Heute ist Sonntag. Der Tag des Herrn, des billigen Parfums, der möchtegern Hemdträger und plötzlich lammfrommen Teenager. Ich stehe also morgens auf, betrachte mein Meisterwerk des gestrigen Tages und sehe ein, dass ich doch an manchen Stellen nochmal nachstreichen muss. Und da ich so eine ungeduldige Person bin, ertappe ich mich dabei wie ich Gott doch tatsächlich frage, ob er sich seine Ruhepause nicht einen Tag später hätte gönnen können. Klatsche mir kurz gegen den Kopf um diesen reichlich unheiligen Gedanken zu vertreiben. So richtig helfen tut es aber nicht.
Nach einer längeren Autofahrt in das Haus Gottes betrete ich die Hallen, nicke hier und dort jemanden zu, den ich zu kennen meine und setze mich schließlich an den Platz, der mittlerweile eigentlich meinen Hinternabruck auf sich verewigt haben sollte. Doch dafür macht Eduard, der gerade auf mich zu kommt, einen zu guten Job. Er ist Hausmeister und hat immer ein Lächeln auf den Lippen. Angenehmer Mensch wie ich bei mehreren Fußballabenden feststellen durfte. Allerdings Bayern-Fan, was ihn leider nur auf 7 von 10 Heiligenscheinen, meine persönliche Sympathieskala für Christen, kommen lässt.
Ertappe mich wie ich mich, nach einem kurzen Plausch mit ihm, auf den Gottesdienst freue; komisches Gefühl. Eduards Satz: “Mit Kirche ist es wie beim Fußball, wenn du kein Erlebnis hast, gehst du irgendwann auch nicht mehr ins Stadion.” geht mir nicht ganz aus dem Kopf.
Herr, ich will aber ein Erlebnis haben. Mir gefällt mein Stadion ganz gut eigentlich.
Die Band schlägt die ersten Akkorde an und ich entscheide mich genauso laut mitzusingen wie bei den besten Spielen meines Vereins, die leider auch immer seltener werden. Ein erhebendes Gefühl stellt sich ein, während ich Gott diese alte Hymne entgegen schmettere.
Nach einiger Zeit springt der Pastor auf die Bühne und predigt. Als ich mich bereit mache mein obligatorisches 5min Schläfchen zu halten, kann ich allerdings kein Auge zu tun.
Der Pastor scheint heute zu mir zu sprechen. Oder ist das Gott? Keine Ahnung, jedenfalls trifft die Predigt über Neuanfänge ziemlich genau meinen Nerv.
Anschließend kurze Gebetszeit für unser Land, die ich heute sogar einmal bewusst mitmache.
Als der Abschlusschorus erklingt und mit treibendem Rhythmus den Gottesdienst beschließt, bewege ich fast meine Füße zum Takt der Musik. Kann mich gerade noch beherrschen. Ich will mich doch nicht lächerlich machen.