Die Datenablage. / 30.07.2024
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Die Datenablage. / 30.07.2024
Engelbarts Traum
Wir Menschen sind heute nicht mehr die Einzigen, die lesen und schreiben ” Computer tun es auch. Nach Jahrtausenden des Monopols über die Schrift mussten wir diese Bastion im 21. Jahrhundert räumen ” eine Entwicklung, die Douglas Engelbart, der Erfinder der Computermaus, schon 1968 vorhergesehen hat. Dieses Buch zeigt, wie sich Lesen und Schreiben ändern, wenn der Computer uns diese…
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Konzepte für den Gegenwartsdiskurs. Heute: Post Open Source Software (POSS)
von Ben Kaden (@bkaden)
In einem kleinen Beitrag gestern im Fu-PusH-Weblog tauchte ich ein wenig in die Welt der Lexpionage, also dem Aufspüren neuer Wörter ein, was eine der heitersten Facetten der Diskursbeobachtung darstellt und zugleich dank der Sprachschöpfungskraft (oder, wie Mikhail Epstein womöglich sagen würden: semiurgischen Potenz) wunderbarerweise unabschließbar scheint. (vgl. Kaden 2014a)
Die Entwicklung der menschlichen Kultur schöpft immer neue Phänomene, die natürlich ihre Bezeichnung brauchen. Linguistic Capitalism und Post-Internet sind entsprechende Beispiele, die bereits in diesem Tumblr gespiegelt wurden. Der Post-Digital-Scholarship gelang sogar der Schritt aus dem Tumblr in die Berliner Gazette (Kaden 2014b). In wenigen Wochen gibt es in Lüneburg eine Konferenz, die das Konzept in aller Breite entfalten wird.
Ebenfalls in diesen Zusammenhang gehört ein Konzept, dass im September 2012 auf Twitter erstbenannt wurde (https://twitter.com/monkchips/status/247584170967175169) und die Entwicklung von Software im Zeiten von Github beschreibt: Post-Open-Source-Software (POSS). Jeremy Malcolm beschrieb gestern in einem Artikel über die Idee der Creative Commons, was damit bezeichnet wird:
„the phenomenon of so-called POSS (Post Open Source Software), whereby developers simply commit their code to openly available code repositories like Github, and express their disdain for copyright law by deliberately refraining from choosing a license. Unfortunately, this practice casts the reuse of the code into a legal grey zone. Code that is not clearly licensed can be confusing for would-be users, because the default assumption is that most copying and reuse will be infringing if the author hasn't permitted it.” (Malcolm, 2014)
Es handelt sich also der Idee nach um bewusst lizenzlosen Programmcode, was der Twitterer James Governor (@monkchips) initial als „fuck the license and governance” kumulierte. Der Gedanke, überhaupt einen Anspruch auf Anerkennung der Programmierleistung im Sinne einer Werkschöpfung zu erheben, wird danach gänzlich verworfen. Das ist sehr radikales Commons-Verständnis, dem sogar CC Zero noch zu sehr die alten Muster der Lizenzierung und Copyrightability spiegelt. Luis Villa verwies darauf, dass ähnliche Ideen auch im Bereich von Musik und Kunst zu entdecken sind:
„The pushback against licensing isn’t specific to software, either – at least some sharing musicians are deliberately spurning Creative Commons (via Lucas) and Nina Paley has been obliquely making the same point about the licensing of her art as well.” (Villa, 2013)
Allerdings ist die Nicht-Lizenzierung nicht automatisch mit einer Protest- oder Widerstandseinstellung gleichzusetzen. Donny Berkholz verweist in einer Analyse aktueller Lizenzierungspraktiken im Open-Source-Bereich in einem Nebensatz auch auf ein „lack of licensing education“. (Berkholz, 2013)
Kontextualisiert liest sich die Aussage jedoch folgendermaßen:
„Regardless of whether this trend is due to a true rejection of the permissive culture, as Luis Villa suggests, or whether it’s a function of lack of licensing education, the shift from 50% unlicensed single-developer projects to below 25% unlicensed projects with 15 or more contributors cannot be ignored.” (Berkholz, 2013)
Unabhängig davon, ob hier willentlich oder versehentlich nicht-lizenziert wird, zeigt sich, dass die Idee der Lizenzierung im, wenn man so will, Mindset eines großen Teils besonders der auf Github aktiven Open-Source-Programmierer keine primäre Antriebskraft darstellt. Und allein dieses Einstellungsmuster unterläuft bereits die ansonsten dominante Idee einer umfassenden Verwertungskultur.
Richard Fontana, der das POSS-Phänomen ebenfalls intensiv beobachtet und analysiert hat, gelangt allerdings zu einer anderen Einsicht:
„The picture one gets when looking at these cases is not so much that explicit licensing is not occurring, but rather that it is occurring publicly, later than project launch and at the point at which the project begins to attract significant interest.”
Dort wo Code relevant wird und auf eine Nutzung (oder Nutzerbarkeit) zustrebt, wird auch wieder die Lizenzfrage gestellt. Wo und wie POSS-Phänomene wirklich substantiell sind, bleibt also schwer zu beurteilen und dass der Status der Nicht-Lizenziertheit im Rahmen der existierenden Urheberrechts- bzw. Copyright-Regime vor allem Verwirrung stiftet (Radcliff, 2013), erhöht die Komplexität der Angelegenheit zusätzlich in nicht unwesentlichem Umfang. Sollte freilich hinter den POSS-Codes auf Github tatsächlich eine anarchistische „fuck-the-license“-Programmiererzelle stecken, dann könnte genau diese Verwirrung, nun ja, Programm sein.
(Berlin, 24.10.2014)
Quellen:
Danny Berkholz (2013) The size of open-source communities and its impact upon activity, licensing, and hosting. In: Donnie Berkholz's Story of Data. 22.04.2013. http://redmonk.com/dberkholz/2013/04/22/the-size-of-open-source-communities-and-its-impact-upon-activity-licensing-and-hosting/ Richard Fontana (2013) Post open source software, licensing and GitHub. In: opensource.com. 13.08.2013. http://opensource.com/law/13/8/github-poss-licensing Ben Kaden (2014a) Das Vermaschen der Worte: Über Lexpionage und die Frage der passenden Benennung. In: Fu-PusH Weblog. 23.10.2014. https://blogs.hu-berlin.de/fupush/2014/10/lexpionage/
Ben Kaden (2014b) Wissenschaft nach dem Internet: Was ist eigentlich Post-Digital-Scholarship? In: Berliner Gazette. 18.09.2014. http://berlinergazette.de/post-digital-scholarship/
Jeremy Malcolm (2014) Where Copyright Fails, Open Licenses Help Creators Build Towards a Future of Free Culture. In: Electronic Frontier Foundation, eff.org. 23.10.2014. https://www.eff.org/deeplinks/2014/10/where-copyright-fails-open-licenses-help-creators-build-towards-future-free-culture
Mark Radcliffe (2013) Unlicensed FOSS: Major Mistake for Developers. In: Law & Life: Silicon Valley. 01.01.2013. http://lawandlifesiliconvalley.com/blog/?p=708 Luis Villa (2013) Pushing back against licensing and the permission culture. In: Luis Villa, lu.is/blog. 28.01.2013. http://lu.is/blog/2013/01/27/taking-post-open-source-seriously-as-a-statement-about-copyright-law/
Heute in der FAZ. Jürgen Kaube über Evgeny Morozov
"Viele Enthusiasten des Internets pflegen dabei, so Morozov, Ressentiments gegen den Staat und traditionelle Berufsrollen."
liest man heute in der Auseinandersetzung, die Jürgen Kaube Evgeny Morozovs Buch "Smarte neue Welt" angedeihen lässt. (Jürgen Kaube: Ist Ingenieur sein denn glamourös? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.12.2013, S. 27) Der zweite Teil der Ressentiments erinnert unvermeidlich an aktuelle Diskussionen zum Berufsbild im Bibliothekswesen, wobei die Frage der Eigenpositionierung der Internetenthusiasten in Bibliotheken noch unbeantwortet ist. Kombinationen mit "Enthusiasten" kommen im Artikel übrigens viermal (auf 1123 Wörter) vor.
Da ein Kernstück von Evgeny Morozovs Kritik der Kampf gegen die Phrase ist, muss man hier natürlich aufpassen, obwohl der Diskurs insgesamt oft genug zeigt, wie schwierig es oft ist, ein stolperdrahtfreies Vokabular für eine treffende, aber nicht Klischees bestätigende bzw. erzeugende Diskussion von Netzphänomenen zu finden.Die Zielscheibe "Technikenthusiast" ist da so leicht in den Raum gehängt, wie "Technologieprophet", was im Falle des so benannten Kevin Kelly wahrscheinlich nicht verkehrt ist.
Zwei Punkte des Artikels sollen hier herausgehoben werden. Einerseits der Verweis auf Open Access, was offenbar bei Morozov Teil des von ihm attackierten "Solutionismus" der Digitalideologie ist:
"Es ist also der Verzicht auf soziale Urteilskraft, die Morozov den Technikenthusiasten vorhält. Während Unsummen in „Open Access“ zu wissenschaftlichen Aufsätzen gesteckt werden, liegt deren Durchschnittsleserzahl bei ungefähr 1 und wissen Romanisten im sechsten Semester nicht, wer Flaubert ist. Das spricht nicht gegen die Digitalisierung, aber gegen die „solutionistischen“ Erwartungen. Die größten Gewinne der technologischen Versprechen fallen meist nicht dort an, wo die Probleme liegen, sondern bei den Ausrüstern."
Das ist selbstverständlich eine für die wissenschaftlichen Bibliotheken relevante Frage, zumal die Open-Access-Debatte auch auf Seiten der Wissenschaft bisweilen in ein wenig abgewogenes Ideologisieren abgleitet. Die genaue Argumentation Morozovs kenne ich leider nicht, aber an dieser Stelle sollte man trotzdem beachten, dass natürlich zugleich ebenfalls Unsummen in Zeitschriftenabonnements gesteckt werden, deren Durchschnittsleserzahl kaum höher liegt. Das wissenschaftliche Publizieren zielt per se in bestimmten Verästelungen zwangsläufig auf Spezialisten und nicht auf Masse. Das im obigen Zitat mitschwingende Argument eines Verhältnisses von Kosten und unmittelbarer Rezeption würde also jede Art von Nischenwissenschaft mit kleinen Communities in Frage stellen sowie eine Verengung der Wissenschaft auf populäre bzw. popularisierbare Forschungsfelder einfordern. Es ist eigentlich nicht vorstellbar, dass Morozov in diese Richtung denkt.
Die zweite Textstelle, die uns auffällt, ist Jürgen Kaubes Schlussfolgerung:
"Der Autor selbst liest offenbar Tag und Nacht, auf jeder Seite bekommt der Leser neue Hinweise auf jüngste technologische Erfindungen – [...]"
Ein Anruf bei seinem Redaktionskollegen Jordan Mejias könnte ihm diesen Eindruck bestätigen. Denn ist noch gar nicht so lange her, dass Evgeny Morozov diesem im Interview für dieselbe Zeitung folgende Zukunftsplanung offenbarte;
"Wenn ich wollte, könnte ich unterwegs sein und jeden Tag einen Vortrag halten. Ich habe aber gemerkt, dass das nicht das Richtige für mich ist, allein, weil ich intellektuell nicht einmal an der Oberfläche von dem gekratzt habe, was ich tun muss, und weil ich in der Bibliothek sitzen muss, durch die Archive gehen und dieses Jahr fünfhundert Bücher lesen muss." vgl. LIBREAS-Tumblr, 13.10.2013
Man könnte nun süffisant anmerken, dass das (gründliche) Lesen von 500 Büchern in einem Jahr fast nur machbar wird, wenn man es mit Werkzeugen der Digital Humanities unterstützt. Aber andererseits ist in der Rhetorik dieses Diskurses auch nicht jedes Wort gegen das Gold der Fakten zu wiegen.
Während die Redaktion der Zeitschrift "für Elektronische Lebensaspekte" DEBUG im November forderte Befreit uns von Morozov, bleibt Jürgen Kaube in der Einschätzung von "Smarte neue Welt" ein bisschen unbestimmt. Während er mit dem Anliegen der Morozov'schen Netzkritik durchaus zu sympathisieren scheint, hat er offenbar ebenso wie die DEBUG ein bisschen mit der Form des Vortrags dieser Kritik zu tun. Denn wenn er vom "moralischen Überschuss des Anti-Propheten" schreibt, ist das nichts anderes als eine höfliche Umschreibung dessen, was DEBUG so formuliert:
"Der kämpft halt so lange gegen die Windmühlen, bis einem so schwindlig ist, dass das Argument zu Brain-Body-Memory geworden ist."
Ben Kaden, 09.12.2013
Jonathan Zittrain on "Leadership in a Networked World"
Jonathan Zittrain, a professor of law and computer science at Harvard University, delivers a fascinating lecture to professor David Gergen’s course “On Becoming a Leader” that looks at how leadership is exerted both on and through the internet.
Critical Point of View: A Wikipedia Reader - Geert Lovink and Nathaniel Tkacz (eds) For millions of internet users around the globe, the search for new knowledge begins with Wikipedia. The encyclopedia’s rapid rise, novel organization, and freely offered content have been marveled at and denounced by a host of commentators. Critical Point of View moves beyond unflagging praise, well-worn facts, and questions about its reliability and accuracy, to unveil the complex, messy, and controversial realities of a distributed knowledge platform. The essays, interviews and artworks brought together in this reader form part of the overarching Critical Point of View research initiative, which began with a conference in Bangalore (January 2010), followed by events in Amsterdam (March 2010) and Leipzig (September 2010). With an emphasis on theoretical reflection, cultural difference and indeed, critique, contributions to this collection ask: What values are embedded in Wikipedia’s software? On what basis are Wikipedia’s claims to neutrality made? How can Wikipedia give voice to those outside the Western tradition of Enlightenment, or even its own administrative hierarchies? Critical Point of View collects original insights on the next generation of wiki-related research, from radical artistic interventions and the significant role of bots to hidden trajectories of encyclopedic knowledge and the p
http://www.networkcultures.org/_uploads/%237reader_Wikipedia.pdf