Itâs the end of the world as we know it (and I feel fine) heiĂt eine Single von R.E.M. aus dem Jahr 1987. Ein einnehmender Titel, der mit einer gehörigen Portion Sarkasmus, ja fast Zynismus, den Untergang der Welt besingt. Menschengemacht. In unseren post-faktischen Zeiten scheint es sich bei diesem Song wenig um gefĂŒhlte Wirklichkeit, sondern eher um eine dystopische Bestandsaufnahme zu handeln, ein durchaus realistischer Blick in die Zukunft, basierend auf den Fakten, die alle durch ihre GefĂŒhlsverirrungen so gerne ĂŒbersehen. Der Mensch zerstört die Welt und damit sich selbst. Es gleicht schon einem Mantra, wie kluge Köpfe diese Erkenntnis seit Jahrzehnten wiederholen. Hinhören sollte man dennoch, nein, sich dessen endlich annehmen und handeln. Doch wir lĂ€cheln es weg und fragen: Was hab ich damit zu tun?
The End Of The World as we know it. Foto: Ralf Emmerich.
Das junge Theater Cactus aus MĂŒnster nimmt sich der Programmatik des R.E.M-Titels an und feierte Premiere mit ihrem StĂŒck The End Of The World as we know it. Das knapp zweistĂŒndige StĂŒck ist ein dichter und aufwĂŒhlender Aufruf not to feel fine, sondern sich ĂŒber das AusmaĂ dessen bewusst zu werden, was vor allem die westliche Welt dem Rest antut. Das junge Ensemble unter Regie von Alban Renz knallt uns die Potentiale einer manmade apocalypse schonungslos ins Gesicht, das tut weh und fĂŒhlt sich doch richtig an, wir wollen an dieser Stelle die Fakten unserer Welt nĂ€mlich mal nicht weglĂ€cheln. Die BĂŒhnenereignisse fĂŒhren uns in unterschiedliche Welten des Untergangs, als die Welt dem Abgrund schon ganz nah war (oder es immer noch ist): Dresden, Hiroshima, Bagdad, Aleppo. Es entsteht ein Sog, der den Zuschauer mitten ins Geschehen wirft, wir teilen den Schmerz der Figuren, leiden mit in der Suche nach einer Heimat, die sich in unertrĂ€glich intensiver Langsamkeit ĂŒber die BĂŒhne schleppt. Um dann doch wieder durch den spitzen Humor einer an Panem erinnernden âGameshow des Todesâ lachen mĂŒssen. Oder wenn Menschen wie Zombies wieder auferstehen und schlichtweg absurd aussehen, in ihren PelzmĂ€nteln, ihren in den Tod geretteten Symbolen des Wohlstands. Was uns zu einer fast unbeantwortbaren Frage fĂŒhrt, die jeder mal gerne fĂŒr sich beantworten kann: Wenn die Bombe fĂ€llt und wir noch zehn Sekunden haben, was nehmen wir mit und was ĂŒberlassen wir der Zerstörung?
Die jungen Schauspieler verzĂŒcken in ihrer traumatischen Leichtigkeit und tĂ€nzeln (manchmal stampfen sie auch) um den Abgrund herum und reiĂen mit ohne auf die TrĂ€nendrĂŒse zu drĂŒcken. Daraus ergibt sich eine Gesamtkomposition, die nichts vermissen lĂ€sst. TĂ€nze mit blauen Ballonbabys zu Sinead OâConnors Nothing Compares to You, das menschliche Leben ist so vergĂ€nglich, wie der Ballon, der dem Druck nicht standhĂ€lt und platzt. Die Vielschichtigkeit des StĂŒckes zeigt sich in der Montage und VersatzstĂŒcken aus der US-Serie True Detective, Poes Die Maske des roten Todes und einem Schlingensiefzitat, gekoppelt an einen fesselnden Soundtrack . ZunĂ€chst geht die Welt edel unter, mit KristallglĂ€sern und Schampus, am Ende ist es dann doch der Big Bang zu The Skank Heads von Skunk Anansie und Strobolicht. Junge Jelinek und Salatsozialismus, The End Of The World as we know it von Cactus lohnt sich definitiv.
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Weitere Termine: Fr. 9. - Mi 14.12., 20.00 Uhr + So 11.12., 14.00 Uhr