Lieber Charlie,
Damals habe ich dir geschrieben, weil du zuhörst und verstehst. Dieses Mal erhoffe ich mir kein Verständnis von dir, ich möchte einfach nur einem alten Freund schreiben.
So viele Jahre sind vergangen und mittlerweile muss ich schreiben, dass ich nicht seit 3, sondern nun mehr seit 7 Jahren leide. Es war offensichtlich: ich hab ihn geliebt, selbstverständlich habe ich das. Und ganz selbstverständlich hat er mich zurückgelassen. Bis zum heutigen Tag habe ich nie wieder etwas von D. gehört. Charlie, ich weiß nicht einmal ob er überhaupt noch lebt. Ich hoffe es und ich hoffe er hat seinen Frieden gefunden. Ich meinen jeden Falls noch nicht. Ein Jahr nachdem D. mich verlassen hat bin ich 600km gefahren, um eine Bekannte aus der Klinik zu besuchen. An einem dieser Sommerabende, in der letzten Woche meiner Ferien, gingen wir auf einen Spielplatz, um ihre Freunde zu treffen. Die Situation war asozial und absurd, ich fühlte mich Fehl am Platz. Also ging ich nach einiger Zeit zu meinem Auto um Zigaretten zu holen. Und als ich wieder zurück kam saß er da, genauso unpassend und allein in diesem Szenario wie ich. Ich fing an mich mit ihm zu unterhalten und dann gab es da nur noch uns. Wir redeten über alles, wir redeten die ganze Nacht, wir redeten noch, als die anderen schon gegangen waren. In diesem Moment wusste ich es schon. Ich wusste, dass ich mein Herz an ihn verloren hatte.
3 Jahre teilten wir alles miteinander. Es gab keine Distanz, keine Scham und keine Geheimnisse zwischen uns. Es gab nie einen Menschen der mich so sehr geliebt und sich so gut um mich gekümmert hat. Wir haben uns blind verstanden. Wir haben gelacht und uns geliebt. Wir haben Abenteuer erlebt und unvergessliche Erinnerungen geschaffen. Wenn es so etwas wie Seelenverwandschaft gibt, dann sind es unsere Seelen die verbunden sind. Aber natürlich ist die Last, die ich mit mir bringe, nicht so einfach für jemanden zu tragen. Als ich ihn kennenlernte war er noch so unerfahren und rein. Das habe ich ihm genommen. Diese Schuld werde ich immer mit mir tragen müssen. Es war selbstverständlich, dass auch er gehen würde, aber ich wünschte er hätte der eine sein können, der bleibt. Im Herzen möchte ich trotzdem nicht den Schmerz seines Verlustes haben, sondern das Gefühl unserer glücklichen Momente. Die Hoffnung, dass er irgendwann zu mir zurück kommt, wird nie ganz verschwinden. Wie gerne würde ich noch einmal in seinen Armen liegen, seinen Duft riechen, in seine wunderschönen Augen schauen, seine Haut auf meiner fühlen und unser gemeinsames Lachen hören.
Für ihn wird es noch viele geben. Für mich wird es immer er sein.
Letztendlich konnte er nicht mehr mit mir Leben und ich weiß auch nicht mehr, wie ich das soll.
Machs gut,
K.














