Fulda: Meisterschaft I, Part I.
Seit genau 12 Tagen schiebe ich diesen Blog-Eintrag vor mir her. Dokument auf, Dokument zu. Vielleicht, weil so viel passiert ist, dass ich eigentlich seitenweise schreiben müsste, vielleicht, weil mir immer noch die Worte fehlen, um die letzten zwei Wochen in Worte zu fassen. Außer: Hoooly Shit (!!!!). Aber von vorne.
Eigentlich müsste ich vorab noch einmal den Titel meines letzten Eintrags ändern. Aus „Vor 143 Tagen und 6,5 Kilos.“ ist letztlich „Vor 143 Tagen und 9,5 Kilos“ geworden. So ungeduldig ich dort auch geschrieben habe – einige Stunden später nahm dann alles von alleine seinen Lauf. Unglaublich, wie stark sich der Körper in den letzten 48 Stunden vor dem Wettkampf nochmal verändert. Das letzte Fitzelchen Wasser wird aus den Zellen geschwemmt, die Haut legt sich direkt über die Muskeln und den Abend, den man vor der Meisterschaft ins Bett geht – geht man nicht ins Bett, sondern steigt in eine Zeitmaschine. Keine Ahnung, was in dieser einen Nacht im Körper passiert – aber es ist definitiv freaky. Ich habe nie nie niemals nie in meinem Leben so knackig ausgesehen, wie am Morgen dieses Tages. Ein bisschen, wie die Mini-Playback-Show-Zauberkugel. Man geht pfui rein und kommt hui wieder raus.
Die erste Meisterschaft: „Die Body Extreme Deutsche Newcomer 2015“ in Fulda – am 24.04. Gedacht für alle, die noch nie in ihrem Leben auf einer Bühne gestanden haben. Oder: für so Nervenbündel-Rookies wie mich. Und ein Nervenbündel war ich in der Tat schon einige Tage vorher. Die Anspannung steigt, man wird nervös, weil man die eigene Form noch nicht perfekt findet (und das war wirklich bis einen Tag vorher der Fall) und man kontrolliert beim Tasche packen 123 Mal, ob man auch wirklich den Perso und die Starter-Lizenz eingepackt hat.
Ungewöhnlicherweise fiel die Newcomer Meisterschaft auf einen Freitag – weswegen ich schon 2 Tage vorher (aus Sicherheitsgründen) Urlaub eingereicht habe. Zum einen, weil ich absolut keine Ahnung hatte, was die letzten Tage auf mich zu kommt (müde, Hunger, Pipi, kalt?) und zum anderen, weil mir klar war, dass Vorbereitung und Styling eine Menge Zeit in Anspruch nehmen. Besonders für jemanden, der nichtmal im Alltag in der Lage ist, gescheit einen Pickel zu überschminken. Perfektes Timing also, denn schon Donnerstag Mittag war großes „Anmalen“ beim Coach angesagt. Farbe (Pro-Tan) hatte ich schon vorher besorgt – und auch wirklich eine Maler- und Lackierer-Rolle inklusive Schale aus dem Baumarkt. Ich hab das ja anfangs für einen schlechten Scherz gehalten – dass ich mich irre, wurde mir klar, als das Ding plötzlich zwischen meiner Po-Ritze steckte.
Auch da muss schließlich Farbe hin – kein Wunder, bei dem kleinen Höschen. Und für Berührungsängste bleibt da wirklich keine Zeit. Splitterfasernackt steht man vor‘m Coach und lässt sich, rundherum wie ein Brathähnchen von allen Seiten bepinseln. Zum großen Schämen kommt man übrigens nicht, denn man ist damit beschäftigt, nicht zu erfrieren und versucht nicht zu atmen, sobald die Rolle in Hals-Nähe kommt, die Farbe riecht nämlich nach Alkohol. Einer der Gründe, warum sie an manchen Stellen auch fies brennt – weil man sich zuvor nicht nur jedes Körperhaar hat Zupfen lassen, sondern auch noch wie eine Bescheuerte den Körper wund peelt. Alte Hautschüppchen lassen die Farbe nämlich fleckig werden. Und das will nach 6 Monaten harter Arbeit schließlich niemand.
Aus roter Haut wurde in zwei ersten Anstrichen dann also braune Haut. Sieht gar nicht übel aus, dachte ich. Das Brennen hat sich also gelohnt. Was an Armen und Beinen an extreme Sommerbräune erinnert, geht an Händen und Füßen schnell in die Kategorie „Kanalisationarbeiter“ über. Man selbst gewöhnt sich dran – aber auch noch Tage nach dem Wettkampf wird man immer wieder daran erinnert – spätestens im Supermarkt, weil die Verkäufer dort angewidert das Geld auf die Theke legen, anstatt es einem in die Hand zu geben.
(Brathähnchen-Mood und Gänsehaut)
Mit Ausziehen und mal eben schnell anmalen, kommt man aus der Nummer übrigens nicht raus. Der Akt an sich dauert gut 20 Minuten (man hat mehr Haut und intime Stellen am Körper, als man denkt) – und wenn der erste Anstrich sitzt, springt man zum Trocknen noch mal gut die gleiche Zeit nackig im Raum herum. Am besten versucht man, sich in dieser Zeit selbst auf die Schippe zu nehmen – denn man sieht in der Tat etwas befremdlich aus: das Gesicht und die Hände bleiben weiß. Einmal getrocknet, hüpft man (trotzdem irgendwie klebrig) in seine Jogging-Pants, weil alles andere zu schade zum Anziehen ist. Geschlafen habe ich diese Nacht in komplett-Montur, inklusive Socken, damit mein Bett nicht nach Magen-Darm-Unfall aussieht. Eigene Bettwäsche und Handtücher haben wir übrigens auch mit nach Fulda genommen – weil nach dem Wettkampf eine Nacht im Hotel anstand.
(Beim Coach in der Nutrition Lounge HH, mit Team-Kollegin Jenny)
Am nächsten Morgen ging es ziemlich früh los. Bevor wir uns beim Coach getroffen haben, um Kolonne nach Fulda zu fahren, musste noch eine Schicht Farbe drauf, wir mussten Verpflegung für den Tag einpacken und natürlich sichergehen, dass die Starterlizenz AUCH WIRKLICH IM PORTEMONNAIE IST. Meine größte Aufregung galt an diesem Morgen allerdings weder dem Wettkampf, noch dem Stau, in dem wir während der Fahrt fast 30 Min. standen – sondern meinem mit Liebe geschmierten Käse-Salami-Brötchen. Bevor ich realisieren konnte, wie verdammt gut das Ding schmeckt, hatte ich den Großteil auch schon inhaliert. Gefolgt von einem kleinen Schokoladen-Ei. Glücklich und zufrieden bin ich auf dem Beifahrersitz Richtung Fulda getuckert.