Eine Geburt ist entfesselte Sexualität.

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Eine Geburt ist entfesselte Sexualität.
Hier wollen wir Eins am wenigsten leugnen: wer jene „Guten“ nur als Feinde kennen lernte, lernte auch nichts als böse Feinde kennen, und dieselben Menschen, welche so streng durch Sitte, Verehrung, Brauch, Dankbarkeit, noch mehr durch gegenseitige Bewachung, durch Eifersucht inter pares in Schranken gehalten sind, die andrerseits im Verhalten zu einander so erfinderisch in Rücksicht, Selbstbeherrschung, Zartsinn, Treue, Stolz und Freundschaft sich beweisen, — sie sind nach Aussen hin, dort wo das Fremde, die Fremde beginnt, nicht viel besser als losgelassne Raubthiere. Sie geniessen da die Freiheit von allem socialen Zwang, sie halten sich in der Wildniss schadlos für die Spannung, welche eine lange Einschliessung und Einfriedigung in den Frieden der Gemeinschaft giebt, sie treten in die Unschuld des Raubthier-Gewissens zurück, als frohlockende Ungeheuer, welche vielleicht von einer scheusslichen Abfolge von Mord, Niederbrennung, Schändung, Folterung mit einem Übermuthe und seelischen Gleichgewichte davongehen, wie als ob nur ein Studentenstreich vollbracht sei, überzeugt davon, dass die Dichter für lange nun wieder Etwas zu singen und zu rühmen haben.
Nietzsche, Friedrich (1887): Zur Genealogie der Moral. Eine Streitschrift., I - 11, (http://www.nietzschesource.org/#eKGWB/GM-I-11)
[DAD] - Souveränität
"Dir mangelt es an Souveränität", wirft er mir entgegen und ich schaue ihn verdattert an. Er nickt sich selbst bestätigend zu. "Du fängst ja durchaus an Fortschritte zu machen", sagt er zu mir und gibt es nur wenige, denen ich eine derartig formulierte Beurteilung meiner Person zubillige, "aber in mancherlei Hinsicht", schüttelt er den Kopf. Ich gehe in mich und überlege, lasse eine Reihe von möglichen Situationen hintereinander aufblenden, halte inne und fokussiere.
"Die Email an ihre vermeintliche Freundin", nicke ich. Er lächelt stumm. "Allein der Betreff: "Eine aufrichtige Bitte von Herzen." Es scheint, als wäre der Satz nur auf Gedankenebene durch Raum und Zeit gegangen, ist nicht auszumachen, ob und wer gerade gesprochen hat.
"Vom Inhalt ganz zu schweigen", fügt er hinzu. "Du nimmst immer noch zu viel Rücksicht, lässt zu viele Optionen. Ich kann verstehen, dass du sie als kooperativen Vermittler gewinnen wolltest, aber heutzutage tut das kaum noch jemand. Zumindest nicht von sich aus. Ein "Aufgrund des Embargos der Eisprinzessin schicke ich mein Paket an dich, mit der Bitte es ihr zu übergeben." und aus die Maus. Wobei man diskutieren kann, ob nicht das noch zu freundlich klingt. Kurz, prägnant, auf den Punkt gebracht. Eine klare Ansage - du schickst das Paket -, eine Aufforderung - sie soll es weiterreichen -, für alles andere ist sie alt genug, oder auch nicht."
Ich nicke zustimmend. "Du gehst dann natürlich das Risiko ein, dass du ins Leere läufst. Dein Paket ohne Sicherheit nach draußen wirfst und es verloren gehen kann, auch wenn das, sofern du deinen Absender drauf schreibst, nur selten passiert." Mein Gedanke gleitet kurz ab zu... ich schüttele den Kopf und konzentriere mich. "Sieht man von dieser, ich möchte fast essentiellen, Unsouveränität und einigen kleineren einmal ab, machst du dich doch schon ganz gut", lächelt er mich an.
"Dein Telekomauftritt, das Angebot gegenüber Goldlöcken, die Selbstbehauptung gegenüber dir nahe stehenden Personen, wenn auch inhaltlich gratwandernd, die Trauerkarte damals und deine aktuelle Präsentation und Wirkung auf verschiedenen Internetplattformen." Der anerkennende Ton klingt in seinen Worten mit. "Jetzt musst du das nur noch auf die Straße bringen. Du entscheidest, du bestimmst das Spiel. Nicht alleine und nicht zu 100%, aber grundlegend. Die Macht, die in dir schlummert. Entfessel sie, entfessel dich, und kaum etwas wird dich aufhalten."
Er nippt an seiner Tasse. "Auch wenn es vermutlich das ist, wovor du Angst hast, richtig? Dass dich dann weder jemand auf- noch halten kann."
Ich sage nichts.
Sie würde nicht wissen, was sie in ihm ausgelöst hatte.