234
“Ein Prinzip, das das Schreiben nicht als Ergebnis kennzeichnet, sondern es als Praxis beherrscht”
235
“Das Kennzeichen des Schriftstellers ist nur noch die Einmaligkeit seiner Abwesenheit”
236
“Ist ein Werk nicht das, was der geschrieben hat, der Autor ist?”
“Was man tun müßte, wäre den durch das Verschwinden des Autors freigewordenen Raum ausfindig zu machen, […] und die freien Stellen und Funktionen, die dieses Verschwinden sichtbar macht, auszukundschaften”
“Der Autorname ist ein Eigenname”
237
“Der Eigenname (und der Autorname ebenso) haben nicht nur hinweisende Funktionen. Er ist mehr als ein Hinweis, eine Geste, ein Fingerzeig; in gewisser Weise ist er das Äquivalent für eine Beschreibung. Sagt man ‘Aristoteles’, so verwendet man ein Wort, das Äquivalent für eine Beschreibung oder eine Reihe von Beschreibungen ist”
238
“Die Funktion Autor ist als charakteristisch für Existenz-, Verbreitungs- und Funktionsweise bestimmter Diskurse in einer Gesellschaft”
Funktionen des Autors
1) Eigentumsform, rechtlich fixiert, als Produkt, “Gut im Einzugsbereich des Eigentums”
239
2) Autorname bietet Wahrheitswert “Die Texte, die wir heute wissenschaftlich nennen, nur akzeptiert und hatten nur dann Wahrheitswert, wenn sie durch den Namen des Autors gekennzeichnet waren”
3) Autor entsteht aus “einer komplizierten Operation” die eine Projektion des Autors mit Vernunft herstellt
240
“Schließlich ist der Autor ein bestimmter Brennpunkt des Ausdrucks”
“Der Text trägt in sich immer eine Reihe von Zeichen, die auf den Autor verweisen”
241
Personalpronomen im Roman weisen nicht unbedingt auf den Autor hin, die Distanz zwischen dem Ego im Roman und dem tatsächlichen Autor kann unterschiedlich weit sein
“Es wäre also ebenso falsch, wollte man den Autor beim wirklichen Schriftsteller oder auch beim fiktionalen Sprecher suchen; die Funktion Autor vollzieht sich gerade in diesem Bruch”
242
“die Funktion Autor ist an das Rechts- und Staatssystem gebunden, das die Gesamtheit der Diskurse einschließt, determiniert, ausdrückt; sie wirkt nicht einheitlich und gleichmäßig auf alles Diskurse zu allen Zeiten und in allen Kulturformen; sie läßt sich nicht dadurch definieren, daß man spontan einen Diskurs einem Produzenten zuschreibt, sondern dazu sind eine Reihe spezifischer und komplizierter Operationen nötig; sie verweist nicht einfach auf ein reales Individuum, sie kann gleichzeitig mehreren Egos in mehreren Subjekt-Stellungen Raum geben, die von verschiedenen Gruppen von Individuen besetzt werden können.”
243
“Also scheint die Begründung einer Diskursivität auf den ersten Blick zumindest von der gleichen Art zu sein wie die Begründung jeder beliebigen Wissenschaftlichkeit. Ich glaube jedoch, daß es da einen Unterschied, […]. Denn im Fall einer wissenschaftlichen Disziplin ist der Akt, der sie begründet, auf gleicher Höhe wie ihre späteren Transformationen;”
Diskursivität ist homogen zu ihrer Transformation (im Gegensatz zur Wissenschaft)
244
“Unterschied zur Begründung einer Wissenschaft ist die Diskursivitätsbegründung nicht Teil ihrer späteren Transformationen,[…]. Folge davon ist, daß man die theoretische Gültigkeit in bezug auf das Werk dieser Begründer selbst definiert […] das Werk dieser Begründer steht nicht in bezug zur Wissenschaft […] sondern die Wissenschaft oder die Diskursivität beziehen sich auf das Werk ihrer Begründer wie auf primäre Koordinaten”
“Die Überprüfung eines Galilei-Textes kann unsere Kenntnisse über die Geschichte der Mechanik modifizieren, aber nie die Mechanik selbst. Die Überprüfung der Texte von Freud hingegen modifiziert die Psychoanalyse und die von Marx den Marxismus”
246
“Der Bezug (oder der Nicht-Bezug) zu einem Autor und die verschiedenen Formen dieses Bezugs bilden […] eines der diskursiven Merkmale”
“die Art der Verbreitung, der Wertung, der Zuschreibung, der Aneignung ist in jeder Kultur anders und wandelt sich in jeder einzelnen; die Art, wie sie sich über die gesellschaftlichen Beziehungen äußern, läßt sich meiner Meinung nach direkter durch die Funktion Autor und ihre Veränderungen entziffern als in den Themen und Begriffen, die sie verwenden”