Sind Meinungen vielleicht wie Unterwäsche? Ein Stoff, den man nicht ablegt, um nicht die eigene mentale Nacktheit preiszugeben?
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Sind Meinungen vielleicht wie Unterwäsche? Ein Stoff, den man nicht ablegt, um nicht die eigene mentale Nacktheit preiszugeben?
Die Krone der Evolution: Der Lach‑Smiley als Argument‑Ersatz 🤡
Kennt ihr das auch? Man setzt sich hin, recherchiert, tippt sich die Finger wund, wägt Argumente ab und baut eine logische Kette auf. Und was ist die hochintellektuelle Antwort darauf? Ein gelbes Gesicht, das sich vor Lachen krümmt.
Versteht mich nicht falsch: Ich erhebe absolut nicht den Anspruch, immer recht zu haben. Ich bin kein wandelndes Lexikon und meine Meinung ist nicht in Stein gemeißelt. Im Gegenteil! Ich liebe eine gute Diskussion. Haut mir eure Gegenargumente um die Ohren, korrigiert meine Fakten, zeigt mir eine andere Perspektive auf – davon lernen wir doch alle.
Aber genau da liegt der Hund begraben. Ein Gegenargument erfordert, dass man den Text gelesen und verstanden hat. Es erfordert einen Funken Respekt gegenüber der Zeit und der Mühe, die sich jemand anderes gemacht hat.
Der Lach‑Smiley hingegen ist der ultimative argumentative Offenbarungseid. Er ist die „Antwort“ für alle, die:
zwar keine Fakten haben, sich aber trotzdem irgendwie überlegen fühlen wollen.
zu faul sind, einen geraden Satz zu formulieren.
hoffen, dass durch bloßes Auslachen die unbequemen Argumente des Gegenübers einfach verpuffen.
Es ist schon faszinierend: Ein Smiley macht nicht angreifbar. Man muss nichts belegen, nichts erklären und vor allem nicht denken. Es ist der Rettungsring für alle, die im Meer der Argumente drohen unterzugehen.
Eigentlich ist es ein Armutszeugnis. Wer nur lacht, statt zu reden, hat die Diskussion bereits verloren – er weiß es nur noch nicht. Es zeigt weniger die „Lächerlichkeit“ des Beitrags, sondern vielmehr die geistige Windstille desjenigen, der auf den Button drückt.
In diesem Sinne: Ich freue mich auf jeden Kommentar, der mehr als nur ein Emoji enthält. Lasst uns streiten, diskutieren und meinetwegen auch mal völlig uneins sein – aber bitte mit ein bisschen mehr Niveau als ein gelber Klecks auf dem Bildschirm!
#Diskussionskultur #RespektImNetz #ArgumenteStattEmojis #KeineAngstVorFakten #OnlineDebatte #SarkasmusHilft #GeistigeWindstille
Alles persönlich nehmen, sofort zurückschießen – so verlaufen viele Debatten im Netz und im Alltag. Respekt und Rücksicht weichen schnellen Reaktionen und scharfen Worten. Doch wie klar darf Sprache sein? Wo endet Kritik und wo beginnt Krawall? #Gereizt #Streitkultur #Wochenschau
Verlorene Streitkultur: Ein Weckruf für respektvolle Debatten und den Schutz politisch Aktiver #9vor9
Der Puls der Nation steigt: Ob Migration, Klimawandel oder Heizungsgesetz - viele Themen führen sofort zur verbalen Eskalation. Manchmal mehr. Wie können wir wieder zu einer konstruktiven Streitkultur zurückfinden? Uns Gespräch bei #9vor9.
In der heutigen Zeit, in der Hass und Hetze in sozialen Medien und im realen Leben scheinbar unaufhaltsam um sich greifen, haben wir uns bei #9vor9 einer dringenden Frage gewidmet: Wo sind die respektvollen Debatten geblieben? Unsere aktuelle Podcast-Episode, „Verlorene Streitkultur – Wo sind die respektvollen Debatten hin? (Inklusive der Bedrohung politisch Aktiver)“, beleuchtet die dramatische…
Raus aus der Blase: Kann es einen Diskursraum für Demokraten im Netz noch geben?
Brauchen wir, nachdem Twitter abgeraucht ist, einen neuen öffentlichen Diskursraum im Netz für Demokraten? Kann das überhaupt noch hart, aber gesittet geschehen oder ist es eh zum Scheitern verurteilt?
Das soziale Netzwerk, wo ich mich noch einigermaßen wohl fühle, ist Mastodon beziehungsweise ist das Fediverse. Aber das soll keine Artikel zu den verschiedenen sozialen Netzwerken werden. Das diskutiere ich gerne an anderer Stelle. Warum diese Einleitung? Am 10. Juni wird meine Timeline auf Mastodon mit einem Thema geflutet: Der Recherche von Correctiv über das Treffen hochrangiger…
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Rettet die Menschlichkeit
Verantwortung für den Frieden
Nach unserer Beteiligung an Friedensdemos wird uns oft vorgeworfen, eine Seite der Auseinandersetzung zu bevorzugen. Solche Vorwürfe gipfelten vorgestern nach der Friedenskundgebung in Berlin zum Krieg Israel-Palästina in Worten wie "einseitige Geschichtskittung" und "1984". Nach 18 Monaten Kriegspropaganda ist es scheinbar nicht mehr "in" sich für den Frieden auszusprechen und Gewaltverzicht und Verhandlungen als grundlegende Voraussetzung für einen Weg aus dem gegenseitigen Hass zu fordern.
Unsere Stimme ist dabei nicht allein oder abwegig, denn auch eine 2/3 Mehrheit der Staaten auf der Erde und viele NGOs fordern ein Ende der Kämpfe. Als einen weitere Stimme der Vernunft und der Menschlichkeit möchten wir hier den Brief von ca. 350 WissenschaftlerInnen an die deutsche Politik und die Öffentlichkeit zitieren, der sich auch kritisch mit den Ereignissen in Berlin und dem Vorgehen der Polizei auseinandersetzt.
Brief aus Berlin – kritische Wissenschaftler*innen an die deutsche Politik und Öffentlichkeit
Seit den Massakern der Hamas in Israel am 7.10.2023 und der darauf folgenden Kollektivbestrafung Gazas durch das israelische Militär werden in Berlin zahlreiche Proteste verboten, die sich mit der Zivilbevölkerung in Gaza solidarisieren. Hierzu gehören eine Demonstration jüdischer Vereine, eine Demonstration mit dem Titel „Jugend gegen Rassismus“ sowie zahlreiche Demonstrationen palästinensischer Verbände, auch wenn diese sich deutlich als Veranstaltungen für den Frieden positionieren. Als kritische Wissenschaftler*innen rufen wir die verantwortliche Landesregierung dazu auf, politische Repression dieser Art, die etwa auch repressive Anweisungen des Senats an Berliner Schulen umfasst, umgehend zu unterlassen.
Seit dem 7.10. sind in Berlin vermehrt antisemitische Anschläge zu verzeichnen. Auch haben seitdem die polizeilichen Repressionen gegen palästinensische und Palästina-solidarische Menschen sowie gegen große Teile der Bevölkerung in Neukölln ein besorgniserregendes Ausmaß erreicht. Die gefährdete Sicherheit jüdischer Menschen in Berlin erfordert eine gesamtgesellschaftliche, solidarische Reaktion. Es braucht antifaschistische Strukturen und Aufklärungsarbeit, demokratische politische Bildung und ein erhöhtes Verständnis für die Vielfalt jüdischen Lebens. Stattdessen sehen wir repressive Maßnahmen wie z.B. racial profiling, durch die ein gesamter Stadtteil kriminalisiert wird. Auch das erfordert eine solidarische Reaktion. Eine derartige Eskalation seitens des Staates führt unter anderem dazu, dass jüdische Menschen sowie Jugendliche und Kinder im Kontext von Demonstrationen Polizeigewalt erfahren. Diese Verletzung der Grundrechte auf freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit ist inakzeptabel. Sie stellt kein probates Mittel gegen den latenten sowie zunehmend aggressiven Antisemitismus in Deutschland dar. Darauf haben in einem offenen Brief vom 22.10. auch über 100 in Deutschland beheimatete jüdische Kunstschaffende und Wissenschaftler*innen hingewiesen.
Angriffe wie der Brandanschlag auf die jüdische Gemeinde Kahal Adass Jisroel in der Brunnenstraße am 18.10. sowie Demonstrationen gegen die Politik des Staates Israel vor jüdischen Einrichtungen zeugen von einer Gleichsetzung der israelischen Regierung mit jüdischen Menschen und sind eindeutig antisemitisch.
Eine Logik der Gleichsetzung zieht sich in erschreckendem (wenn auch wenig überraschendem) Ausmaß auch durch die deutsche Politik und Öffentlichkeit. So etwa, wenn sich ihre Vertreter*innen im Namen einer vermeintlich pro-jüdischen Staatsräson nahezu ausnahmslos geschlossen hinter die Militäroperationen der israelischen Regierung stellen – obwohl diese bereits von der UN kritisiert und von Expert*innen als genozidal eingeordnet wurden. Wenn im Rahmen des Völkerrechts Israels Recht auf Selbstverteidigung hervorgehoben wird, muss das Verbot einer kollektiven Bestrafung der Zivilbevölkerung sowie der Zerstörung ziviler Infrastruktur ebenfalls betont werden. In Deutschland hat man sich gegenüber der seit 2007 andauernden völkerrechtswidrigen und für die Zivilbevölkerung katastrophalen Blockade des Gazastreifens in Indifferenz eingeübt. Der israelischen Regierung jetzt bedingungslose Unterstützung zuzusichern, nährt die Illusion, militärische Besatzung böte eine Perspektive auf Frieden oder Sicherheit. Die sich aus der Shoah ergebende historische Verantwortung Deutschlands gegenüber Jüdinnen und Juden wird dabei so interpretiert, dass sie eine kritische Auseinandersetzung mit der offen rechtsextremen Politik eines wichtigen geopolitischen Verbündeten verhindert. Die israelische Journalistin Amira Hass schrieb dazu kürzlich in der israelischen Zeitung Haaretz Sätze, die derzeit kaum ein deutsches Medium veröffentlichen würde: „Ihr Deutschen habt eure Verantwortung, die sich ,aus dem Holocaust ergibt‘ – also aus der Ermordung unter anderem der Familien meiner Eltern und dem Leid der Überlebenden –, längst verraten. Ihr habt sie verraten durch eure vorbehaltlose Unterstützung eines Israels, das besetzt, kolonisiert, den Menschen das Wasser wegnimmt, Land stiehlt, zwei Millionen Menschen im Gazastreifen in einem überfüllten Käfig gefangen hält, Häuser zerstört, ganze Gemeinschaften aus ihren Häusern vertreibt und Siedlergewalt fördert.“ Vorbehaltlose und kritiklose Unterstützung dürfen sich Nationalstaaten aus demokratischer Perspektive nie gegenseitig gewähren, das betrifft auch das Verhältnis zwischen Deutschland und Israel.
In den ersten Tagen nach dem 7.10. wurden die Massaker im Süden Israels und die Geiselnahmen durch die Hamas teilweise zynisch verharmlost und die Trauer israelischer Angehöriger verhöhnt. Große Teile der Medien sowie der Landes- und Bundespolitik bezeichnen Solidarisierungsbekundungen mit der palästinensischen Zivilbevölkerung allerdings pauschal als Hamas-Verharmlosung oder gar -Verherrlichung und folgen damit ebenfalls einer verheerenden, rassistischen Logik der Gleichsetzung. Palästinensische Menschen sind nicht gleichzusetzen mit der Hamas, ebenso wenig wie jüdische Menschen gleichzusetzen sind mit der israelischen Regierung. Überdies ist die israelische Blockade des Gazastreifens sowie die völkerrechtswidrige Siedlungspolitik im Westjordanland als politische Rahmenbedingung der Gegenwart anzuerkennen. Wer Kontexte solcher Art nicht berücksichtigt, betreibt eine Politik der Vorverurteilung, verhindert eine Analyse der sozialen Ursachen für Gewalt und bürdet sich innerhalb des aktuellen Konflikts eine enorme Schuld an seiner weiteren Eskalation auf. Die Situation in Berlin zeigt, dass es für palästinensische Menschen in Deutschland derzeit und schon länger kaum Möglichkeiten gibt, sich als politische Subjekte mit eigener Perspektive und Anspruch auf Selbstbestimmung zu äußern, weder politisch noch literarisch oder künstlerisch, da solche Äußerungen zunehmend pauschal als antisemitische Verdachtsfälle betrachtet werden.
In Berlin ist die größte Community der palästinensischen Diaspora in Europa zuhause. Zu den verfassungsrechtlichen Pflichten der hiesigen Regierung gehört es, die Menschen in diesem Land zu schützen. Das gilt für palästinensische Jugendliche, die stattdessen mit der Indifferenz der deutschen Politik und weiter Teile der Öffentlichkeit gegenüber dem Leiden der Zivilbevölkerung in Gaza konfrontiert sind und die nun unter Generalverdacht gestellt und von Politiker*innen mit Ausweisung bedroht werden. Das gilt für jüdische, israelische Regimekritiker*innen, deren Trauer und Bangen um Angehörige in ihrem Heimatland von der deutschen Politik und Öffentlichkeit vereinnahmt werden und deren Raum für öffentliche Anteilnahme ebenfalls beschränkt wird. Die Annahme, dass polizeiliche Repressionen und Einschränkungen der Grundrechte Schutz für diese Bevölkerungsgruppen gewährleistet, ist ein Irrglaube.
Repression schürt Ressentiments. Gewalt erzeugt Gegengewalt und erschwert das solidarische Zusammenleben, das in Berlin an vielen Stellen praktiziert wird. Das polizeiliche Vorgehen fällt demnach zulasten der Angehörigen und Anteilnehmenden beider Seiten in diesem Krieg. Es schränkt nicht nur grundlegende politische Rechte für gerade jene ein, die keinen eigenen Staat haben, der sich für sie einsetzt, sondern verhindert aktiv politische Allianzen zwischen marginalisierten Gruppen in Berlin, die in der derzeitigen Anti-Migrationsdebatte in Deutschland ohnehin öffentlich gebrandmarkt und diskriminiert werden. Dass Forderungen nach Abschiebungen von Palästinenser*innen gerade dann lauter werden, wenn in Israel und Palästina Krieg herrscht und die Zivilbevölkerung mit systematischer militärischer Gewalt und Vertreibung bedroht wird, zeugt von einer besonders perfiden Menschenverachtung.
Am Tag nach dem Angriff der Hamas erzielte die AfD in Bayern und Hessen mit einem rechtsextremen Programm signifikante Wahlerfolge. Hubert Aiwanger, der erst kurz zuvor als vermeintlicher Autor eines antisemitischen Flugblattes neue Bekanntheit erlangte, wurde erstmals direkt gewählt. Die antisemitische Gefahr in Deutschland primär in Protesten gegen die Gewalt des israelischen Militärs im Gazastreifen zu verorten, ist rassistischer Populismus und ignoriert die historisch tiefen und gesellschaftlich wirkmächtigen antisemitischen Tendenzen in breiten Teilen der Gesellschaft, Polizeibehörden und Parlamente.
Es ist die Aufgabe kritischer Wissenschaft, gesellschaftliche Unterdrückungsverhältnisse zu beschreiben, zu benennen und ihre Zusammenhänge zu analysieren. Auch wenn Rassismus und Antisemitismus unterschiedliche Dynamiken der Unterdrückung zugrunde liegen, sind sie aus dieser Perspektive innerhalb derselben gesellschaftlichen Verhältnisse zu bekämpfen. Das bedeutet auch, die Verhältnisse zu bekämpfen, in denen sie reproduziert werden. Wie Leid und Gewalt sich in der Gegenwart zeigen, muss der Maßstab dafür sein, um politische Linien für diesen Kampf zu bestimmen. Ein ahistorisches Verständnis von Antisemitismus und Holocaust-Gedenken, wie es an vielen Stellen längst folgenschwer die deutsche Gesellschaft durchzieht, untergräbt eine Sensibilität für multidirektionale Gewaltverhältnisse und das Leid, das sie hervorbringen. Eine solche Sensibilität ist die Voraussetzung für Solidarität.
Gegen jeden Antisemitismus. Gegen Polizeigewalt und Rassismus. Freilassung aller Geiseln und Waffenstillstand jetzt.
See English translation here. Die Unterzeichner*innen sprechen nicht im Namen ihrer Institutionen.
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Von Klimaleugnern und Kriegshetzern
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Tom und ich talken.
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Die posthegemoniale Welt – Waldai-Forum diskutiert aktuelle Entwicklungen
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Die diesjährige Tagung des Waldai-Klubs widmet sich dem geopolitischen Wandel. Internationale Fachleute diskutieren in Moskau die aktuellen politischen Herausforderungen. Im Gegensatz zu Diskussionen in Deutschland ist der Blickwinkel dabei nicht einseitig verengt. Von Gert Ewen Ungar Die ganz namhaften Gäste haben sich in diesem Jahr nicht zum Waldai-Forum angekündigt. Russlands Präsident…
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