Wer deinen Wert nicht erkennt, wird ihn erst erkennen, wenn du nicht mehr da bist.
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Wer deinen Wert nicht erkennt, wird ihn erst erkennen, wenn du nicht mehr da bist.
Die Zeit enthüllt, was Worte verbergen
Ich will keine Rache. Ich wünsche mir nur, dass du eines Tages erkennst, dass du jemanden verloren hast, der dir bedingungslos zur Seite stand. Vielleicht wird dir das erst viel später klar, aber irgendwann wirst du es fühlen.
Und wenn sie nicht gestorben sind
Es war einmal ein Wesen, das in einem Land lebte, in dem alles möglich war- so hatte man es ihm erzählt. Dort zwischen silbernen Wolken und grünen Wiesen, die nie verblühten, war jeder Tag eine Verheißung und jede Nacht ein Versprechen. Man hatte ihm früh beigebracht, dass das Leben eine Geschichte sei. Eine mit Anfang, Mitte und gutem Ende. Eine Geschichte. In der alles einen Sinn hat, in der das Gute siegt, das Schlechte besiegt wird und das Herz niemals verliert. Also wartete das Wesen. Es wartete auf den Moment, an dem sich alles fügen würde. Es suchte nach Zeichen, nach Wendepunkten, nach Drachen, die es besiegen und nach Kronen, die es tragen konnte. Und immer, wenn etwas Dunkles kam- ein Schatten, ein Zweifel, ein Stolpern-, sagte es sich: „Nur ein Kapitel. Am Ende wird alles gut.“ Doch die Kapitel wurden länger. Die Schatten dunkler und irgendwann, ohne dass es genau wusste, wann verwischten die Grenzen zwischen dem, was sein sollte und dem, was war. Denn es kamen keine Zauberer. Keine Wunder. Kein Schicksal, das einen an die Hand nahm und sagte: „Jetzt ist deine Zeit.“ Stattdessen kam Leere. Fragen, die keine Antwort hatten. Tage, an denen nichts passierte und Nächte, in denen die Gedanken laut waren. Es war kein Drache, den es besiegen musste. Nur das eigene Gefühl, nicht genug zu sein. „Warte nur“, flüsterten die alten Geschichten. „Wenn du nur stark genug glaubst, wird sich das Blatt wenden.“ Also glaubte das Wesen. Es sprach sich Mut zu. Es lächelte, wenn es weinen wollte. Es sagte sich: „Ich bin der Held. Ich muss durchhalten. Am Ende wird alles gut.“ Doch je länger es glaubte, desto schwerer wurde das Herz. Denn nichts kam. Kein Licht. Kein Retter. Nur das eigene Spiegelbild, was jeden Tag ein bisschen müder aussah. Eines Abends als der Himmel nicht mehr golden war, sondern einfach nur grau, setzte es sich auf einen Stein am Rand der Welt. Es blickte hinaus, wo die Geschichten aufhören, und die Stille beginnt. „Warum ist nichts so, wie ihr es mir erzählt habt?“ fragte es in die Leere. Aus der Tiefe der Dunkelheit antwortete etwas. Keine Stimme, kein Echo- eher ein Wissen das plötzlich da war, als hätte es schon immer geschlummert: „Weil alle Märchen gelogen sind“ Das Wesen blickte herab auf sich selbst. Auf die Spuren, die es hinterlassen hatte. Die Wege, die es gegangen war und zum ersten Mal verstand es. Niemand hatte ihn je begleitet. Kein Prinz und keine Fee. Es war allein gegangen. Am nächsten Morgen erwachte es nicht in einer neuen Welt, aber sie hatte sich doch verändert. Es hörte auf zu Warten. Es fing an zu gehen.
So folgte es den Pfaden aus goldenen Versprechen und bunten Worten, die andere vor Ihm gegangen waren, doch es vergaß nicht, dass er sein eigenes Ende schreiben würde. Nun erblickte es die waren Weiten des Märchenlandes.
Den ersten Ort, den es betrat, schien ein altes Königreich zu sein. Stumme Höfe rechts und links vom Wegesrand. Es fragte sich, warum niemand ein Wort sprach, warum keine Fragen gestellt wurden. Dann erblickte es vom Wege aus einem Thron aus Stein, auf dem ein König saß, welcher selbst kein Wort sprach. In seiner goldenen Krone stand eingraviert: „So war es schon immer“ Es verstand: Hier war es nicht erlaubt die Gegebenheiten in Frage zu stellen. Nicht einmal das Unglück. So ging es weiter, traurig von den Schicksalen der Höflinge. Sie warteten noch, es selbst ging. Nun türmte sich ein Wald vor ihm auf. Große Bäume ragten in den Himmel hinauf, alles Sonnenlicht abschirmen zu scheinen. Ihre Äste flüsterten im Rauschen des Windes:
„Sei stark.“
„Sei still.“
„Sei schön.“
„Sei besser.“
„Sei nicht du.“
„Sei, wie man dich braucht.“
Die Stimmen legten sich wie Nebel um das Wesen. Es wollte rufen, doch seine Stimme wurde verschluckt. Jeder Schritt machte es schwerer, je mehr es versuchte, den Stimmen zu entfliehen. Je tiefer es in den Wald ging, desto dichter wurde der Nebel. Die Stimmen begangen von innen zu sprechen. Wie alte Melodien, die man nicht mehr bewusst hört, weil sie längst ein Teil eines selbst geworden sind. Bäume wuchsen mit Spiegeln in den Stämmen. Wenn man hineinsah, erkannte man sich nicht- man sah, wie man Aussehen sollte. Der Boden unter den Füßen war weich wie Schuld. Die richtige Richtung zu finden schwer. Das Wesen wollte rufen, schreien, sprechen. Doch seine Stimme verlor sich in dem dichten Nebel um ihn herum, denn wer zu lange in diesem Wald bleib, der verliert seine Stimme- nicht, weil sie genommen wird, sondern weil man sie vergisst. Und als das Wesen selbst fast vergaß, dass es anders gedacht hatte, spürte es einen Riss in der dichten Wand von Flüstereien. Es erinnerte sich an seine eigene Stimme, spürte wie sie ihm die Kehle heraufkroch. Mit letzter Kraft riss es sich los aus dem Dickicht, vorbei an Spiegeln, die seine Form verurteilten, vorbei an Wegen, die andere gelegt hatten. Es stolperte ins Licht- atemlos, aber frei. Dann zum ersten Mal seit Langem, hörte es nichts. Nur das eigene Herz. Kaum hatte es sich erholt, sah es am Waldrand eine Frau aus Glas. Sie war wunderschön-klar, feingeschliffen, makellos. Ihre Bewegungen waren leicht, beinahe schwebend. „Man bewundert mich“, sagte sie mit ruhiger Stimme. „Alle wollen m ich sehen, aber niemand will wissen, wie ich mich halte.“ Das Wesen trat näher „Bist du glücklich?“ Sie schweig, dann zeigte sie auf einen kaum sichtbaren Sprung in ihrer Seite- fein wie ein Haar aber tief und bedeutungsvoll. Der Wind wehte und ließ ein leichtes Klirren zurück. Sie sah das Wesen an: „Du wirst weitergehen und sie werden auch dich formen wollen. Doch sei vorsichtig: Wer sich zu lange verbiegt, wird zwar glänzen aber lebt nicht.“ Worte blieben in der Luft hängen, wie ein Echo, das noch nicht verstanden war. Das Wesen sah sie ein letztes Mal an und spürte, dass ihr Glanz vom Stillstand kam. Und so ging es weiter, mit der Hoffnung nicht aus Glas zu werden. Bald schon kam es zum höchsten Hügel des Landes. Oben wuchs ein Baum, der nur eine Frucht trug- einen goldenen Apfel- rund, leuchtend, vollkommen. Wer ihn erreichte, sollte alles Finden, was er suchte-Liebe, Sinn, Freiheit. Das Wesen streckte die Hand aus- der Apfel war nur eine Armlänge entfernt. Es trat näher, sprang, kletterte aber der Apfel wich aus. Immer um einen Hauch weiter, als das Wesen klettern konnte. Während es noch versuchte den Apfel zu erreichen, wurde der Baum um ihn herum langsam dunkler. Äste, Stamm und Blätter schienen ihre Farbe zu verlieren, all den Glanz in den Apfel zu stecken, doch dieser wurde immer leerer. So begriff es: Der Apfel war nie zum Greifen gedacht. Er lebte nur vom Streben, nicht vom Erreichen. Das Wesen drehte sich um und schaute in die Ferne, am Horizont sah es ein Schimmern. Es sah aus wie eine Decke aus Silber, ausgebreitet über den Wiesen. Als es diesen Ort erreichte, tat sich ein See vor ihm auf. Das Wasser war still wie das Schweigen. Kein Wind kräuselte seine Oberfläche. Das Wesen trat heran und blickte hinein. Es sah Schmerz, der nie Raum hatte. Kraft, die nie benannt wurde. Wünsche, die nicht fremd waren, sondern wahr. Und eine Stimme, die nie stumm gewesen war- nur übertönt. Es sah sich. Ohne Maske. Ohne Krone. Ohne Geschichte. Und das Wesen weinte. Nicht aus Trauer, sondern weil es zum ersten Mal erkannte. In diesem Moment fiel der letzte Schleier, den das Märchenland um ihn gelegt hatte. Es sah zurück auf seinen Weg. Den König, den Wald, die Frau, den Apfel- und begriff. Nicht sie waren falsch, nur das Versprechen, das über ihnen lag. Das Leben war nicht schön, weil es ein Märchen war. Es war schön, weil es echt war. Wenn man stolpern durfte. Wenn man widersprach. Wenn niemand kam und das trotzdem genügte.
So verschwand das Wesen aus den Seiten des alten Buches, das man ihm einst gegeben hatte. Es schrieb sich ein neues. Eins ohne Versprechen. Eins ohne Helden. Aber eins, in dem er selbst die Geschichte geworden ist.
Und das ist vielleicht das einzig wahre Märchen, das es gibt.
Kann ich deine Liebe nicht spüren, weil sie nicht da ist oder weil ich sie nicht erkennen kann?
Du kannst dir nur selbst helfen, wenn du akzeptierst, dass du Hilfe brauchst und auch annimmst.
„Vieles scheint unmöglich. Bis du es tust.“
Wer bin ich?
Ich schau mich an, doch ich seh nicht wer ich bin. Mein Spiegelbild und ich sind alte Feinde. Feinde die sich nach all den Jahren mit müden Augen anblicken. Fast alles ist verziehen. Nur an manchen Tagen bricht noch mal ein Streit hervor. Alles andere ist in Vergessenheit geraten. Manchmal sind wir wie zwei Freunde, die sehr viel miteinander durchgemacht haben. Und manchmal erkenn ich Ihn gar nicht. Dann sind wir uns so fremd wie dem Meeresgrund die müden Sonnenstrahlen am Morgen.
Zu Ihm gesellt sich ein weiterer alter Feind. Die Person, welche ich auf Fotos seien, soll. Die beiden verstehen sich gut, wissen sie doch, wie sie es schaffen mich klein zu machen. Sie sagen und zeigen mir Dinge, welche ich schon längst vergessen hatte. Bohren in mir herum, bis sie erreicht haben, was sie wollten.
Ich bin verunsichert.
Ich bin verunsichert, und zwar so sehr, dass ich nicht weiß, wem ich glauben soll. Ob ich jemandem glauben soll. Oder ob ich auf mein inneres hören soll, welches mir sagt, dass das hier alles Bullshit ist.
Doch es ist schwer.
Sind sie nun zu zweit und ich bin allein. Sie schreien viel lauter und ich kann nur antworten. Sie sagen keine gemeinen Dinge. Dass einzige was sie tun ist mir zu zeigen, dass ich nicht weiß, wer ich bin. Doch wie kann ich sie zum Schweigen bringen?
Sie geben mir das Gefühl nichts über mich zu wissen. Doch wie seh ich nun aus? Wer bin ich eigentlich?
Meine geliehenen Gefühle wissen keine Antwort darauf. Sie sind nur der Abklatsch eines anderen. Die einzigen Gefühle, welche noch meine sind, sind die der Unsicherheit nicht zu wissen wer ich bin und was ich fühle.
Lügt mein Spiegelbild? Oder die Person auf den Fotos? Oder lügen sie beide und es ist alles ganz anders?
Momentan weiß ich keine Antwort darauf. Wie kann es sein, dass das Treffen mit einer neuen Person, mich so aus der Bahn wirft. Mich so verunsichert, dass ich vergesse, wer ich bin. Insofern ich das denn jemals wusste. Wie fühl ich mich, wenn ich mich sehe?
Manchmal sehr gut und manchmal einfach furchtbar. Doch vor allem verunsichert. Wie kann ich entdecken wer ich wirklich bin? Was mich ausmacht? Was ich fühle? Wie ich aussehe?
Ich weiß es nicht.
Und vielleicht werde ich das auch nie.