Dignitatum und man sagt, das sei schon eine Geschichte der Markenzeichen. Seitdem überlege ich was Marken eigentlich sind und teste das Denken aus, indem ich es schreibe, dafür sind Zettelkasten geeignet, auch solche, die Off-Broadway funktionieren und so die Logik von Hieronymus' Gehäuse mit derjenigen von exhibitionistischem Schreiben (ausstellendem Schreiben und Skribbeln) verbinden.