Das Ideogramm der Kanzleien
1.
Nach den Wellenlinien der Nambikwara, den Listen und Tabellen der Notitia Dignitum und Kafkas Saum bildet des Ideogramm der Kanzleien einen weiteren Aspekt in Cornelia Vismann Modell ziemlich gründlicher Linien. Das Ideogramm (das Bildzeichen oder die Bildzeichnung) ist ein Objekt der Büro- und Studiokratie oder der Kanzleien. Es kombiniert Elemente der (Kontra-)Signatur mit Elementen des velums, also des Schleiers zur Rasterung von Blick und Bild, wie ihn Leon Battista Alberti empfohlen hat. Das Ideogramm nimmt Elemente der (Kontra-)Signatur auf, weil seine Zeichnung das Zeichen gibt, der Text sei nun nicht mehr eine Version oder Fassung unter anderen, sondern er sei nun verfasst und fertig und sei nun autorisiert, die Kanzlei zu verlassen. Das Schreiben muss durch diese Zeichnung durch, muss gezeichnet sein. Vismann vergleicht das Ideogramm mit (Gitter-)Stäben, hinter denen der Codex Fiorentinus präsentiert wurde. Das Ideogramm ist ein Objekt zur kontrafaktischen Stabilisierung eines Textes, der weiterhin unterschiedlich gelesen, ab Moment der Zeichnung aber nicht mehr unterschiedlich geschrieben werden soll. Das Ideogramm 'stabilisiert kontrafaktisch', stabil sind die Stäbe, auch die Buchstaben. Das Ideogramm lanciert den Text - gibt ihn zur Lektüre.
2.
Die Linien des Ideogramms bilden ein Raster, sie bilden Sperren, Balken oder Barren - und richten an anderer Stelle, in Form des Velums, den Blick und Bild einer Technik ein, die im Florenz des 15. Jahrunderts den Namen costruzione legittima erhält.
Warburg verfolgt auf den Staatstafeln nicht nur Bilder, nicht nur Bilder von Zügen, sondern auch Worte und Begriffe: Vertrag, contract, treaty, Betrachtung, Trachten; Traktat, draft, draught, treat, tract, train. Dass er über das Tragen und Trachten nachdenkt, das kann man auch aus seinen Notizen, u.a. denen aus dem Kontext zum Vortrag über das Schlangenritual und denen zu den grundlegenden Bruckstücken entnehmen. Er behandelt dabei Wörter, Begriffe, Buchstaben auf eine Weise, wie er Bilder behandelt, nämlich als Objekte, die durch Rom gegangen sind und nach Rom pendeln.








