Die Aktion Standesamt 2018
Ich habe Euch einen Blogpost zur Aktion Standesamt 2018 und zum Nichtbinärsein versprochen, ich gebe Euch einen Post!
Zuerst einmal werde ich wohl nicht die Menge an Followern haben, und die meisten davon werden das Wort nichtbinär schon gehört haben. Aber ein Blog ist ja für die Ewigkeit™, also kann es ja sein, dass das irgendwer noch nie gehört hat. Es ist eigentlich ziemlich einfach: Nichtbinäre Menschen haben ein Geschlecht, das weder männlich noch weiblich ist, sondern etwas außerhalb dieser beiden binären Kategorien. Das kann also heißen, dass sie gar kein Geschlecht haben, dass sie sich irgendwo zwischen männlich und weiblich verstehen, dass ihr Geschlecht irgendwie wechselt, oder dass sie ganz entfernt von diesem Zweierdenken sind. In der letzten Kategorie würde ich mich wohl sehen, auch wenn ich der Einfachheit halber im Alltag oft sage, dass ich maskulin bin; einfach, weil sich das am wenigsten falsch anfühlt.
Ich kenne aber auch Menschen, die sich in den allermeisten Fällen als nichtbinär vorstellen; die Umfragen nicht beantworten, wenn sie ihr Geschlecht nicht angeben können, sondern sich zwischen „männlich“ und „weiblich“ entscheiden müssten. Leute, die ein anderes Pronomen benutzt hören wollen als „sie“ oder „er“. Die das überall so durchziehen. Und alles Mögliche dazwischen kenne ich: Im Internet komplett laut und offen und stark mit ihrer nichtbinären Identität, während die Familie keine Ahnung haben soll. Nur im kleinsten Kreis als nichtbinär bekannt, aber medizinische Termine werden weiter binär gehandelt.
Und all diese Wege sind okay, denn unsere Gesellschaft ist immer noch nicht besonders nett zu nichtbinären Menschen. Binär transident zu sein ist oft schon hart genug, denn bisher sind Gesetze und Regelungen oft so lange nicht aktualisiert worden, bis eine offizielle Gerichtsbarkeit sie für verfassungswidrig erklärt hat – und selbst dann ist manchmal keine Neuregelung erlassen worden. Nichtbinäre Menschen sind bis vor ein paar Monaten aber quasi nirgends auch nur erwähnt gewesen. Das soll sich jetzt endlich ändern: Vanja, eine intersexuelle Person, hat gemeinsam mit der Kampagne „Dritte Option“ bis zum Verfassungsgericht in Karlsruhe fünf Jahre lang die Rechtswege bestritten, um einen dritten Geschlechtseintrag führen zu können. Im Oktober 2017 gab es dann eine offizielle Stellungnahme: Bis zum 31. Dezember 2018 muss es eine neue gesetzliche Regelung geben, sodass am Ende für alle entweder gar kein Geschlecht mehr erfasst wird oder – was ich persönlich besser finde – die Optionen „leer“, „weiblich“, „männlich“ und eine weitere Textoption zur Verfügung stehen. Diese Textoption ist noch ziemlich in der Diskussion. Das Bundesministerium des Inneren (BMI) wollte zuerst „anderes“ eintragen lassen, wenn ich das richtig gelesen habe. Das klingt aber nicht besonders positiv und wirkt ziemlich nach „ach ja, das sind halt diese ~anderen~, möglichst weit weg von den ~richtigen~ Optionen bitte“. Klar, dass das einen Aufschrei produziert hat. Eine Lösung, wie sie von mehreren Organisationen unterstützt wird, ist ein Freitextfeld: Ein Defaultwert könnte „weiteres“ sein, mit der Möglichkeit, eine eigene Geschlechtsbezeichnung einzutragen.
Eine Organisation, die sich dafür stark macht, dass diese Optionen möglichst bald kommen, ist die Aktion Standesamt 2018. Der Name baut auf der Aktion Standesamt auf, die für die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare 1992 in die Standesämter gezogen ist. Damals hat zwar kein Gesetz sofort darauf reagiert, aber das Thema wurde in die Köpfe der Menschen gerückt. Es hat übrigens 25 Jahre gedauert, bis die gleichgeschlechtliche Ehe in Deutschland endlich eingeführt wurde.
Mitte Oktober will die Aktion Standesamt 2018 eine bundesweite Aktion durchführen: Menschen, die sich eine dritte Option für sich selbst wünschen, können bei ihrem Standesamt einen Antrag darauf stellen. Natürlich ist keine Garantie gegeben, dass diese Anträge dann auch wirklich angenommen werden, denn eine gesetzliche Basis dafür wird es voraussichtlich noch keine geben. Die Aktion ist aber darauf ausgelegt, auch bei weiteren rechtlichen Fragen zu helfen und generelle Unterstützung zu geben. Auf der Internetseite der Aktion gibt es noch mehr Information dazu, und auch ein Newsletter-Formular.
Das hier ist ein Beitrag, bei dem mich wirklich sehr interessiert, was ihr denkt, und wo ich euch sehr gern Fragen beantworten will. Wenn ihr also Kommentare in irgendeiner Form habt, könnt ihr mir gern ein Ask droppen, oder auch unter Tellonym schreiben. Wenn ihr das Ganze nicht anonym machen wollt, fragt auch ruhig auf Twitter, Mastodon oder sonst wo nach :)
Ein weiteres kleines Update: Mein Template lässt mich Einträge nicht einfach in Kategorien parken, aber ich suche da eine Lösung.