Um 1960
Gefriergemeinschaften
Beim Eisessen mit der Verwandtschaft kommt das Gespräch auf Kühltechnik.
Gretel C: Wir hatten früher auch eine Gemeinschaftsanlage. Da hat niemand eine Gefriertruhe gehabt. Die war oben im Salzstadel. Das haben alle Orte gehabt, eine gemeinsame Gefrieranlage.
Dieses Haus habe ich im Herbst 2022 im hessischen Rabenau fotografiert. Es ist keins der Gebäude, von denen die Verwandtschaft erzählt, sondern dient hier nur der Illustration. Die abgebildete Gefrieranlage wurde Ende 2008 abgeschaltet.
Detail aus dem oberen Foto
Kathrin: Wann war das ungefähr?
Gretel: Wie wir hergezogen sind, hat’s immer noch eine gemeinschaftliche Gefrieranlage in W. gegeben und in H. gegeben, da hat niemand eine Gefriertruhe gehabt. Bestenfalls noch einen Kühlschrank, das war aber auch schon der Gipfel des Wohlstands.
Trudi P.: Den Frigo hat’s gegeben in der Schweiz, das Kasterl, das draußen hängt, also in den Skiorten überall.
Franziska Nyffenegger und Lukas Imhof, die Schweiz-Fachleute des Techniktagebuchs, können dieser Beschreibung nicht direkt einen Gegenstand zuordnen. Ich werde bei Gelegenheit Näheres erfragen.
Werner C.: Im Salzstadel waren zwei Kühlräume eingerichtet, und da hat die Gemeinde ...
Kathrin: Da hat man ein Fach gemietet?
Gretel: Na die Bauern, wenn du eine Kuh schlachtest, dann hast du ja einen Haufen Fleisch.
Kathrin: Wie groß war das Fach, das man da hatte?
Gretel: Frag mich was Leichteres.
Kathrin: Also ihr hattet keins?
Gretel: Das bisserl Fleisch, was wir gehabt haben.
Kathrin: Also es war was, was nur die Bauern für Schlachtung und so genutzt haben. Und konnte man da dann jederzeit wieder rein?
Werner: Da hatte glaub ich jeder einen Schlüssel. Zu jeder Zeit konnte jeder rein.
Kathrin: Und wann war das ungefähr?
Werner: Nach dem Krieg.
"1958 zählte man in der Bundesrepublik Deutschland etwa 5.500 Gemeinschaftsgefrieranlagen mit circa 207.000 Fächern.” (Wikipedia: Gefriergemeinschaft)
Kathrin: Was war der Salzstadel überhaupt?
Werner: Das große Gebäude links von der Straße. Zufällig war das Gebäude frei und da ist das unten eingebaut worden. In anderen Dörfern war das irgendwo in irgendeinen Stall eingebaut.
Kathrin: Und wann ist das wieder aus der Mode gekommen?
Werner: Mit den Kühlschränken, ganz einfach. Da kamen dann die Kühlschränke ... Ende der 50er Jahre.
Gretel: Auf Campingplätzen hat’s auch Gefrierfächer gegeben.
Kathrin: Ja, vom Campingplatz her kenn ich das.
Trudi: Das war eine große Gefriertruhe, und da hat man kleine Gefriereinheiten reingetan und die dann wieder ins Zelt mitgenommen, um das Zeug zu kühlen.
Richard K.: Also wir sind jeden Morgen zur Brauerei zu einer festen Zeit, da gab’s so ein Ausgabefach, das hat furchtbar gerumpelt, und dann kam ein Haufen Eis raus.
Trudi: Das war bei uns auch noch in H. am Anfang.
Gretel: Für die Eismaschin, das hat man auch geholt bei den Stellagen, wo sie Eis gemacht haben, im Bad* ... und die hat man nachher geholt, die hat man in die Maschin, rühren, rühren, stundenlang rühren, hast ein Eis gehabt. Das war der Höhepunkt des Sommers.
* Das alte Freibad von H. war der von der örtlichen Brauerei angelegte Teich, aus dem man im Winter Eis für die Bierkühlung gewann, mehr dazu unter de.wikipedia.org/wiki/Eiswerk. Die Stellagen waren Holzgestelle, über die Wasser geleitet wurde, siehe de.wikipedia.org/wiki/Eisgalgen.
Richard: Das hatten wir auch, so ein Rührfaß und außenrum kamen Eisbrocken und Salz rein.
Dieses Gespräch musste stark überarbeitet und kondensiert werden, vor allem handelte es nämlich vom Eisessen. Das verzehrte Eis stammt aus dem Gefrierschrank im Keller, einem Elektrogerät mit Schubladen, das dort vermutlich seit den 1980er Jahren steht.
Werner: Und jetzt möcht ich endlich ein Lob, dass ich euch so ein gutes Eis serviert hab.
Kathrin: Genauso gut wie gestern.
Trudi: Aber meine Zähne frieren mehr als gestern.
Werner (zufrieden): Ich hab keine eigenen mehr, das überträgt sich nicht.
(Aufgezeichnet von Kathrin Passig im Sommer 2022)












