Andris
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Andris starrte in die Ferne, in der Hoffnung, vielleicht etwas Lebendiges zu finden, etwas, das nicht aus Eis und Schnee und Knochen bestand. Er fand nichts.
Er setzte seinen Weg fort, durch den Schnee, gegen den Wind, der ihm im Gesicht brannte. Ein Schritt nach dem anderen, gegen jede Vernunft. Er würde nicht weit kommen. Und wohin auch? Jeder Schritt durch die Eiswüste brachte ihn nur seinem Untergang näher. Jeder, der auch nur ein wenig Hirn in seinem Schädel hatte, würde es genau so sehen. Und dennoch lief er weiter.
Ihn trieb der irrsinnige Drang seines Körpers zu überleben voran, die verbissene, absurde Hoffnung, er würde die Wälder südlich der Eiswüste doch erreichen. Starrsinn. Niemals aufgeben, niemals stehen bleiben, solange man noch gehen kann. Der Gegensatz zu seinen Gedanken, die so erschreckend klar waren. Er würde nicht weit kommen. Er würde sterben, hier in dieser Eiswüste, inmitten von schneebedeckten Knochen von Wesen, die er nicht kannte. Vielleicht waren sie an den gleichen Dingen gestorben, die gerade dabei waren, das Leben aus ihm zu saugen. Er fühlte eine tiefe Sympathie mit den Knochen – und vielleicht auch ein wenig Neid. Ihre Qual war längst vorbei, im Gegensatz zu seiner. Fast wünschte er sich, der Tod würde schneller kommen. Er wünschte sich, er könnte sich neben den Knochen in den Schnee legen und sich der Kälte übergeben, doch sein Körper hatte sich selbstständig gemacht und lief immer weiter, ein Schritt nach dem anderen.
Bilder stiegen vor seinen Augen auf, überlagerten die kalte Wirklichkeit. Er sah seine Kameraden, die mit ihm zusammen auf diese Reise gegangen waren, Abenteurer und Entdecker, alles hartgesottene Seeleute wie er.
Sie jagten einer Legende hinterher, suchten nach einem Land im Norden, das ihre Vorfahren hervorgebracht haben soll. Sie suchten nach der Küste, der sie entstammten.
Sie fanden nur den Tod. Ihr Schiff lag nun, einem hölzernen Skelett gleich, eingeschlossen im ewigen Eis. Sechs Überlebende hatten das Wrack verlassen, um die Eiswüste zu Fuß zu überqueren und vielleicht die Wälder zu erreichen, die sie vom Meer aus gesehen hatten, bevor der Wind sie mitgerissen und in ihr eisiges Gefängnis gebracht hatte.
Andris war der Einzige, der noch lebte – der Letzte, der sterben sollte.
Ein Schritt nach dem Anderen.
Ein Schritt – und die Schneedecke brach unter ihm ein. Er fiel der Länge nach, sank in den Schnee. Dunkelheit umfing ihn. Er versuchte, aufzustehen, kämpfte gegen den Schnee und die bleierne Schwere, die in seinen Gliedern hing, doch dabei sank er noch tiefer ein. Schließlich verließen ihn die Kräfte. Er zog die Knie an die Brust und blieb still liegen, ertrug die Kälte, bis sie plötzlich wich und einer angenehmen, kribbelnden Empfindung von Wärme Platz machte. Nun hatte er das Gefühl, ihm wäre heiß. Die Hitze breitete sich über seinen Körper aus, umfloss seine Haut, sank in seine Eingeweide. Er wollte sich bewegen, wollte dieser irrsinnigen Hitze entfliehen, doch sein Körper gehorchte ihm nicht mehr. Ein Abgrund tat sich unter ihm auf und er fiel hinein.











