Warum gibt es in den sozialen Netzwerken mehr Toxizität als Unterstützung?
Wir werden immer öfter Zeugen hitziger Streitigkeiten in den Kommentaren unter Videos, unverblümter Kritik an Figuren, Manieren, Gewohnheiten und mehr. War die Gesellschaft schon immer so, oder ist das eine Besonderheit der neuen Generationen?
Aus meiner Sicht liegt der Grund dafür in der Möglichkeit, anonym zu bleiben. Wie viele Verurteilungen würde man ernten, wenn man jedem offen ins Gesicht sagen würde, was man wirklich denkt? Das bliebe nicht ohne Folgen: der Verlust des Freundeskreises, ein ruinierter Ruf und am Ende Einsamkeit und Ablehnung in jeder Gemeinschaft. Doch all das droht einem nicht, wenn auf dem Profilbild zarte Rosen zu sehen sind und statt des echten Namens ein hübsches Pseudonym steht.
Jeder von uns verschweigt Dinge, die er sich nicht traut, öffentlich auszusprechen, und manchmal nicht einmal sich selbst gegenüber. Die Unmöglichkeit, sich zu verstecken, lehrte die Menschen, ihre Worte zu filtern und über Konsequenzen nachzudenken, auch wenn sich nicht alle diese Mühe machten. Zu jeder Zeit gab es Kritiker, Skandalmacher oder einfach gesagt – taktlose Menschen. Aber sie waren deutlich in der Minderheit.
Dennoch können wir auch dem etwas Positives abgewinnen: Je weniger die Menschen ihre Sprache zügeln, desto mehr bekommen wir ein Bild davon, was in unserer Gesellschaft verbessert werden muss. Wir nehmen die rosa Brille ab – die Welt ist nicht so freundlich, wie wir gerne glauben würden.
– Kh. Yroslava










