Bisquitrolle vegan – endlich! :)
Heute ist seit langem mal wieder Männertag in der Küche. Also gibt's den nächsten Versuch einer veganen Version eines meiner Lieblingskuchenrezepte – Bisquitrolle! Das Original ist ein total leichtes Rezept, lässt sich fix zubereiten, und die fluffige fertige Rolle schmeckt einfach köstlich! Dieser veganisierte Version kommt dem recht nahe, finde ich.
"Fluffig" ist hier auch genau die Herausforderung fürs Veganisieren: die Luft im Teig kommt bei nicht veganen Bisquitrollen ja ausschließlich vom aufgeschlagenen Eiweiß – und damit war für uns vor zwei Jahren Schluss. Seither habe ich mit verschiedenen Ei-Ersätzen herumprobiert, um meine geliebte Bisquitrolle wieder backen zu können: Orgran, Glutenpulver, Sojaeiweißpulver. Das Ergebnis ließ aber immer zu wünschen übrig: zu wenig Luft, zu wenig Elastizität zum Aufrollen.
Bis wir bei der veganen Lebensmittelhändlerin unseres Vertrauens das MyEy-Pulver entdeckt haben: EyGelb und EyWeiß kann man jeweils ganz bequem in Wasser einrühren und hat dann eine Masse, die in Geschmack und Konsistenz Eigelb bzw. Eiweiß sehr nahekommt. Für die Bisquitrolle ist wichtig, dass man EyWeiß fast genauso gut aufschlagen kann wie Hühnereiweiß – bei mir ist es zwar nicht 100% fest geworden, aber fest genug, um viel Luft aufzunehmen und zu halten.
Also habe ich in meinem Lieblingsbisquitrollenrezept die Ei-Anteile durch die Angaben auf den MyEy-Dosen ersetzt und losgelegt. Beim ersten Versuch war es insgesamt zu wenig Teig und etwas zu bröselig; beim zweiten Mal zerfiel der Teig (zu viel Wasser, zu wenig Mehl). Jetzt hatte ich beim dritten Versuch die Mengen so raus, dass mir (uns!) das Ergebnis wunderbar schmeckte; trotzdem werde ich in Zukunft noch optimieren (ich will mehr Volumen, mehr Fluff und mehr Elastizität :)). Hier kommt aber schon mal das Rezept vom gelungenen Versuch.
80ml Wasser oder Sojamilch
etwas gemahlene Vanille und Kardamom
(kein Salz, weil EyGelb und EyWeiß schon viel Salz mitbringen)
220g Weizenmehl 405 "griffig" oder "Instant", z.B. von Aurora
Ein kleines Glas (200-300ml) Marmelade eurer Wahl
1-2 TL Zucker sowie Puderzucker zum Bestäuben
Beim Mehl ist es wichtig, griffiges Mehl zu haben (auch Instantmehl genannt), weil es im Gegensatz zu normalem Weizenmehl fast nicht verklumpt. Da man am Ende den Bisquitteig nur sehr vorsichtig rühren darf, um keine Luft zu verlieren, ist klumpendes Weizenmehl ein Konsistenzkiller, weil der gebackene Teig statt fluffig körnig wird.
Also Ärmel hoch und los geht's: Ofen auf 175 Grad vorheizen und ein mit Backpapier belegtes Backblech bereitlegen. Puderzucker sieben und mit EyGelb, Gewürzen und Flüssigkeit verrühren. Mit dem Schneebesen die EyGelb-Klümpchen zerschlagen. In einer frischen Schüssel EyWeiß und Wasser aufschlagen – bei mir hat das mehrere Minuten gedauert und ist auch nicht ganz fest geworden: beim Kippen der Schüssel fing es noch langsam an sich mitzubewegen. Mehl und EyWeiß-Schaum auf die EyGelb-Masse geben und vorsichtig unterheben, bis der Teig einigermaßen gleichmäßig hellgelb wird – nach meiner Erfahrung lässt es sich schlechter mischen als beim Original; deshalb habe ich wahrscheinlich auch etwas mehr Luft rausgerührt. Den zähflüssigen Teig vorsichtig auf dem Backblech verstreichen – gleichmäßig bis in alle Ecken und Kanten. Und sofort rein damit in den Ofen. Küchenuhr auf 20 Minuten stellen.
Während des Backens einen großen Teil der Arbeitsplatte saubermachen, Omas bestes Geschirrtuch darauf ausbreiten und dünn mit Zucker bestreuen. Ein längliches Behältnis bereitstellen, das etwas länger ist als euer Blech breit – z.B. eine große Tupperdose oder eine Aufschnittplatte mit leicht hochgezogenem Rand. Marmelade schön weich rühren und bei Bedarf durchs Sieb rühren (ich mag Himbeermarmelade wirklich sehr, aber die harten Kerne stören einfach das "Mundgefühl" der weichen Bisquitrolle :)). Erdbeermarmelade mit extra viel Fruchtanteil (z.B. von Zwergenwiese) macht sich vorzüglich darauf.
Wenn die Küchenuhr klingelt, mit Stricknadel oder Messer probieren, ob die Teigplatte durch ist (wenn nichts dran kleben bleibt); sonst noch 5 Minuten im Ofen lassen. Wenn der Teig fertig gebacken ist, tief durchatmen, denn jetzt heißt es schnell sein: Ofen auf, Teigplatte raus und auf das bestreute Geschirrtuch stürzen. Blech zur Seite legen, Backpapier von der Teigplatte abziehen. Die ganze Platte mit Marmelade bestreichen und sofort von einer schmalen Seite aus aufrollen (das Geschirrtuch kann zur Hilfe genommen werden, wenn der Teig zu heiß zum Anfassen ist). Die fertige Rolle vorsichtig in/auf das Behältnis transferieren; dabei auf das aufgerollte Ende legen und gegen den Rand des Behältnisses lehnen, damit freche Ding nicht etwa auf die Idee kommt, sich wieder ausrollen zu wollen.
Während alles auskühlt, das Massaker in der Küche beseitigen (rote Marmeladeflecken, o-oh!). Dann die Rolle mit Puderzucker bestäuben und servieren.
(Ja ja, dieses Bild ist vom ersten Versuch, und der war kurz vor Ostern! ;-)
Wenn ihr es schafft (ich weiß, es ist schwer), dann wartet mit dem Anschneiden einen halben Tag – dann ist die Rolle durch die Marmelade ein bisschen weicher geworden und lässt sich deutlich besser schneiden ohne zu zerreißen.
Und das war der Zustand der Bisquitrolle ein paar Minuten nach dem Zeitpunkt des Anschneidens, welcher zufällig ziemlich genau mit demjenigen Zeitpunkt zusammenfiel, zu dem meine geliebte Göttergattin nach der Vollendung meines Backwerks wieder Zutritt zur Küche bekam. ;-]