Nicht nur Scherben spiegeln dein Leben sondern auch Narben
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Nicht nur Scherben spiegeln dein Leben sondern auch Narben
Ich weiß wie verkehrt ich bin, du musst mir das nicht beweisen, indem du mich spiegelst.
- Me, myself and I
meine Seele spiegelt sich auf deinen Lippen wider
kleinesglasmaedchen
5 bäume weg
The Architect - 2017 EyeEm Awards, BYOPaper!, Architecture, Building Exterior, Built Structure, Low Angle View, Outdoors, Sky, Day, Close-up, Spiegelung Im Fenster, Spiegeln, Spiegelung by Susanne Goedeke on EyeEm
It’s a great pleasure for me to introduce you to my Queen of Hearts! I illustrated and designed this card for the amazing “52 Aces Reloaded” poker deck by Zeixs – Books for Designers which will be published later this year.
http://www.irisluckhaus.de/en/2012/anthologies-52-aces-reloaded-queen-of-hearts/
Fragentopf
Hört generische Architektur auch auf oder geht sie immer weiter? Spiegeln sich die Bockenheimer? Wie, und dann wie lange, halten Symmetrien?
Den Menschen dem Menschen ähnlich machen
1.
Eine Formel aus den in Deutsches übersetzten Texten von Pierre Legendre bezieht sich auf (kursierende und kreisende) Gesetze der Imitation und auf Mimesis, die nach jüngerer Forschung von minder bis exzessiv, fröhlich und unfidel vorkommen soll.
Legendre redet von einer Technik, die den Menschen mit dem Menschen ähnlich machen würde. Ähnlichkeit kann eine genealogische Qualität sein, deren Wahrnehmung sich schon deswegen üben lässt, weil man mit ihr etwas ausüben kann. Ähnlichkeit ist dem Ahnen involviert, nach Legendre sogar einem Ahnen, das heißt einem Subjekt, das monumental sein und Vater genannt sein soll. Für Vätersöhne mag es stimmen, auch für die Söhne, von denen es mit römischen Recht heißt, sie seien beiderlei Geschlechts, man nennt sie im übrigen Töchter. Ahnen setzen sich in einer Reihe von Subjekten fort, über Transformationen der Subjektivität hinweg. Vorbilder und Persönlichkeitsideale kann man sich wohl als Verwandte der Ahnen vorstellen. Vorgänger gehören auch zur Verwandtschaft der Ahnen, wenn die Person mit ihrer Persönlichkeit die Vorgänge so stark geprägt hat, dass sie darin noch effektiv wird.
Legendre betrachtet diese Technik als Kern einer Dogmatik, die er abendländisch nennt. Die Dogmatik, an die man insoweit denken kann, knüpft an zwei Begriffe an, den des Menschenbildes und der Ebenbildlichkeit. Legendre knüpft an Texte kanonischen sowie jüdischen Rechts (damit und mit römischen Recht sowie seinen Rezeptionen arbeitet Legendre) an. Im deutschen Verfassungsrecht spielen beide Begriffe eine Rolle, zuerst in Bezug auf Art. 1 I GG, wo sie zwar nicht explizit auftauchen, aber dadurch, dass man diesen Artikel auf christlich-jüdische Wurzeln zurückführt. Immer dann, wenn der Mensch als Träger eines Recht benannt wird und dann entweder die Selbstverständlichkeit oder die Frage im Raum steht, welches Wesen damit wie weit gemeint ist, geht der Diskurs auf das Terrain jener Dogmatik, von der Legendre spricht. Das heißt nicht, dass der Legendre dort herrscht oder etwas beherrscht, heißt erst mal nur, dass so manche Ab- und Umwegigkeit in den Alltag führen kann.
In den Verläufen von Technik und Dogmatik kann man über den Begriff des Ahnen noch mehr sagen und auch hier etwas von der Person in die Objekte und Vorgänge verrücken. Ahnen meint dann nicht den Plural eines Ahnen, sondern den Vorgang des Ahnens, ahnen ist auch ein Verb. Die Ähnlichkeit, von der Legendre spricht, ist dem Ahnen involviert (dem Vermögen, etwas ahnen zu können), in dem Fall einem Ahnen, das Technik, Routine oder ein Können ist, damit über Operationen, Operationsketten und Operationsfelder auch ohne monumentale Subjekte funktioniert, obschon es ungesichert, ungarantiert und unbeständig verläuft.
Ahnen muss nicht einmal funktionieren, operationalisieren reicht, wie das etwa bei Strategien und Plänen der Fall ist, die mit dem Scheitern rechnen. Zu ahnen kann Teil magischer und mantischer Praktiken sein, von Kreditberatung und Leberschau, Klimamodellen und einem Wittern, das nicht enttäuschungsfest ist. Ahnen ist dem Gerücht, dem Prophetie und der Prognose, der Abschätzung und dem Verdacht-haben verwandt. Ahnen ist schwaches Wissen, aber auch wendiges Wissen, leicht austauschbar und verwechselbar seine Gegenstände.
2.
Legendre spricht von einer Fabrikation (der Fabrikation des abendländischen Menschen). Vollständig lautet die deutsche Version: Den Menschen fabrizieren, damit er er dem Menschen ähnlich sei. Im Begriff der Fabrikation schwingt noch eine, wenn man so will zweite, Bedeutung mit. Neben der (Er-)Zeugung sind Bekleidungen, Textilien, z.B. Trachten gemeint. Legendre spricht von der Her- und Darstellung des Menschen. Legendre verdoppelt nicht nur die Geburt des Menschen, indem er neben natürlichen, biologischen Konditionen auch symbolische und normative Konditionen anspricht. Er verdoppelt die Verdoppelung, weil die Unterscheidung zwischen Natur und Kultur auf beiden Seiten, in der Her- und der Darstellung wiederauftauchen, so wie die Her- und Darstellung auch auf beiden Seiten der Unterscheidung zwischen Natur und Kultur wiederauftauchen. Er verdoppelt die Verdoppelung und das mit Schlagseite, wenn er explizit noch die Formel liefert, es genüge nicht, Menschenfleisch herzustellen und dabei das Ungenügen des Symbolischen, des Normativen und Institutionellen implizit hält. Auch wenn man, wie Legendre es macht, die Fabrikation via symbolischem und institutionellem Kosmos als eine Alternative dem Morden und Schlachten entgegen hält, und damit auch meint, vor der Wahl und einem Entweder-Oder zu stehen, hat das Schlagseite.
Yan Thomas hat aus dieser Schlagseite in seinem Beitrag zur Teilung der Geschlechter und dabei zur Geschichte der Frauen allerdings viel Sinn, wenn auch nur römischen, gemacht. Genügt einem das nicht, bleibt im bild- und rechtswissenschaftlichen Kontext auch Aby Warburg als Alternativ- oder Ergänzungsvorschlag. Legendre wäre dann Beispiel für eine Anthropologie, die auf ein monumentales Subjekt setzt. Warburg wäre ein Beispiel für eine Anthropologie, die auf pendelnde Subjekte setzt, dazu auch schon objektorientiert denkt, also zum Beispiel auch an die Stühle des heilige Stuhls und die Tafeln der Lateranverträge. Warburg wäre wohl auch schon Beispiel für die Entfaltung einer Anthropologie, die später von Eduardo Viveiros de Castro eine mindere Anthropologie genannt wird.
Es kann sein, dass die zweiseitig verlaufende Bedeutung des Wortes Fabrikation im Französischen offener als im Deutschen liegt. Kommt man aus Deutschland und hört auf dem Weg durch Frankreich diese Sprache, dann ist man westwärts (ho!) gegangen, schon in Richtung Westend beider Roms unterwegs, dorthin, wo man von Sitten nicht nur wie von Kostümen spricht. Man bezeichnet sie auch so. Die französische Version der Formel lautet: Fabriquer l'homme pour qu'il ressemble à l'homme. Das klingt im deutschen Ohr (einem weströmischen Ostend oder sogar Barmen oder Offenbach, hinter dem Byzanz beginnt) nicht unbedingt so, als würde Legendre überschwänglich von der Reproduktion der Menschen schreiben, unterschwänglich oder karg in der Anteilnahme kann es klingen. So könnte man auch von Stechuhren schreiben: das mag einem Bewohner solcher Ostends einfallen, wenn er zum Klang der Beschreibung etwas sagen soll. Aber wer weiß, den anthropologischen Geiz wird man schwer los.
3.
Die Technik, die Menschen fabriziert, simuliert und dissimuliert den Menschen (gibt ihm Menschenbilder, Menschenfassungen, Vorbilder, Persönlichkeitsideale und Sichtbarkeit). Sie macht ihn dabei dem Menschen ähnlich und unähnlich. Und nicht nur das. Das gilt nämlich auch unabhängig davon, ob danach dieser Mensch auf der Innenseite oder auf der Außenseite des Menschlichen landet, indem er dort verortet wird. Nicht nur der Mensch ändert sein Aussehen, der Unmensch tut es auch. So soll ein durchschnittlicher Mann, der um 2000 herum in Erkrath geboren wurde, einem Neandertaler, der an gleicher Stelle 45.000 Jahr früher geboren wurde und einem Mann aus Mettmann, der an gleicher Stelle von 1000 Jahren geboren wurde, eher unähnlich sein, unabhängig davon, wo man in der Evolution die Grenze zwischen Natur und Kultur zieht und wie man dann beides aufeinander bezieht.
Es gibt verzweigte, kreuzende, diagonale Linien, die über Ähnlichkeiten und Unähnlichkeiten laufen, wie etwa solche Linien, die die Geneaologie und die Verwandtschaften des Menschen nachzeichnen und von denen Aby Warburg im einleitenden Teil seines Atlas auf Tafel A klarstellt, dass sie das Sujet seiner Bild- und Rechtswissenschaft sind und noch zum Verfahren dieser Wissenschaft gehören. . Es ist wie beim Familienalbum, vor allem wenn es das Album einer großen Familie ist. Dort sehen welche schnell so aus, wie sie aussehen, ihr Gesicht ist noch im Vorschulalter fertig und ab da sind sie sich zuverlässig ähnlich, bei anderen ist das erst spät, bei manchen sogar nie der Fall, sie bleiben sich bis zuletzt unähnlich.
Wie jenes ausschlagende Wesen, dessen Schau jemand mitbekam, so dass es danach Theorie gab, so kann auch der Mensch ein ausschlagendes Wesen haben, sogar selbst ein ausschlagendes Wesen sein. Manchmal sublim, manchmal subtil, manchmal souverän, manchmal frivol, manchmal großzügig, manchmal kleinzügig: so gibt zum Beispiel die Rhetorik, die ein Wissen zu juridischen Kulturtechniken gesammelt hat, bevor es Lehrstühle dafür gab, zumindest von den Erscheinungen solcher Wesen was zu wissen.