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"Ja, natürlich gibt es eine Grenze. Die Grenze ist die, an der man den Eindruck hat, dass Menschen ausgebeutet werden. Jede Gesellschaft einigt sich darauf, wo sie diese Grenze ziehen kann und will. Wir Deutschen setzen sie höher an als die meisten anderen Länder. Um sie zu sichern, gibt es Gesetze. Den noch ziemlich neuen Mindestlohn zum Beispiel und die Arbeitszeitregelungen. Wenn man glaubt, dass ein Dienstleister diese Regeln missachtet, dann kann man ihn anzeigen. Oder zu einem Konkurrenten wechseln, der seine Leute besser behandelt. Ich habe das schon gemacht. Das alles reicht natürlich nicht, wenn man davon überzeugt ist, dass die Onlinedienste die Gesellschaft grundlegend verändern und ein neues Prekariat entstehen lassen. Doch mit solchen Diagnosen sollte man vorsichtig sein. Deutschland ist nicht Amerika, wo die Ungleichheit tatsächlich zuletzt stark stieg. Auch bei uns ist sie gestiegen, aber das liegt Jahre zurück. Seit 2005, da sind sich die meisten Ökonomen einig, ist die Ungleichheit der Einkommen im Land nicht weiter gewachsen. Auch das Armutsrisiko hat sich seitdem nicht wesentlich verändert. Die neuen Onlinedienste haben also mitnichten eine neue Klassengesellschaft entstehen lassen. Sie machen die bestehenden Unterschiede höchstens ein bisschen sichtbarer. [..] Ja, es gibt ein Einkommensgefälle zwischen mir und dem Paketboten. Und natürlich fühle ich mich nicht ganz wohl, wenn ich darüber nachdenke, wie gerechtfertigt das ist. Dieses Gefälle gibt es aber überall: zwischen mir und der Bäckereiverkäuferin, zwischen mir und meinem Friseur, zwischen mir und dem Maurer auf der Baustelle nebenan. Noch mehr zwischen mir und dem Arbeiter in China, der mein iPhone zusammengebaut hat. Um diese Menschen sorgt sich Julia Friedrichs aber offenbar weniger. Wahrscheinlich hat sie sich daran gewöhnt, dass es sie gibt. Die Ungleichheit wird ihr erst dann unangenehm, wenn sie an ihrer Tür klingelt. [..] Vor allem aber ist der fürsorgliche Boykott solcher Hilfsdienste zu kurz gedacht. Denn was wäre die Alternative? Ich sehe zwei. Erstens, wir lassen Automaten die Arbeit erledigen. Wenn der Postroboter 6D9 vor der Tür steht, dann gibt es keinen Grund, ein schlechtes Gewissen zu haben. [..] Ob den Putzfrauen und Paketboten damit geholfen wäre? Unklar. Interessanterweise läuft die Diskussion genau andersherum, wenn es um eine Berufsgruppe geht, die Mittelschichtsmenschen schon sehr lange für wenig Geld bedient: die Kassiererin. Mancherorts soll sie nun ersetzt werden. Bei Ikea zum Beispiel können die Kunden selbst die Waren scannen und sich selbst abkassieren. Auch in Supermärkten gibt es Experimente mit SB-Kassen. Und was tun die Kunden? Statt zu jubeln, sorgen sie sich – zu Recht – um die Jobs der Kassiererinnen. Manche verweigern sogar die Benutzung der SB-Kasse. Oft sind es die gleichen Leute, die einerseits die Arbeit der Kassiererin retten und andererseits die des Kuriers abschaffen wollen. Sehr konsequent ist das nicht. [..] Die zweite Alternative ist, dass die Deutschen wieder mehr zu Hause bleiben. Frauen zurück an den Herd – oder gerne auch Männer, versteht sich! Schließlich sind gar nicht das Internet oder Faulheit die wahren Treiber der Dienstleistungsexplosion im Haushalt, sondern eine Tatsache, die wir bislang meist als Fortschritt verbuchten: dass in Partnerschaften und Familien heutzutage oft beide Partner arbeiten. Während früher Mütter meist daheimblieben für ein paar Jahre, ist das heute nicht mehr so. Sie haben folglich weniger Zeit für Hausarbeit und mehr Geld, sich Dienstleister zu leisten. Wie sollen Eltern, bitte schön, beide arbeiten, für ihre Kinder da sein, den vergessenen Turnbeutel bringen, Elternbastelabende überstehen – und dann noch putzen, bügeln, Rasen mähen, einkaufen, täglich eine vollwertige Mahlzeit kochen? Bei mir daheim jedenfalls klappt das nicht. Wer die Dienstleistungen abschaffen will, fordert damit, dass die Welt sich zurückdrehen muss und einer wieder daheimbleibt."
Tense und Lisa, vom YouTube Kanal “Die Klugscheisserin”, machen sich Gedanken wie die Digitalisierung Produktion und Dienstleistungen maßgeblich verändern wird und widerlegen gängige Vorurteile gegenüber der Automatisierung.
WENN DER DOENERMANN DEINES VERTRAUENS AUCH NACH MONATELANGER ABSTINENZ NOCH DEINE BESTELLUNG WEISS
WHEN YOUR TRUSTED KEBABDEALER AFTER MONTHS STILL KNOWS YOUR ORDER...
Opfer der Servicegesellschaft
Je weniger die Strukturen in der Lage sind, zivilisatorische Aufgaben zu erledigen, desto mehr müssen die Verantwortlichen behaupten, sie hätten alles im Griff.
[dropcap]W[/dropcap]enn es jemals berechtigte Schadenfreude gegeben hat, dann war’s in dem Moment, als ein findiger Facebook-User die Seite des Konzernchefs Zuckerberg hackte. Doch das Lachen blieb uns im Halse stecken, denn die Details…
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