die goldenen zitronen: das bißchen todschlag

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die goldenen zitronen: das bißchen todschlag
Fotos: FRAU LEHMANN
FRAU LEHMANN – Leipzig, Noch Besser Leben (01.10.2021)
Der Beitrag Fotos: FRAU LEHMANN erschien zuerst auf Monkeypress.de.
#6: Liebe am Natronsee
Authentizität ist ein Wert, der ebenso leichtfertig zugesprochen wird wie er schwer zu greifen ist. Auch wenn verschiedene subkulturelle Strömungen sich und ihre Protagonisten gerne darüber definieren, authentisch zu sein, handelt es sich doch bei jeder öffentlichen Äußerung in erster Linie um eine Inszenierung, die den Regeln einer solchen gehorcht. Mit Blick auf zwei (pop-)kulturelle Figuren der Gegenwart suchen wir nach der Relevanz, die der Begriff heute noch besitzt und beobachten, wie Authentizität als Spielball eingesetzt wird, um Positionen stark zu machen und Personen interessant zu halten.
Hagen Rether zum Islam in den Medien
Dokumentation über Dagobert
JAKÖNIGJA Lettrist-Art-Video zu "Jedes Wort" (EBBA, 2005, Buback Tonträger), gefilmt Dez. 2004/Jan. 2005 in Lissabon Material: Super 8 mm Video: Jakobus Durstewitz
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Album: Dagobert/Afrika
Es gab da ja durchaus einen besonderen Moment zwischen Dagobert und mir, der mich abseits aller Fragen nach Hipness dazu brachte, mir auch das vorliegende Album zu Gemüte zu führen. Es war Frühjahr 2011, Dagobert war in der Spex und ich außerhalb davon, mit seinem Lied “Hochzeit” auf den Kopfhörern. Eingeschaltet hatte ich es höchstens ironisch, eigentlich wollte ich das intellektualisierte Hipstertum dieser prätentiösen Zeitschrift aufdecken, indem ich Dagobert als gehypten Scharlatan demaskierte. Die Wahrheit strafte mich ausgemachten, wenn auch nicht direkt kategorischen Schlager-Ablehner als Lügner. Das billig-synthetische Instrumental, Dagoberts sonores Schnurren und der naiv-direkte Text packten mich und führten mir vor Augen, was dieses Genre Schlager kann, wenn es denn seinen simplen Ansatz nicht mit willenloser Massentauglichkeit und sich im Ton vergreifender Flachheit verwechselt. Dass auch Dagobert alles andere als unfehlbar ist, musste ich als frisch gewonnener Sympathisant dann mit dem Debüt erfahren: Elf Songs lang quälte sich dieser Mann durch etwas aufpolierte Klangfelder und erzählte Geschichten von trauriger Liebe, die er in seinen fünf Jahren als Eremit in den Bergen, in denen er sich (natürlich) ausschließlich von Reis ernährte, niederschrieb und mit denen er vermutlich noch fünfzig weitere Alben füllen kann.
Jedenfalls hat das Material anscheinend ausgereicht, um auch noch “Afrika” damit vollzupacken. Auch sonst hat sich wenig geändert: produziert hat erneut Markus Ganter, also der Mann, der sich mit Kunden wie Casper und Sizarr langsam zur neuen deutschen Indie-Produzenten-Hoffnung mausert. Sich der Vorgabe bewusst baut Ganter hier abermals gefährlich glatte Sounds zusammen, die den schmalen Grat zwischen Direktheit und Kitsch beschreiten. Einige Änderungen im Detail gibt es dennoch zu verzeichnen: Das Material ist mittlerweile ausproduziert, setzt öfter auf einen authentischen Bandsound und wagt sogar kleinere Experimente. Hier liegt jedoch ein Missverständnis vor, denn Dagoberts Schlager aufzupolieren und ihn mit “progressiven” Elementen auszustatten widerspricht dem Grundgedanken des Unterfangens und endet somit in einem Ergebnis, dass keinem der Ansprüche gerecht wird. Glücklicherweise handelt es dabei nur um Fußnoten, die jedoch von den alten Schwächen nicht ablenken können. Man möchte Dagobert nicht ein ganzes Album über dabei zuhören, wie sehr er sich nach der Liebe sehnt und wie wenig diese Sehnsucht erfüllt wird.
Dabei beginnt er sogar mit einer Vision des Aufbruchs: Im Titeltrack besingt der Exil-Schweizer seinen Ausbruch aus der Zivilisation, ab nach Afrika will er und “Uah-Uah-ah” machen. Den Rest des Albums treibt er sich dann aber doch wieder mit Frauen rum, und oft kommt das lyrisch viel zu redundant rüber. Das ist auch der Grund dafür, dass in den meisten Kritiken primär das Phänomen Dagobert gelobt wird, nicht das Album als solches. Das Phänomen Dagobert, also diese Fähigkeit ganz naiv über Liebe zu singen und zwar mit wunderbaren Melodien und einer wohligen Stimme, das zeigt sich auch auf “Afrika” wieder einige Male. “Zehn Jahre” ist einer dieser Fälle, wo Dagobert großäugig nach der Liebe fragt, und auch der notorische, melancholische Rausschmeißer “Das traurige Ende eines schönen Tages” gehört zu den guten Momenten dieses Albums. Sinister traurig schaut Dagobert auch in “Am Natronsee” aus der Wäsche, das zuvor leider versucht, eine Art Italo-Disco-Synthesizer-80er-Rock-Vocoder-Variation zu sein, dabei aber leider vollkommen in Belanglosigkeit untergeht. Es sind diese Momente in denen man spürt, dass keiner hinter Dagobert so richtig weiß, wohin die Reise gehen soll. Will man hier nun den alten muffigen Schlager renovieren? Ihn gar zu einem avantgardistischen Genre aufmöbeln? Soll das Ganze doch nur Guilty Pleasure sein, oder einfach unter Beachtung der Konventionen des Genres ordentlich abliefern?
Ich möchte diese Musik ernst nehmen, weil sie mich in gewisser Weise berührt und mich ein Artikel in der Neon mal zur Seite genommen und mir erklärt hat, dass das ironische Konsumieren von Musik ziemlicher Quatsch ist. Doch wenn ich “Afrika” ernst nehme, dann kann ich nicht zu einem übermäßig euphorischen Ergebnis kommen, dazu ist ein Großteil der Songs zu durchschnittlich, dazu fehlt die (geglückte) Entwicklung und vor allem die Abwechslung. Über einige gute Momente und die generellen Stärken Dagoberts kommt das Ergebnis nicht hinaus und versuppt somit im unteren Mittelmaß des Pop-Geschehens.
Dagobert macht “Uah-Uah-Ah” für: Schmachtende/Freunde simplen Liedguts/unglücklich verliebte Schlagerfreunde mit gehobenem Anspruch
Reinhören: https://www.youtube.com/watch?v=AE84uDgPT_A
Kreisky - Blick auf die Alpen
Kreisky have never made a boring music video. Just don't get too distracted by the story, the music or Wenzl's cocker-worthy dancing to miss the lyrics because they are just too delightfully vicious.
Die goldenen Zitronen Duisburg ( Official Video)