Um 1980, aber schon seit Mitte der 50er Jahre (ungefähr)
Selbstgemachtes Eis ohne Rücksicht auf Verluste
Im Sommer 2021 berichte ich meiner Mutter von der Eismaschine von Angela Leinen. Diese Eismaschine ist ein rechteckiges Gerät, etwas kleiner als eine Mikrowelle, das auf der Küchenablage steht und seine eigene Kälte rund um einen kleinen Metalltopf herum erzeugt. Fassungsvermögen etwa ein Liter.
“Wir hatten auch eine Eismaschine daheim”, sagt die Mutter. “Ich weiß”, sage ich, denn dieselbe Eismaschine war in den 1970er und vielleicht sogar 1980er Jahren noch gelegentlich in Betrieb. In meiner Erinnerung wurde damit ausschließlich Vanilleeis hergestellt, und zwar aus einem “Eispulver”, das vermutlich aus Vanillearoma und Zucker bestand. Das Eis schmeckte sehr gut und ganz anders als handelsübliches Vanilleeis. Es enthielt ein interessantes Knirsch-Element, entweder Zucker- oder Wasserkristalle. Die Eismaschine sah so ähnlich aus wie eine Guglhupf-Backform und wurde in den Gefrierschrank gestellt. Die Tür des Gefrierschranks blieb mehrere Stunden lang einen Spalt offen stehen, wegen des Kabels, das zur Eismaschine führte.
Das ist nicht die Eismaschine der Großmutter, aber ungefähr so sah sie aus. Quelle: Wikipedia, fr:Utilisateur:Jmpoure, Sorbetière, CC BY-SA 1.0
Meine Mutter berichtet, diese Eismaschine sei etwa zeitgleich mit dem ersten Gefrierschrank beim Umzug ins eigene Haus Mitte der 1950er Jahre angeschafft worden. Man habe damals zwar schon Tüterl-Eis beim Bäcker kaufen können, der es selbst hergestellt habe. Grund für den Kauf der Eismaschine sei vermutlich die Preisersparnis bei fünf Kindern gewesen. Ob diese Ersparnis real war oder nur ein Posten aus dem Haushaltsgeld der Mutter in die Stromrechnung des Vaters verschoben wurde, weiß ich nicht, vielleicht war Eis damals relativ zum Einkommen sehr teuer (1 Kugel 10 Pfennig laut Auskunft der Mutter, das entspricht 5 Cent) und Strom sehr billig? “Das waren immer tolle Anlässe, wenn Eis gemacht wurde, ein ganz besonderes Ereignis.”
Update: Die ältere Schwester der Mutter ergänzt, dass das bereits die neue Eismaschine war. Vorher gab es im Großmutterhaushalt eine hölzerne mit einer Handkurbel, so sah sie aus.
(Kathrin Passig)













