Das Geschenk von Gaea Schoeters, 2025 bei Zsolnay, Hörbuch bei argon, aus dem Niederländischen von Lisa Mensing, gelesen von Johann von Bülow
2024. Das deutsche Umweltministerium will die Einfuhr von Jagdtrophäen aus Ländern wie Botswana stärker regulieren. Daraufhin macht der botswanische Präsident Mokgweetsi Masisi sich mit der Aussage Luft, er wolle Deutschland 20.000 Elefanten schenken und akzeptiere kein Nein (Tagesspiegel berichtet). Diese, in der Realität nie wahr gemachte, Schenkung nimmt Gaea Schoeters zur Grundlage, um ein Gedankenexperiment zu fabrizieren. Was wäre, wenn diese 20.000 Elefanten tatsächlich in Berlin auftauchen? Und wenn sie nicht eingesperrt werden dürften?
Die Autorin zeigt zuerst die schönen Seiten so einer Zusammenkunft auf: wie Städte Elefanten als Maskottchen adoptieren, im Park gemeinsam Yoga praktizieren oder wie die Geburt eines Kalbs die ganze Nation begeistert. Da Berlin, meine Heimatstadt, der Ausgangspunkt der Handlung ist, hat mich die Beschreibung von Elefanten, die in der Spree baden oder über das Tempelhofer Feld besonders entzückt.
Die positiven Momente werden aber schnell von Massenkarambolagen auf der Autobahn, Bergen von Elefantenkot und plötzlich rasant wuchernder Vegetation überschattet. Für manche dieser Probleme werden Lösungen gefunden, andere lassen die Freude über die Rüsseltiere in Ärger umschlagen.
Alle sind unzufrieden, in der Regierung werden Arbeitsgruppen gebildet und es wird viel diskutiert. Wir schauen dabei meist dem amtierenden Bundeskanzler über die Schulter, manchmal aber auch seinem rechten Konkurrenten und anderen politischen Figuren. Spannend finde ich hier vor allem die Parallelen zur Berichterstattung über Geflüchtete, was eine ganz eigene Diskussion dazu anstoßen könnte, wieso über Menschen mit Fluchterfahrung genauso gesprochen wird wie über Elefanten.
Bei all dem geht es in erster Linie um die Lage im Inland, was durchaus spannend ist, aber die eingangs anklingende Auseinandersetzung mit neokolonialen Strukturen vermissen lässt. Natürlich geht es darum, Deutschlands Doppelstandard aufzuzeigen. Das, was Deutschland von Botswana fordert, würde im eigenen Land scheitern, weder den vehementen Artenschutz noch die Bereitstellung weiter Flächen als Naturschutzgebiete scheinen realistisch umsetzbar zu sein. Es ist absurd, dass (zumindest laut Roman) die Jagdlizenzen in Botswana so teuer sind, dass nur Menschen aus dem Westen sie sich leisten können. Ich hätte gern mehr über diese Problematiken gelesen, aber vermutlich hat die Autorin sich daran in ihrem anderen Roman, Trophäe, bereits genug abgearbeitet.
Nach dreieinhalb Stunden oder 140 Seiten endet die Novelle hart und trostlos, aber vermutlich realistisch. In mir weckt das die Frage, was ein so zynisches Buch bewirkt. Einerseits ist es ein Zeitzeugnis, das die Gesellschaft spiegelt, aber ist es andererseits nicht auch gefährlich demotivierend? Fragt so ein hoffnungsloses Ende nicht „Was bringt das alles, wenn sich doch nie etwas ändert?“? Oder ist Hoffnung inzwischen gar zu beruhigend und führt zu einer optimistischen „es wird schon alles gut“-Passivität? Es ist vermutlich eine Typfrage, aber für mich fühlt es sich ernüchternd an – was nicht heißt, dass Das Geschenk nicht trotzdem eine hörens- bzw. lesenswerte Lektüre ist.