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"But a bond is a bond. And when you’re young and haven’t yet learned to live in your own solitude, even a destructive bond can seem better than none."
North of Boston by Elisabeth Elo
Elisabeth Elo: Die Frau, die nie fror
Halb Krimi, halb Roman. Leider nichts Halbes und nichts Ganzes.
Pirio hat nicht nur Riesenglück, sie ist auch ein biologisches Wunder. Als ein Schiff in die „Molly Jones“, den kleinen Hummerkutter, kracht, kann sich Pirio retten, während Ned, der Kapitän und Vater ihres Patenkindes Noah, mit dem Boot untergeht. Pirio treibt stundenlang in eiskaltem Wasser, ohne zu sterben. Das ist nicht nur eine Wahnsinnsstory für die Bostoner Zeitungen, auch die Navy hat Interesse an der Überlebenskunst der jungen Frau.
Doch statt sich als Versuchskaninchen zur Verfügung zu stellen, möchte Pirio herausfinden, wer hinter dem Unglück steckt und sich dann einfach aus dem Staub gemacht hat. Schon für Noah und dessen Mutter Thomasina, ihre beste Freundin, muss sie die Schuldigen finden. Auf Neds Beerdigung stellt Pirio allerdings fest, dass sie nicht die Einzige ist, die Interesse daran hat – und dann gibt es noch die, die wiederum überhaupt kein Interesse an der Wahrheit haben.
Nach einigem Zögern und brisanten Informationen von Mrs. Smith, der ehemaligen Sekretärin des Fischereibetriebs, für den Ned gearbeitet hat, schließt sich Pirio den Recherchen des Journalisten Russel Parnell an. Anscheinend ging in diesem Fischereibetrieb nicht alles mit rechten Dingen zu. Dazu gehörte auch, dass die Sea Wolf, eines der Schiffe, immer mit extrem wenig Fang zurückkam. Dennoch hat jedes Besatzungsmitglied eine enorme Prämie für jede Fahrt erhalten. Schweigegeld? Ebenso wie Neds Hummerkutter, den er vom Unternehmen nach seinem Ausstieg geschenkt bekam? Schnell führt die Spur zu Bob Jaeger, dem Chef eines Riesenkonzerns, der für wilde, illegale Safaris bekannt ist. Um herauszufinden, was auf der Sea Wolf wirklich vorgeht, heuert Pirio über einen falschen Freund für die nächste Fahrt an. Mit etwas Glück (und dem Vermögen ihres Vaters) überlebt sie den Schlägertrupp von Jaeger, der weiß, warum Pirio an Bord ist. Mitten in der Baffin Bay geht sie von Bord und landet nach einigen Irrwegen in Hopedale, dem früheren Ferienort von Pirio und ihrer Mutter. Mithilfe von alten Freunden kann sie Parnell benachrichtigen und sie nehmen gemeinsam erneut die Fährte von Jaeger auf. In einer kleinen Bucht stoßen sie auf Jaeger und seine Kumpanen, die gerade dabei sind, Hunderte Narwale brutal zu ermorden, um deren Stoßzähne zu erbeuten.
Zurück in Boston, erwarten Pirio gute und schlechte Neuigkeiten. Ihr Vater liegt nach wie vor im Sterben, aber immerhin ist Thomasina seit 18 Tagen trocken. Parnell scheint der Traummann für Pirio zu sein und die Walmörder werden dingfest gemacht – nur passt das deren Lakaien gar nicht. Johnny, der Pirio auf die Sea Wolf gelotst hat, hält nun Parnell gefangen und bekommt dadurch auch Pirio in seine Fänge. Nach dem Motto „Wie du mir, so ich dir“ erschießt Pirio Johnny jedoch und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende.
Die Autorin sagte in einem Interview, sie hat dieses Buch geschrieben, weil ihr kluge Abenteuergeschichten in der Literatur fehlen. Allerdings fürchte ich, dieses Buch schließt die vermeintliche Lücke nicht gerade.
„Die Frau, die nie fror“ ist ohne Frage gut geschriebene, nette Unterhaltung. Pirio ist eine sympathische, witzige Protagonistin und auch die anderen Figuren haben interessante Hintergründe und Tiefe. Die Story hingegen ist aberwitzig und unrealistisch, um nicht zu sagen extrem konstruiert. Um als Krimi durchzugehen, ist die Handlung zu weitschweifig, ein reiner Roman ist es aber auch nicht. Die Lösung des eigentlichen Geheimnisses, nämlich warum der Hummerkutter von Ned gerammt wurde, wird ganz lapidar in einem Nebensatz erwähnt. An einigen Stellen wirkt es, als hätte sich die Story in verrannt, weil sie zu viel wollte. Pirio ist nicht nur hochintelligent, wunderschön und eine reiche Erbin, sondern natürlich auch noch ein biologisches Wunder. Das muss sie allerdings auch sein, um den Walen später in der Bucht das Leben zu retten. Ich weiß nicht, wie viele Menschen es gibt, die sich in wenige Grad kaltes Wasser stürzen, in dem Hunderte blutige Walkadaver schwimmen. Das erscheint doch leicht übertrieben. Die Sprache ist Standard, auch leider nichts Besonderes.
Aber wie gesagt, nette Unterhaltung für alle, die nicht allzu hohe Ansprüche an einen schlüssigen Plot haben. Und ein halbes Extrasternchen gibt es für den tollen, veredelten Schutzumschlag – immerhin ist es etwas fürs Auge.
Zur Autorin: Elisabeth Elo (* 1956) unterrichtete Creative Writing in Harvard, Tufts und an der Abendschule des Boston College – sie weiß also, wie es geht. „Die Frau, die nie fror“ ist ihr Debüt. Der nächste Roman ist schon in Arbeit.
Zu den Übersetzern: Kathrin Bielfeldt und Jürgen Bürger sind ein Kölner Übersetzerduo, spezialisiert auf Krimis und seit 30 Jahren erfolgreich, wie mehrere Auszeichnungen beweisen.
Neuer Regalbewohner | Elisabeth Elo: North of Boston