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Emil Hakl: Regeln des lächerlichen Benehmens
Ich wage zu behaupten, dass ich sehr selten, vielleicht niemals, ein Buch so schwer einschätzen konnte wie dieses. Es polarisiert, ganz klar, nicht nur die gesamte Lesermenge, sondern vermutlich sogar jeden einzelnen Leser.
Nachdem ich den Schock über die Hässlichkeit der Welt dieses Buches, das einfach nur in Osteuropa, hauptsächlich in Prag, spielt, überwunden hatte, konnte ich mich auf die sehr bildliche, stark in Metaphern beschreibende Sprache von Emil Hakl einlassen. Das hat das Lesen zwar noch nicht zu einem Vergnügen gemacht, aber immerhin hat es Neugierde geschürt, auch auf die total unmenschlichen Figuren. Unmenschlich nicht im Sinne von böse oder dämonisch, sondern irrational bis ins Kleinste und schlichtweg nicht normal. Sie agieren in bestimmten Situationen nicht nur nicht so, wie es Bruttonormalverbraucher erwarten würde, sondern wie es einfach kein Mensch tun würde – hoffe ich zumindest. Die Dialoge sind zum Teil absurd, vor allem, wenn sich die Männer nur noch in gutturalen Lauten verständigen, das Frauenbild aberwitzig (alles hinterhältige Schlampen), aber auch die Männer kommen nicht besser dabei weg – sie sind Versager, die ihr Leben nicht auf die Reihe kriegen, die ihre Kinder vernachlässigen, keinen Job finden, sich hängen lassen. Aber immerhin wissen sie das, prahlen nicht damit, sondern – ja, ich gehe zu weit zu sagen, dass sie darunter leiden. Nur kennen sie den Ausweg nicht und sind auch zu bequem, um um mehr zu kämpfen.
Die Welt in „Regeln des lächerlichen Benehmens“ ist schon brechtwürdig hässlich. Auf einer Bootstour am Ende des Buches gibt es überall nur Fischkadaver, tote Mäuse, brutale Insekten, Seerosen werden zur Todesfalle, ein kleiner Badeausflug im See endet mit Blutegeln, Melonen werden zu Cholera. Die Männer nehmen ungerührt zur Kenntnis, dass inmitten ländlicher Idylle eine Frau vergewaltigt wird …
Während Hakl manchmal mit literarischen Plattitüden aufwartet à la Fiktion = Geschichten = Lüge, gibt es an anderen Stellen Sätze, die das Buch dann doch noch gut machen, die zeigen, wie genau Hakl die Welt beobachtet und wie treffend er sie in Worte kleiden kann.
„Unterhalb davon Massen kreisender Fallschirme und Gleitschirme und sonstige Flatterteile mit menschlichen Egos im Anhang.“
„Geschichten sind keine Überraschung. Die Überraschung ist, dass Geschichten im normalen Leben nicht geschehen.“
In diesem Falle werde ich gerne überrascht, die Geschichte dieses Buches kann gern dort bleiben, die nichtsnutzigen Figuren ebenfalls und eine solche Bootstour möchte ich um Himmels Willen nie erleben. Aber die Sprache Hakls überzeugt, mehr als das.
Ich traue mich nicht, eine Leseempfehlung auszusprechen, abraten mag ich aber auch nicht. Wenn es jemand liest, meldet euch doch mal und sagt mir, was ihr darüber denkt.
Zum Autor: Emil Hakl (* 1958 in Prag), eigentlich Jan Beneš, arbeitete als Werbetexter, Redakteur und Journalist. Seit 1991 schreibt er unter seinem Pseudonym Emil Hakl Gedichte, veröffentlicht aber seit 2001 hauptsächlich Prosa. 2010 erhielt er für „Regeln des lächerlichen Benehmens“, das erst 2013 in deutscher Sprache erschien, den Josef Škvorecký Preis. Sein Buch „Treffpunkt Pinguinhaus: Spaziergänge mit dem Vater“ (2010) wurde verfilmt und mit dem tschechischen Literaturpreis Magnesia Litera ausgezeichnet.
Zum Übersetzer: Mirko Kraetsch (* 1971 in Dresden) arbeitet seit 2000 als freiberuflicher Übersetzer aus dem Tschechischen und Slowakischen.
Gregor Sander: Was gewesen wäre
Mehr Indikativ als Konjunktiv.
Als Teenager verliebt sich Astrid Hals über Kopf in Julius und er in sie. Doch dann ist plötzlich Schluss und Astrid sitzt allein in Neubrandenburg, während Julius seinen Dienst in der JVA verrichtet, damit er danach studieren kann. Auf dem Land verliert man sich jedoch nicht so schnell aus den Augen, sie treffen sich immer wieder auf Partys und in Diskos – und merken, da brodelt noch etwas. Erst als Julius aus der DDR flieht, ist die Beziehung wirklich vorbei. Julius eröffnet mit seinem Bruder Sascha eine Galerie in Hamburg, Astrid heiratet Tobias und studiert Medizin. 20 Jahre später ist die Mauer lange gefallen, Astrid Kardiologin, von Tobias geschieden und mit Paul zusammen, der ihr einen Trip nach Budapest zum Geburtstag schenkt, wo Astrid eigentlich gar nicht hinwill.
Erst als sie dort tatsächlich auf Julius trifft und Paul die ganze Odyssee ihrer Beziehung zu ihm schildert, versteht Paul, wieso. Als jedoch Julius bei seinem Wiedertreffen mit Astrid wortlos verschwindet, schwant dem Leser, dass er doch noch nicht die ganze Geschichte kennt, obwohl die Geschehnisse der Gegenwart und der Vergangenheit parallel zueinander geschildert werden. Wie also ist diese Beziehung wirklich geendet?
Eine Schlüsselrolle spielt Jana, Astrid frühere beste Freundin. Es grenzt an ein Wunder, dass Astrid zwei Wochen Westurlaub bekommt, die sie bei Jana in Westberlin verbringt. Als Jana ihr von dem Plan berichtet, Julius in den Westen zu holen, kann Astrid nichts mehr tun, um das Ganze aufzuhalten. Also flieht Julius unter Lebensgefahr über Jugoslawien in die BRD. Doch als er dort ankommt, wo er Astrid zu treffen hofft, ist diese schon wieder zurück in die DDR gereist. Die Enttäuschung und die Wut darüber bewegen Julius auch 2 Jahrzehnte später noch. Dabei hat sich längst herausgestellt – auch für Julius –, dass Astrid nichts mit diesem Plan zu tun hatte und die DDR Astrids Westurlaub nur deswegen erlaubte, um endlich Julius‘ Mutter Katharina, eine unbequeme Künstlerin, aus dem Land zu kriegen – und Jana hat die Strippen gezogen. Mit Julius im Westen sollte auch Katharina gehen, was sie nicht tat, stattdessen landete sie im Frauengefängnis.
Gregor Sanders zweiter Roman ist eine kurze, schnörkellose, sprachlich solide Story über die Ränkespiele der DDR. Die Stasi benutzte Menschen wie Marionetten, ohne Rücksicht darauf, wie viele Menschen und Schicksale sie dabei zerstören. Dabei steht Julius‘ und Astrids Geschichte zwar im Vordergrund, aber nur, um an ihnen die Hintergründe deutlich zu machen. Der Titel führt etwas in die Irre, denn es geht nicht darum, was gewesen wäre oder hätte sein können. Es geht eindeutig darum, was gewesen und wie blöd das gelaufen ist. Nichts davon konnten ausgerechnet die beiden, die von nichts eine Ahnung hatten, beeinflussen.
Zum Autor: Gregor Sander (* 1968 in Schwerin) begann verschiedene Ausbildungen und Studiengänge, bevor er seine Berufung zum Autor entdeckte. Heute lebt er als solcher in Berlin. Er veröffentlichte bisher zwei Romane und zwei Erzählbände. Für „Winterfisch“ erhielt er den 3Sat-Preis des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs, den Preis der LiteraTour Nord und zuletzt 2013 den Deutschen Erzählerpreis. „Was gewesen wäre“ ist seine neueste Veröffentlichung.
Zitat des Monats Auflösung April
Diese wunderbare Poesie in Romanform kann nur von einem stammen: Paul Harding. Sein Debütroman „Tinkers“ wurde nach jahrelanger Erfolglosigkeit plötzlich mit Preisen überschüttet und erhielt 2010 sogar den Pulitzerpreis. Zu Recht, denn „Tinkers“ wartet nicht nur mit einer mitreißenden Story auf, sondern ist auch sprachlich beeindruckend und einmalig.
„Was, wenn es klar ist und der Himmel so randvoll von Sternen, dass das Licht auf die Erde überläuft und sich am Ufer in leuchtende weiße Blumen verwandelt, die funkeln und in dem Moment spurlos zerstieben, wenn der Planet am tiefsten Meridian der Nacht vorbeizieht und sich wieder zur Sonne dreht?"
In Koli Jean Bofane: Sinusbögen überm Kongo
Von blutigen Stammeskämpfen bis hin zum turbulenten, bunten Großstadtleben hat der Kongo alles zu bieten, was man von außen erwartet, sowohl Positives als auch Negatives.
Der Junge Celio verliert seine Eltern während Revierkämpfen und wächst als Waise in einem christlichen Kinderheim auf. Alles, was ihm von seinem Vater bleibt, ist dessen Mathematikbuch, in das er sich in einsamen Stunden vertieft und das ihm später durchs Leben hilft. So unterstützt er arme Nachbarn nicht nur bei deren Behördengängen und sammelt Gelder für karitative Zwecke, sondern steigt eines Tages im Kommunikations- und Planungsbüro der Regierung ein. Dort soll er Maßnahmen und Projekte planen, die den Präsidenten stützen, die Opposition aber stürzen.
Kann Celio sein Gewissen anfangs noch zähmen, wird es mit der Zeit immer schwieriger, seine Taten zu rechtfertigen, besonders als seine Pläne erste Opfer fordern. Erst als Celio erfährt, dass sein Chef Tshilombo am Tod seines Freundes Baestro schuld ist, kann er die Reißleine ziehen und sich nicht nur von seiner Eitelkeit und seinen egoistischen Träumen befreien, sondern auch gleich den korrupten, machtbesessenen und skrupellosen Tshilombo öffentlich diffamieren.
„Sinusbögen überm Kongo“ vom kongolesischen Autor In Koli Jean Bofane thematisiert den Kampf der Menschen um ihr Recht – und wie lang und hart und entbehrungsreich dieser Kampf sein kann und in der Realität meist auch ist. Nach der grausamen Kolonialherrschaft Belgiens, die bis 1960 andauerte, Diktatorenherrschaft, Bürgerkriegen, Misswirtschaft und Ausbeutung zählt Kongo-Kinshasa (ehemals Zaire) heute zu den ärmsten Ländern der Welt. Darum lauert das Monster Hunger überall – unter der Asche im Feuer von Mutter Bokeke, in den Mägen der Schulkinder, in jedem Winkel. Die einzige Möglichkeit, dem zu entkommen, sieht das Volk in freien Wahlen, die es herbeisehnt und die ihm doch immer wieder verwehrt werden.
Dieses Buch schildert auf teils satirische Art und Weise das Leben im Kongo. Dort gibt es ebenso junge, moderne Menschen wie hier, Frauen müssen sich noch beweisen in der männlich dominierten Berufswelt, Mode und Musik spielen eine große Rolle, aber auch Mystik und Zauberer, die das Gegengewicht zur westlichen Moderne darstellen. Aberglaube ist dort ein ebenso großer Bestandteil des Lebens wie Mathematik. Viele Figuren sind Stereotypen, besonders die Frauen, und der Umgang mit Ausländern zeigt, wie ironisch Bofane mit den Erwartungen der Leser an Schwarzafrika spielt. Das Ende wünscht sich auch ein bisschen Utopie herbei, denn freie, offene und faire Wahlen hat es im Kongo noch nie gegeben, und insgesamt rückt dieses Buch uns deutschen Lesern den Kopf zurecht.
Zum Autor: In Koli Jean Bofane (* 1954 in Mbandaka, Kongo-Kinshasa) studierte Kommunikationswissenschaften und arbeitete lange in der Werbebranche. Anschließend gründete er seinen eigenen Verlag für Comics und Essays. Nach vorherigen, zum Teil längeren Aufenthalten in Europa flüchtete er 1993 vor dem Bürgerkrieg und der staatlichen Zensur nach Belgien. Dort begann er selbst zu schreiben und schuf einige preisgekrönte und in dutzende Sprachen übersetzte Werke. „Sinusbögen überm Kongo“ wurde mit dem Prix Jean Muno (2008) sowie mit dem Prix littéraire de la SCAM (2009) und dem Grand Prix littéraire de l'Afrique noire (2009) ausgezeichnet.
Zur Übersetzerin: Katja Meintel (*1975) studierte Romanistik, Ethnologie und Germanistik. Sie übersetzt u. a. Abdourahman A. Waberi, Patrick Pécherot und Bessa Myftiu.
Zu Ostern mal eine etwas andere Buchvorstellung: Die niedrigen Himmel von Anthony Marra. Viel Spaß und frohe Ostern!
Vladimir Pištalo: „Millennium in Belgrad“
Schonungslos und brutal, ironisch und bitter, vielseitig und faszinierend!
Obwohl es eine Weile her ist, dass ich dieses Buch gelesen habe, möchte ich es euch dringend ans Herz legen: „Millennium in Belgrad“ vom serbischen Erfolgsautor Vladimir Pištalo. Die Frage nach Identität ist die alles bewegende, das Herzstück seiner Literatur. Zugleich prophetisch und brandaktuell.
Nicht weiter überraschend ist wohl, dass es in diesem Roman um Belgrad geht, um die Stadt zwischen 1980 – nach Titos Tod – und 2000. Das Millenniumsjahr 2000 markiert die Hoffnung auf dem langen Weg in die Zukunft, nun ist alles möglich. Wir erleben Belgrad mit all seinen Wünschen, Ängsten und Träumen – jawohl – mit den Augen Milans, eines Jungen, der kurz vorm Erwachsenwerden steht, genauso wie die jugoslawische Gesellschaft kurz vor der Eigenständigkeit steht, verwirrt und erwartungsvoll. Da wird dann festgestellt, wie weich, verlockend und erfreulich Damenunterwäsche sein kann – genauso wie der Kapitalismus nach Marx. Immer wieder geht es auch um Faschismus, Krieg, Täter und Opfer, um das „Balkanvolk“, das verblendet war.
In all diesen Wirren der Geschichte bieten nur Familie und Freunde wirklich Halt. Jeder Einzelne steht für eine andere Version der Gegenwart, für eine andere Auffassung der Realität. Jeder von ihnen ist ein Stück Belgrad, dem Pištalo auf der Spur ist. So wird der Stadt eine Seele verliehen, eine eigene Identität. Und so ist es möglich, dass die Stadt selbst zur Sprache kommt, was den eigentlichen Reiz des Buches ausmacht. In einem Interview äußert sich Belgrad zu seiner Geschichte, die Träume der Stadt werden erzählt, es gibt Lexikoneinträge, Erzählungen und Liebesbriefe. Jedem Kapitel mit seinen Themen wird eine eigene Ausdrucksform verliehen. Neben der Direktheit und Konkretheit von Pištalo Schilderungen stehen abstrakte, fast prophetische Passagen, die die brutale Realität verrätseln. Die Leser erwartet ein vielschichtiges, formenreiches Sprachkunstwerk, perfekt dazu geeignet, die komplizierten Gefühle frisch gebackener Weltenbürger auszudrücken.
Zum Autor: Vladimir Pištalo (* 1960 in Serbien) hat in Belgrad Jura studiert und lehrt heute US-amerikanische und Weltgeschichte am Becker College in Massachusetts. Er promovierte an der University of New Hampshire zum Thema Identität serbischer Immigranten, er weiß also, wovon er in seinen Romanen schreibt. Nach einigen Kurzgeschichtensammlungen veröffentlichte er schon im Jahr 2000 „Millennium in Belgrad“, das erst zehn Jahre später ins Deutsche übersetzt wurde. 2008 wurde er mit dem NIN Preis ausgezeichnet, dem bedeutendsten serbischen Literaturpreis für Romane.
Zum Übersetzer: Dr. Brigitte Döbert (* 1959) studierte Philosophie, Afrikanistik, Germanistik und Buchwesen in Mainz, verbrachte mehrere Forschungssemester in Belgrad und Zagreb und ist heute als freie Lektorin, Autorin und Übersetzerin tätig.
Elisabeth Elo: Die Frau, die nie fror
Halb Krimi, halb Roman. Leider nichts Halbes und nichts Ganzes.
Pirio hat nicht nur Riesenglück, sie ist auch ein biologisches Wunder. Als ein Schiff in die „Molly Jones“, den kleinen Hummerkutter, kracht, kann sich Pirio retten, während Ned, der Kapitän und Vater ihres Patenkindes Noah, mit dem Boot untergeht. Pirio treibt stundenlang in eiskaltem Wasser, ohne zu sterben. Das ist nicht nur eine Wahnsinnsstory für die Bostoner Zeitungen, auch die Navy hat Interesse an der Überlebenskunst der jungen Frau.
Doch statt sich als Versuchskaninchen zur Verfügung zu stellen, möchte Pirio herausfinden, wer hinter dem Unglück steckt und sich dann einfach aus dem Staub gemacht hat. Schon für Noah und dessen Mutter Thomasina, ihre beste Freundin, muss sie die Schuldigen finden. Auf Neds Beerdigung stellt Pirio allerdings fest, dass sie nicht die Einzige ist, die Interesse daran hat – und dann gibt es noch die, die wiederum überhaupt kein Interesse an der Wahrheit haben.
Nach einigem Zögern und brisanten Informationen von Mrs. Smith, der ehemaligen Sekretärin des Fischereibetriebs, für den Ned gearbeitet hat, schließt sich Pirio den Recherchen des Journalisten Russel Parnell an. Anscheinend ging in diesem Fischereibetrieb nicht alles mit rechten Dingen zu. Dazu gehörte auch, dass die Sea Wolf, eines der Schiffe, immer mit extrem wenig Fang zurückkam. Dennoch hat jedes Besatzungsmitglied eine enorme Prämie für jede Fahrt erhalten. Schweigegeld? Ebenso wie Neds Hummerkutter, den er vom Unternehmen nach seinem Ausstieg geschenkt bekam? Schnell führt die Spur zu Bob Jaeger, dem Chef eines Riesenkonzerns, der für wilde, illegale Safaris bekannt ist. Um herauszufinden, was auf der Sea Wolf wirklich vorgeht, heuert Pirio über einen falschen Freund für die nächste Fahrt an. Mit etwas Glück (und dem Vermögen ihres Vaters) überlebt sie den Schlägertrupp von Jaeger, der weiß, warum Pirio an Bord ist. Mitten in der Baffin Bay geht sie von Bord und landet nach einigen Irrwegen in Hopedale, dem früheren Ferienort von Pirio und ihrer Mutter. Mithilfe von alten Freunden kann sie Parnell benachrichtigen und sie nehmen gemeinsam erneut die Fährte von Jaeger auf. In einer kleinen Bucht stoßen sie auf Jaeger und seine Kumpanen, die gerade dabei sind, Hunderte Narwale brutal zu ermorden, um deren Stoßzähne zu erbeuten.
Zurück in Boston, erwarten Pirio gute und schlechte Neuigkeiten. Ihr Vater liegt nach wie vor im Sterben, aber immerhin ist Thomasina seit 18 Tagen trocken. Parnell scheint der Traummann für Pirio zu sein und die Walmörder werden dingfest gemacht – nur passt das deren Lakaien gar nicht. Johnny, der Pirio auf die Sea Wolf gelotst hat, hält nun Parnell gefangen und bekommt dadurch auch Pirio in seine Fänge. Nach dem Motto „Wie du mir, so ich dir“ erschießt Pirio Johnny jedoch und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende.
Die Autorin sagte in einem Interview, sie hat dieses Buch geschrieben, weil ihr kluge Abenteuergeschichten in der Literatur fehlen. Allerdings fürchte ich, dieses Buch schließt die vermeintliche Lücke nicht gerade.
„Die Frau, die nie fror“ ist ohne Frage gut geschriebene, nette Unterhaltung. Pirio ist eine sympathische, witzige Protagonistin und auch die anderen Figuren haben interessante Hintergründe und Tiefe. Die Story hingegen ist aberwitzig und unrealistisch, um nicht zu sagen extrem konstruiert. Um als Krimi durchzugehen, ist die Handlung zu weitschweifig, ein reiner Roman ist es aber auch nicht. Die Lösung des eigentlichen Geheimnisses, nämlich warum der Hummerkutter von Ned gerammt wurde, wird ganz lapidar in einem Nebensatz erwähnt. An einigen Stellen wirkt es, als hätte sich die Story in verrannt, weil sie zu viel wollte. Pirio ist nicht nur hochintelligent, wunderschön und eine reiche Erbin, sondern natürlich auch noch ein biologisches Wunder. Das muss sie allerdings auch sein, um den Walen später in der Bucht das Leben zu retten. Ich weiß nicht, wie viele Menschen es gibt, die sich in wenige Grad kaltes Wasser stürzen, in dem Hunderte blutige Walkadaver schwimmen. Das erscheint doch leicht übertrieben. Die Sprache ist Standard, auch leider nichts Besonderes.
Aber wie gesagt, nette Unterhaltung für alle, die nicht allzu hohe Ansprüche an einen schlüssigen Plot haben. Und ein halbes Extrasternchen gibt es für den tollen, veredelten Schutzumschlag – immerhin ist es etwas fürs Auge.
Zur Autorin: Elisabeth Elo (* 1956) unterrichtete Creative Writing in Harvard, Tufts und an der Abendschule des Boston College – sie weiß also, wie es geht. „Die Frau, die nie fror“ ist ihr Debüt. Der nächste Roman ist schon in Arbeit.
Zu den Übersetzern: Kathrin Bielfeldt und Jürgen Bürger sind ein Kölner Übersetzerduo, spezialisiert auf Krimis und seit 30 Jahren erfolgreich, wie mehrere Auszeichnungen beweisen.
Zitat des Monats Auflösung März
Es war wohl nicht schwer zu erraten, dass es in diesem Zitat um Romane geht. Helene Hanff (1916–1997), eine Drehbuchautorin und Lektorin aus New York, hatte kein Faible für dieses Genre. Stattdessen veröffentlichte sie autobiografische Texte. „84, Charing Cross Road“, das Buch, aus dem dieses Zitat stammt, ist eine Sammlung von Briefen zwischen Hanff und dem Londoner Antiquariatsbuchhändler Frank Doel. Ursprünglich wollte Hanff nur ein Buch bestellen, doch es entwickelte sich schnell eine Brieffreundschaft, die über 20 Jahre hinweg anhielt.
„Ich kann mich nicht für Dinge interessieren, die Leuten, die nie gelebt haben, nicht zugestoßen sind.“
Saša Stanišić: Vor dem Fest
Ich präsentiere: Den Preisträger der Leipziger Buchmesse, Sašaaaa Stanišić! Oder anders gesagt: ein fantastisches Buch, witzig, amüsant, kein bisschen anstrengend, einfach toll!
Genug der Lobeshymnen, kommen wir zur Handlung. Das Dörfchen Fürstenfelde bereitet sich auf das Fest vor (nein, nicht Weihnachten, sondern das Dorffest, das traditionelle Annenfest). In dieser Nacht ist einiges in Bewegung in den Straßen, Gassen, Häusern, im Wäldchen, sogar im See und auf dem Feld. Frau Kranz, passionierte Malerin und seit mehreren Jahrzehnten bildliche Chronistin des Dorflebens, möchte für die Festauktion das Dorf bei Nacht malen, nur ist sie nachtblind. Also möchte sie aus der Erinnerung malen, doch die Erinnerung lässt sich nicht betören.
„Sie möchte einmal nicht die Wirklichkeit gemalt haben, sondern etwas, das später wirklich geworden ist. Aber wie geht das? Sie möchte malen, was niemand weiß. Sie möchte das Böse malen in uns, aber wie geht das? Sie möchte das Durchhalten malen, aber wie geht das? Das Hindern, aber wie?“
Neben Ana Kranz gibt es noch eine Anna, die die Nacht durchstreift. Sie begegnet Herrn Schramm, der nicht sicher ist, ob er nur Zigaretten holen will oder sich gleich noch umbringen soll. Zuerst bringt er mal den Zigarettenautomaten um, weil der ihm keine Zigaretten geben möchte, aber auch danach weiß er nicht weiter. Anna aber weiß es: Sich umzubringen ist keine Lösung. Also bleibt sie bei ihm, auch als er den Feldhäcksler namens Mammut holt und den Zigarettenautomaten noch einmal umbringt. Umsonst ist das nicht: Er begegnet seiner großen Liebe wieder, Frau Mahlke, die ihm – endlich – eine Zigarette anbietet.
„Frau Mahlke hat um ihr kleines Übergewicht einen Seidenschal geworfen in goldgelb und blasslila und ihren 59 Jahren eine recht enge Hose übergezogen. Herr Schramm gab der Hose einen Blick, der klar verriet, dass Herr Schramm sich nicht sicher war, ob so eine enge Hose jetzt sein müssen, aber gut.“
Das klingt zugegebenermaßen unrealistisch, aber es gibt so Nächte, da geht so etwas. Wer kennt das nicht? Momente, in denen man seinen Verstand einfach mal vergessen möchte und die Dinge, die einem im Weg stehen, aus dem Weg räumen mochte, auch mit Gewalt, wenn nötig. Das sagt aber noch gar nichts über uns aus, das weiß auch Johann.
„Demografisch gesehen sollten meine Hobbys Ego-Shooter und rechtes Gedankengut sein. Beides ist aber gar nicht so geil.“
Dem stimme ich zu. Stattdessen widmet sich Johann seiner schwerdepressiven Mutter und den Glocken des Dorfs, denn am nächsten Tag, genau zur Mittagsstunde am Festtag, soll Johann seine Glöcknerprüfung ablegen, für die er extra eine Melodie komponiert hat. Vorher muss er aber aus dem gut gesicherten Archivraum des Hauses der Heimat entkommen, in den ihn seine Mutter geistesabwesend eingesperrt hat, und die Glocken finden. Statt ihren Sohn wieder rauszulassen, bedroht Frau Schwermuth nun Herrn Schramm und Anna mit einer Wasserpistole, was Anna so erschreckt, dass sie wiederum mit der echten Pistole, mit der Herr Schramm sich eigentlich umbringen wollte, zurück droht.
Nach dieser ereignisreichen Nacht, die glücklicherweise doch ohne Tote abläuft, feiern die Fürstenfelder am nächsten Tag ein tolles Fest.
In die Schilderung der Ereignisse dieser Nacht (ein wenig unrealistisch, ich gebe es zu, aber man sollte nie das Dorfleben unterschätzen) bindet Stanišić gekonnt historische Quellen ein: Gerichtsdokumente aus dem 16. und 17. Jahrhundert, Märchen aus der Uckermark, wo Fürstenfelde liegt, Geschichten und Legenden dieser Region. Die Vorfreude auf jede nächste Seite ließ mich dieses Buch in Nullkommanichts verschlingen. Und diese Vorfreude bezog sich nicht nur auf die doch gar nicht so unrealistische Story, sondern auch auf die brillante Sprache dieses Romans, die mich regelmäßig zum Lachen brachte. Ich weiß nicht, wer die Geschehnisse dieser Nacht erzählt – einige Geister,allwissende, gute Dorfgeister, die über allem schweben und alles kommentieren? Vielleicht. Jedenfalls reden diese Geister sehr flapsig und sehr weise, wenn manchmal auch nur Binsenweisheiten kommen.
Der Autor lässt jede Figur vor unserem geistigen Auge lebendig werden, verleiht ihr Profil und Herz, selbst der leicht aggressive Lada wird interessant und manchmal sympathisch. Und erst die zwei mysteriösen Poeten – herrlich! Kurzum: Ein fantastisches Buch, ich freue mich, dass es den Preis der Leipziger Buchmesse gewonnen hat, und kann es kaum erwarten, bis das nächste Werk von Stanišić erscheint!
Zum Autor: Saša Stanišić (* 1978 in Višegrad, Bosnien-Herzegowina) lebt seit 1992 in Deutschland, studierte unter anderem am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und war mit seinem Debüt „Wie der Soldat das Grammofon repariert“ für den Deutschen Buchpreis nominiert. Für Auszüge aus „Vor dem Fest“ wurde er schon vor Veröffentlichung mit dem Alfred-Döblin-Preis ausgezeichnet. 2008 erhielt er außerdem den Adelbert-von-Chemisso-Preis. Für alle Auszeichnungen reicht der Platz hier nicht aus, was ohnehin bemerkenswert ist, aber erst recht in Anbetracht der Tatsache, dass Stanišić erst zwei Romane (+ einige Erzählungen) veröffentlicht hat. Weiter so, bitte.
Heinrich Steinfest: Der Allesforscher
Der Titel legt einen Abenteuerroman nah und der Beginn mutet auch so an, aber „Der Allesforscher“, was nichts anderes bedeutet als „Universalgelehrter“, ist kein Abenteuerroman – höchstens ein Abenteuerroman im Kleinen, denn das ganz normale Leben ist ja irgendwie immer ein Abenteuer.
Sixten Braun ist ein erfolgreicher, aufstrebender Geschäftsmann. Für seine Firma ist es furchtbar peinlich, für Sixten jedoch ein Glücksfall, als er in Tainan von dem Darm eines explodierenden Wals getroffen wird und mit schweren Kopfverletzungen ins Krankenhaus muss. Denn dort lernt er Lana kennen – die Frau seines Lebens (Angst vor Pathos, Übertreibung und Überzeichnung hat der Autor Heinrich Steinfest definitiv nicht).
Wieder genesen und back in business, reist Sixten zu einem weiteren Geschäftstermin und auf dem Rückweg zu Lana stürzt sein Flugzeug mitten über dem wilden ostchinesischen Meer ab. Mit ein bisschen Glück und ein bisschen mehr Kaltblütigkeit – er stiehlt seinem Sitznachbarn die Schwimmweste, wofür er ihn aber erst k.o. schlagen muss – überlebt er und wird sofort nach Deutschland gebracht. Obwohl er dort eigentlich mit seiner Verlobten Schluss machen und zu Lana zurückkehren will, geht sein Leben einfach weiter und er heiratet doch.
Jahre später ist die Ehe kaputt, Sixten ohne Job, aber Lana ist noch immer in seinem Kopf. Als Bademeister im renommierten Stuttgarter Bad Berg für das Leben ehrenwerter Damen zuständig, versucht er nun, Kontakt zu Lana aufzunehmen, die jedoch mittlerweile einem Hirntumor erlag, aber nicht ohne vorher einen Sohn zur Welt zu bringen – wie Kerstin, die Botschaftsmitarbeiterin ihm glaubhaft macht: seinen Sohn! Die Adoption ist schnell beschlossene Sache. Umso größer ist die Empörung, Verwirrung, Angst, als Sixten und Simon aufeinandertreffen, schließlich steckt in dem Jungen definitiv chinesisches Blut, von der deutschen Lana kann es nicht sein, also muss es vom Vater kommen, was wiederum bedeutet, dass Sixten nicht der Vater sein kann. Trotzdem behält er den Jungen bei sich. Doch die Probleme gehen weiter. Simon spricht nicht nur kein Deutsch, sondern überhaupt keine Sprache, die irgendjemand beherrscht. Er spricht eine eigene, hochkomplexe Sprache. Trotz allem raufen sich Sixten und Simon zusammen, und Kerstin stößt auch dazu.
Doch eine weitere Seltsamkeit an Simon bringt das Familienleben ins Wanken. Sixten hasst das Klettern, schließlich ist seine Schwester vor Jahren währenddessen tödlich verunglückt. Simon hingegen erklimmt Berge gemsenartig. Also fahren sie gemeinsam in die Tiroler Berge, zum Klettern und um den Unglücksberg von Sixtens Schwester zu besuchen. Dort begegnen sie verlorenen Nazi-Visionen, Messerwerfern, Pianistinnen mit Kreuzbandriss und Simons unerkannten biologischen Vater. Sie müssen sich nicht nur mörderischen Träumen, sondern auch ihrer Vergangenheit stellen und entdecken ein weiteres geheimes Talent von Simon, der trotz oder vielleicht gerade wegen seiner Andersartigkeit in die Fußstapfen des Allesforschers aus Sixtens Kindheit tritt.
Dieser Roman ist lohnend für all jene, die dem Alltag mal so richtig entfliehen wollen, sei es durch Lachen, Weinen oder sich Wundern. Dieser Roman bietet all das, daneben sympathische Figuren, abstruse Ideen und einige sehr schlaue Gedanken.
„Manche Dinge mußte man erst einmal fühlen und ahnen und riechen und schmecken und sich vor ihnen fürchten, bevor man sie irgendwann begriff.“
Zum Autor: Heinrich Steinfest (* 1961 in Albury, Australien) wuchs in Wien auf, lebt aber heute mit seiner Familie in Stuttgart. Bekannt wurde er durch seine preisgekrönten Kriminalromane. Mit „Ein dickes Fall“ war er 2006 für den Deutschen Buchpreis nominiert. Daneben schreibt er aber auch Essays und Artikel für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften und arbeitet als bildender Künstler. Die Illustrationen in „Der Allesforscher“, auch die Titelillustration, stammen aus seiner Feder.
Rob Alef: Immer schön gierig bleiben
Damit auch Krimifans auf ihre Kosten kommen, heute wieder ein Gastbeitrag meiner Krimibeauftragten Doreen ;-)
Rob Alefs vierter Krimi und zugleich der erste, den ich bisher von ihm gelesen habe, hat mich wirklich überrascht. Ich liebe dieses Genre und verschlinge vom Regionalkrimi bis hin zu internationalen Bestseller-Thrillern quasi alles und erwartete dementsprechend einen Mord, gewiefte Ermittler und eine Wendung, die schließlich zur Klärung des Falles führt. „Immer schön gierig bleiben“ erfüllt alle diese Kriterien, bietet aber zugleich noch einiges mehr.
Der Roman beginnt mit dem klassischen Mord: Eine Frau wird erwürgt auf einem Friedhof aufgefunden. Ein fünfköpfiges Ermittlerteam macht sich an die Arbeit. Schon hier haben wir eine Abweichung von der üblichen Krimi-Beschaffenheit. Anstelle eines kauzig-brillanten Detektivs oder eines in Hassliebe verbundenen Kommissarenduos zeigt uns der Satiriker Alef einen herrlich unperfekten Haufen höchst eigenwilliger Charaktere. Hauptkommissar Pachulke, seines Zeichens Chef der Truppe, sitzt am liebsten in seinem Büro und bastelt mit Büroklammern – seine Stärke: Delegieren. Kriminalassistent Dorfner ist über die Maßen engagiert, interessiert sich jedoch leider zu sehr für gewalttätige Verhörmaßnahmen und das Trainieren seines langen muskulösen Gesetzesarmes, als das er ein verantwortungsvoller Polizist sein könnte. Seine Vorgesetzte Zabriskie hat daher ihre liebe Not mit ihm. Knallhart boxt sie sich durch das vorherrschende Männerregime und lässt sich auch im Privatleben nicht die Butter vom Brot nehmen. Ein Büro weiter fechten die Kollegen Stiesel und Bördensen ihren eigenen kleinen Kampf aus: Während Stiesel Ordnung bevorzugt und dann am glücklichsten ist, wenn er sich stundenlang in Recherchearbeiten ergehen kann, ist Bördensen eher der Typ, der nur dann das Büro hütet, wenn es gilt, Unordnung zu schaffen.
Alef lässt jeden zu Wort kommen, nicht nur die Ermittler, sondern auch verschiedene Zeugen und den Täter selbst. Durch die zum Teil recht heftigen Perspektivwechsel entfaltet sich die Handlung quasi mosaikartig und ist dabei immer gefärbt von den persönlichen Einstellungen der jeweils agierenden Figur.
Um den Mord an der Maklerin Verena Adomeit aufzuklären, befassen sich die Ermittler eingehend mit dem Berliner Wohnungsmarkt und treffen dabei auf die Abgründe menschlichen Handelns – Gier und Neid gleichermaßen. Mieter werden aus ihren Wohnungen gemobbt, Sozialbauten abgerissen und Nobelvillen entstehen. Wohnraum wird knapp und teuer und nur wenige gewinnen dabei wirklich. Schonungslos schildert Alef das Hauptstadtleben:
„[D]ie Stadt, die niemals aufgibt und niemals Geld hat und niemals um eine Antwort verlegen ist und immerzu Pläne schmiedet, die zwei Nummern zu groß sind für sie. Die lokale Politik hat etwas von Kleinkriminellen aus der Stummfilmzeit. In jeder Folge planen sie das große Ding und immer kommt etwas dazwischen.“
In diesem Roman begegnen wir allen Gesellschaftsschichten und ihren typischen Eigenheiten: vom stolzen Eigenheimbesitzer bis hin zum Hausbesetzer, vom fleißigen Müll-Trenner bis hin zu jenen, die auf der Müllhalde leben müssen, weil sie im sogenannten Sozialgefüge verloren gingen. Alle werden mit einer hingebungsvollen Präzision beschrieben und bilden somit ein vielfältiges Portrait der modernen Gesellschaft sowie ihrer zahlreichen Schwächen.
Absätze wie dieser machen den Krimi zu einer zeitgenössischen Satire, die amüsant und nachdenklich stimmend zugleich ist:
„Die Schwungräder beim großen Kommen und Gehen, die Drehkreuze waren die Bahnhöfe. Der Hauptbahnhof, im Niemandsland zwischen Regierungsviertel und den alten Backsteinmietskasernen Moabits. Und vor zwölf Jahren der Bahnhof Zoo, früher das Tor zur westlichen Welt, heute degradiert zu einem Regionalbahnhof. Und dann die Flughäfen, die die Kegelclubs, Einkäufer und Junggesellenabschiede aus Glasgow, Malmö und Valencia ausspuckten. Überall gab es Fahrpläne, Slots, Verspätungen, geschätzte Ankunftszeiten. Nur der Tod schaute ganz überraschend vorbei.“
Pachulke und sein Team kommen schließlich dem Mörder auf die Spur und wir als Leser wissen am Ende, dass dies mehr war als gute Unterhaltungsliteratur – es war ein Weckruf an uns selbst.
Zum Autor: Rob Alef (* 1965 in Nürnberg) arbeitet als freischaffender Rechtshistoriker und schreibt zudem regelmäßig satirische Texte, u.a. für die taz. Wie seine unverhohlene Darstellung der Stadt vermuten lässt, lebt er in Berlin-Friedrichshain. Dort schreibt er auch seinen Fußballblog „Volk ohne Raumdeckung“. Zuletzt erschien bei Rotbuch der Kriminalroman „Kleine Biester“ (2011).
Ein Beitrag von Doreen Liebing
Zitat des Monats Auflösung Februar
Ein bisschen bissig, aber scharfsinnig und so wahr: Wen hat Maxim Gorki mit diesem Aphorismus wohl gemeint?
Maxim Gorki (1868-1936) war ein russischer Schriftsteller, der nach einigen harten Jahren dieses Pseudonym annahm, was übersetzt „Der Bittere“ bedeutet. Gorki war ein enger Vertrauer Lenins und Autor des bekannten Romans „Die Mutter“.
„Nach manchen Gesprächen mit Menschen hat man den Wunsch, einen Hund zu streicheln, einem Affen zuzulächeln und vor einem Elefanten den Hut zu ziehen.“
Uwe Kolbe: Die Lüge
Nein, in Uwe Kolbes neuem Roman geht es nicht um eine konkrete Lüge, auch wenn der Titel etwas anderes verheißt. Das Problem ist, dass das Leben der zwei Protagonisten auf dermaßen vielen Lügen aufgebaut ist, dass man gar keine genaue Zahl nennen kann – und doch laufen sie alle auf eine einzige hinaus.
Der Autor Uwe Kolbe wurde 1957 in Ost-Berlin geboren und lebt seit 1979 als freier Schriftsteller. In der DDR wurde er besonders als junger Lyriker bekannt. Kolbes Vater war Führungs-Inoffizieller Mitarbeiter in kognito bei der Stasi. Nachdem Kolbe einige kritische Veröffentlichungen zur Kulturpolitik der DDR veröffentlicht hatte, erhielt er Publikationsverbot und verließ 1986, nachdem er einige Jahre für verschiedene Untergrundzeitschriften geschrieben hatte und von der Stasi observiert wurde, die DDR.
Dass ich dieses Mal mit dem Leben des Autos beginne, liegt daran, dass „Die Lüge“ zwar ein Roman ist. Aber es ist ein autobiografisch beeinflusster Roman. Der junge Künstler heißt hier Hadubrandt, kurz Harry, ist Komponist und lebt mit verschiedenen Frauen ein bequemes Leben. Sein Vater, Hinrich, ist für die Kultur in der SED zuständig und stolz auf seinen talentierten Sohn, engagiert sich für ihn in der Partei. Doch umsonst ist das nicht.
„Ich setzte mich an den Tisch und skizzierte ein Stück, genauer einen Zirkel von Stücken, der mehrere Sphären zusammenführen würde zu einer Raummusik, zu Domen von Klang, jeder eine eigene Konfession, untereinander korrespondierend. Ich sah Räume und Farben und darin aufklingende Wörter, lateinische, griechische, hebräische, die ich mir ausdachte, wie ich überhaupt Sprachen mit nie dagewesenem Klang erfand, flirrende Muster, ganz Schmerz und ganz Liebe, Aufgehen in Welt. Was für eine hochtrabende Nacht das war.“
Die durch seinen Vater zustande kommenden Aufträge nimmt der Sohn gern an, ermöglichen sie ihm doch ein einigermaßen sorgenfreies Leben. Zusammen mit anderen jungen Künstlern feiert und säuft er, verschläft die Tage und verdiskutiert die Nächte. Wie sein Vater, den er selten sieht, der aber doch stets präsent in seinem Leben ist, hat er ständig wechselnde Frauengeschichten, ist keiner treu und produziert mehrere Kinder, um die er sich nicht kümmert.
Doch während sein Vater aus sozialistischer Überzeugung aus dem Westen in die DDR kam, um den Klassenkampf zu kämpfen, hegen sich bei Harry kleine, zögerliche Zweifel. Ab und zu überkommt es ihn und er komponiert Stücke, die die Kultur und das Leben in der DDR durchaus nicht lobpreisen, sondern bloßstellen. Einbestellt in die zuständige Parteibehörde, steht er dann Rede und Antwort, wobei ihn die mahnenden, wenn auch natürlich wohlmeinenden Worte nie so richtig erreichen, da er stets von der Kleidung der Redner abgelenkt ist – ein Interesse, das er immer nur in der Behörde entwickelt.
Trifft er seinen Vater ab und zu, sprechen sie über ihre jeweilige Arbeit, Harry auch über seine Freunde und deren Arbeit. Denen gefällt das aber gar nicht, schließlich weiß man über Hinrich und seine Tätigkeit Bescheid, der sich zwar für die junge Künstlergeneration einsetzt. Doch der Druck von oben ist stärker, die entstehenden Kunstwerke sollen repräsentativ, nicht kritisch sein.
Was Katharina, Harrys zwischenzeitliche Frau genau weiß, will Harry aber nicht recht wahrhaben: Dass sein Vater ihn und seine Freunde ausspioniert, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, von der Gängelei einiger Künstlerfreunde über Aus- und Einreiseverbote bis hin zu Berufsverbot.
„Es hätte jemand kommen können und sagen: Du hast dich da eingerichtet! Du gehörst ganz und gar dorthin! Ich wäre empört gewesen, aber ich hätte nicht wirklich widersprechen können.“
Und schließlich hat Harry auch eine gute Entschuldigung: Er hat nur einen Vater!
„Mein Vater ist der Einzige weit und breit, der überhaupt kapiert, was ich mache. Er ist stolz auf mich!“
Und so engagieren sie sich, beide, in einer Welt, die scheinheilig so tut, als wäre alles in bester Ordnung, als wären als Bürger zufrieden und glücklich, in einer Welt, aus der Tausende Menschen pro Jahr fliehen, die Dunkelziffer um einiges höher als die offiziellen Zahlen. Das ist die wahre Lüge, die die Menschen in ihr Netz zog, manchmal bis zum Untergang, manchmal aber auch ganz bequem.
Kolbe legt durchaus nicht immer die Karten offen auf den Tisch, man muss zwischen den Zeilen lesen, die einen mal sanft einlullen, mal brachial vor den Kopf stoßen und mal schlichtweg Hintergrundwissen zum Verständnis erfordern. Meisterhaft versteht es Kolbe, Harrys Musik in Worte zu fassen, Wahrnehmungen miteinander zu verschränken und eine spielerische Leichtigkeit herzustellen. Dem gegenüber stehen hochkomplexe, verschachtelte Sätze, die die Dimensionen der Story auch sprachlich widerspiegeln.
Zum Autor: Uwe Kolbe (* 1957 in Berlin) startete seine Autorenkarriere in der DDR. Nach seiner Ausreise nach Westdeutschland 1986 zog er nach Hamburg und 1989 für eine Gastdozentur nach Texas. Heute lebt er als freier Autor in Berlin. Uwe Kolbe veröffentlichte in verschiedenen Verlagen zahlreiche Gedichte, Romane und Erzählungen und erhielt eine Vielzahl von Auszeichnungen, zuletzt 2012 den Lyrikpreis Meran.
Astrid Rosenfeld: Adams Erbe
Der Klappentext versprach mal wieder Großes: „Bewegend und mit unerschrockenem Humor“ soll Astrid Rosenfeld angeblich die Geschichte zweier Generationen schildern. Skeptisch wie ich bin, stellte ich das in Frage, und wurde sehr positiv damit überrascht, dass es stimmt. Prüfen wir das mal Schritt für Schritt.
Zwei Generationen? Ja. Edward Cohen wächst in den 70er Jahren in Berlin auf. Seine Mutter Magda ist eine willensschwache Frau, die sich immer nur ein Kind gewünscht hat und sich deswegen umstandslos von einem Fremden aus Skandinavien schwängern lässt, ihren Job kündigt und wieder bei ihren Eltern einzieht. So wächst Edward nicht nur bei seiner Mutter auf, sondern auch bei seinen Großeltern. Zumindest bis zu dem Tag, an dem Magda dem King verfällt. Es dauert nicht lange, bis sie heiraten und wegziehen. Doch auch der perfekte King hat seine Fehler: Ab und zu wird er wütend und schlägt auf Magda und Edward ein, was aber keine bleibenden Spuren in deren Herzen hinterlässt. Nach dem plötzlichen Unfalltod des Kings zieht Magda bei der fettleibigen Nachbarin ein und stickt Altardecken, während Edward auf die Universität geht und sein Leben vergeudet. Erst als Lara stirbt, kehrt Edward in das Haus seiner Kindheit zurück und geht endlich auf den Dachboden, den Lara ihm stets so strikt verbot. In seinen Ohren hallen die Worte seiner Großeltern nach, dass er Adam so ähnlich sei, Adam, der die Familie im Stich ließ und die Mutter umbrachte.
Nun auf dem Dachboden spürt er nichts von Adam, doch findet er einen Packen Papier, eng beschrieben, und er beginnt zu lesen.
Nun kommt Adams Geschichte – Adam war der Bruder von Edwards Großvater Moses, der bei seiner Großmutter Edda auf dem Dachboden aufwächst, wo sie Asbach trinken und die Porträts der Nazi-Schergen studieren. Eines Tages verliebt sich Adam unsterblich in Anna, ebenfalls Jüdin. Doch während Edda Kontakte zu Sturmbannführer Bussler pflegt, der sie und ihre Familie schützen kann, ist Anna den Nazis ausgeliefert. Sie verschwindet während einer Razzia. Und weil Adam sie so sehr liebt, ermöglicht ihm Edda, nach Polen zu reisen, wohin Annas Spur führt. Bussler hält auch hier seine schützenden Hände über Adam, der eine arische Identität annimmt und als Rosenzüchter arbeitet. Hier begegnet er dem Offizier Giesel, notorischer Frauenheld, der sich nach zu vielen Affären keine Fehltritte mehr leisten darf, wenn er nicht aus der SS ausgeschlossen werden möchte. Adam schafft es, sich sowohl mit den polnischen Gärtnern anzufreunden als auch mit dem regimetreuen Giesel – Bubi genannt. Als Bubi eines Tages Anita schwängert, die Tochter eines reichen Fabrikanten, bleibt ihm nichts als sie zu heiraten und seinen Sohn anzuerkennen. Doch Anita macht weder Bubi noch Adam das Leben leicht:
„‘Wir haben ja jetzt ein Ghetto in Warschau. Die Juden verkaufen wirklich ganz wunderbare Sachen und so günstig. Morgen bringe ich euch hin. Ein Paradies. Sie geben mir ständig Rabatt.‘“
Als Adam bettelnden Kindern im Ghetto Geld gibt, fällt Anitas Misstrauen auf ihn. Als dann auch noch Bussler stirbt, der die Gräueltaten der Nazis zwar mitmacht, aber darüber seinen Verstand verliert, wird Adams Lage ernst. Er erfährt, dass Anna im Warschauer Ghetto ist und kann dank seiner polnischen Freunde einen Deal ausmachen: Er geht hinein, Anna kommt heraus.
„Bestimmen uns die Menschen, denen wir begegnen, oder begegnen uns die Menschen, weil wir unserer Bestimmung folgen? Damit wir das werden können, was wir von Anfang an sein sollten?“
Im Ghetto schließlich landet er in einer kuriosen WG: Frau Blemmer, als deren Aufpasser er hineingeschickt wurde, Professor Menden und Herakles, ein kleiner Junge, der nichts außer dem Ghetto kennt, für den Blumen nur aus Papier existieren.
Während Adam heimlich nach Polen ausreiste, sollte sich seine Familie nach England absetzen, mit daumengroßen Diamanten, die Edda besorgt hatte. Doch eines Tages findet Adam, in seinen Mantelsaum eingenäht, vier der dicken Diamanten – ihm wird klar, dass Bussler ihn angelogen hat – Edda und seine Mutter sind nicht ausgereist, sondern in Berlin geblieben.
Und so wird auch Edward etliche Jahrzehnte später bewusst, warum Adams Name so viel Schmerz bei seinen Großeltern hervorrief. Edda hatte ihnen nie die Wahrheit über Adam erzählt. Sie glaubten, er sei mit den Diamanten verschwunden und hätte seine Familie im Stich gelassen. Dabei war Adam ein Held, der den Abtransporten in die KZ zum Opfer fiel.
Ich denke, mit der Zusammenfassung der Handlung ist der Punkt „bewegend“ schon ausreichend belegt. Die Geschichte ist in der Tat bewegend, aber nicht rührselig. Dazu trägt auch der letzte zu erläuternde Punkt bei: unerschrockener Humor. Fast schon respektlos erzählt Astrid Rosenfeld diese Geschichte. Edda ist ein Original, das man nur lieben und bewundern kann, aber auch ein bisschen fürchten, wie Bussler. Ihr ist nichts heilig und so bewertet sie auch die Porträts der Nazis auf ihrem Dachboden: Hitler ist ein Trinker und Göring frisst zu viel. Auch Hitlers Vornamen kann sie sich nicht merken und so wird aus der NSDAP schlichtweg „Augusts Verein“. Um ihre Gefühl zu verbergen, springt sie grob mit den Menschen in ihrer Nähe um und ertränkt alles in Asbach und gnadenlosem Hohn. Von Edda erzogen, übernimmt Adam diese Art von Edda und macht uns seine Geschichte erträglich. Und diese Geschichte ist großartig, während der erste Teil des Buches, Edwards Story, fragwürdig und belanglos ist. Lest trotzdem dieses tolle Buch – oder einfach gleich den Teil über Adam.
„Adams Erbe“ lässt den Leser zwischen Lachen und Tränen schwanken, tendiert aber glücklicherweise mehr zum ersten – und ist auch noch so grandios geschrieben und komponiert, dass einem das Lachen trotz des Themas mal nicht im Halse stecken bleibt. Wie immer geht es um die Liebe, eine Liebe, der alles geopfert wird, ohne Reue und Schuld, sondern einfach selbstlos und aufrichtig, ohne Ängste und Scham, sondern offen und ehrlich.
„Zwischen diesen beiden Frauen begann ich zu verstehen, Anna, warum ich in deiner Gegenwart die ganze Welt spüren konnte. Du bist wahr, Anna.“
Zur Autorin: Astrid Rosenfeld (* 1977 in Köln) scheiterte mit einer Schauspielausbildung und übte verschiedene Jobs in der Filmbranche aus. Für ihr Debüt „Adams Erbe“ wurde sie 2011 für den deutschen Buchpreis nominiert, schaffte es aber nicht auf die Shortlist. 2013 erschien ihr zweiter Roman „Elsa ungeheuer“.
Preis der Leipziger Buchmesse 2014
Am Donnerstag war es wieder so weit: Die Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse, der immerhin mit 15.000 € dotiert ist, wurden bekannt gegeben. Jeweils einen Preisträger wird es in den drei Kategorien Belletristik, Sachbuch und Essayistik sowie Übersetzung geben. Mit dem Preis werden jedes Jahr die spannendsten Neuerscheinungen geehrt. 2013 durften sich David Wagner mit „Leben“ (Belletristik), Helmut Böttiger mit „Die Gruppe 47“ (Sachbuch) und Eva Hesse mit „Die Cantos“ (Übersetzung) freuen. Im Jubiläumsjahr 2014 – dieses Jahr wird der Preis zum 10. Mal vergeben –dürfen sich folgende Kandidaten Hoffnung machen.
Belletristik:
Fabian Hischmann, „Am Ende schmeißen wir mit Gold“ (Berlin Verlag)
Per Leo, „Flut und Boden. Roman einer Familie“ (Klett-Cotta Verlag)
Martin Mosebach, „Das Blutbuchenfest“ (Carl Hanser Verlag)
Katja Petrowskaja, „Vielleicht Esther“ (Suhrkamp Verlag)
Saša Stanišić, „Vor dem Fest“ (Luchterhand Literaturverlag)
Sachbuch/Essayistik:
Diedrich Diederichsen, „Über Pop-Musik“, (Verlag Kiepenheuer & Witsch)
Jürgen Kaube, „Max Weber. Ein Leben zwischen den Epochen“ (Rowohlt Berlin)
Helmut Lethen, „Der Schatten des Fotografen“ (Rowohlt Berlin)
Barbara Vinken, „Angezogen. Das Geheimnis der Mode“ (Klett-Cotta Verlag)
Roger Willemsen, „Das Hohe Haus. Ein Jahr im Parlament“ (S. Fischer Verlag)
Übersetzung:
Paul Berf: übersetzt „Spielen“ von Karl Ove Knausgård aus dem Norwegischen (Luchterhand Lieraturverlag)
Robin Detje: übersetzt „Europe Central“ von William T. Vollmann aus dem amerikanischen Englisch (Suhrkamp Verlag)
Ursula Gräfe: übersetzt „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ von Haruki Murakami aus dem Japanischen (Dumont Buchverlag)
Hinrich Schmidt-Henkel: übersetzt „Jacques der Fatalist und sein Herr“ von Denis Diderot aus dem Französischen (Verlag Matthes & Seitz Berlin)
Ernest Wichner: übersetzt „Buch des Flüsterns“ von Varujan Vosganian aus dem Rumänischen (Paul Zsolnay Velag)
Und wer trifft eigentlich die Entscheidung? Eine siebenköpfige Jury, bestehend aus Hubert Winkels (DIE ZEIT/Deutschlandfunk), René Aguigah (Deutschlandradio Kultur), Dirk Knipphals (taz), Sandra Kegel (FAZ), Ursula März (DIE ZEIT), Lothar Müller (Süddeutsche Zeitung) und Daniela Strigl (Freie Kritikerin), hat zuerst aus den insgesamt 410 Einreichungen von 136 Verlagen die besten 15 ausgewählt und wird dann bis zur Entscheidung Mitte März den Besten in jeder Kategorie küren.
Übrigens könnt ihr auch selbst tätig werden und abstimmen, wer in der Kategorie Belletristik gewinnen soll. Gebt einfach eure Stimme für euren Favoriten ab und gewinnt mit etwas Glück ein Buchpaket: http://www.preis-der-leipziger-buchmesse.de/de/Voting
Ob ihr auf den Richtigen gesetzt habt, erfahrt ihr am 13. März 2014, wenn der Preis um 16 Uhr in der Glashalle verliehen wird.
Zitat des Monats Auflösung Januar
Dieses kleine, aber feine Zitat stammt aus einem faszinierenden, schmalen Büchlein voller Wahrheit und Philosophie, aus Eric Emmanuel-Schmitts „Oskar und die Dame in Rosa“.
„Die interessanten Fragen bleiben immer Fragen. [...] Nur uninteressante Fragen haben eine endgültige Antwort.“