20. Juli 2017
Elefanden-Warnungen
Nachdem ich jetzt zum dritten Mal dienstlich in Israel bin, möchte ich endlich etwas vom Land sehen, und verlängere den Aufenthalt auf eigene Kosten um zwei Tage mit einer Hotelbuchung in der Altstadt von Jerusalem. Da Roaming außerhalb der EU immer noch eine unglaubliche Menge Geld kostet (hier 3 Euro für 6 MB), und die am Flughafen erhältlichen SIM-Karten erst bei 45€ anfangen, habe ich im Vorfeld eine internationale SIM-Karte gekauft, die man tage- und länderweise aufladen kann. Pflichtbewusst (oder feige) habe ich mich auch bei “Elefand” registriert, der “Elektronische Erfassung Auslandsdeutscher” des Auswärtigen Amtes.
Am vorletzten “beruflichen” Tag kommt dann vormittags eine Mail des Reisedienstleisters des Arbeitgebers rein, die für das Wochenende von Besuchen von Teilen der Altstadt Jerusalems abrät. Nachmittags kommt dann eine Mail vom Auswärtigen Amt mit Betreff “Elektronische Deutschenliste”, die in 400 Worten unmissverständlich rät
Rechnen Sie daher mit erhöhter Präsenz von Sicherheitskräften, verstärkten Kontrollen und ggf. Zutrittsbeschränkungen zur Altstadt insbesondere am Freitag und meiden Sie nach Möglichkeit bis auf Weiteres die Umgebung des Tempelbergs / Haram al-Sharif und das muslimische Viertel der Altstadt sowie die Umgebung des Damaskustors, des Herodes- und des Löwentors.
Darauf beschließe ich, für den nächsten Tag nach Tel Aviv umzubuchen. Ich suche mir in der Kaffeepause einen Raum im (sehr abgelegenen) Konferenzort, der halbwegs Internet hat, und finde und buche ein neues Hotel. Danach storniere ich auf der Webseite per Buchungsnummer und PIN das ursprüngliche Hotel, und bitte mit Hinweis auf die Warnung des Auswärtigen Amts um Erlass der 80€ Buchungsgebühren. Ich suche mir eine Bahnverbindung (im Gegensatz zum Vorjahr muss ich dafür nicht einmal Google Translate bemühen, die lokale Bahngesellschaft bietet jetzt auch eine englische Webseite an), und gehe zur nächsten Session der Konferenz.
Tags drauf bestätigt mir erst das Hotel den Erlass der Stornogebühren, und dann das Buchungsportal die Stornierung. Der Fahrkartenautomat am Bahnhof nimmt Kreditkarte, ohne zu murren (und kann Englisch), das Hotel finde ich zu Fuß per Google Maps-Navigation (die allerdings ca. 10 Baustellen in der pulsierenden Stadt zurückliegt). Mündlich kommuniziere ich bei der ganzen Aktion das erste Mal beim Einchecken im Hotel.
Und einmal in der Stadt angekommen komme ich per Fahrrad herum – an automatischen Ausleihstationen kann man sich per Kreditkarte registrieren, zahlt ca. 14 Euro für drei Tage, und kann dann jeweils eine halbe Stunde von Station zu Station umsonst radfahren – als Identifizierung reicht die Kreditkarte und eine selbst festgelegte PIN.
Lediglich die Schließfächer am Strand brauchen noch Münzen.
(Gregor Leusch)















