Kettenspannung beim Singlespeed
Die Kette darf zwischen Ritzel am Hinterrad und Kettenblatt nicht durchhängen. Bei unzureichender Kettenspannung kann die Kette bei kräftigem Antritt z.B. an Steigungen oder beim Anfahren am Ritzel durchrutschen. Dabei können die Ritzelzähne und die Kette Schaden nehmen. Oder die Kette springt ab.
Kettenspannung bei vertikalen Ausfallenden
An einem Rad mit Kettenschaltung sorgt eine starke Feder im Schaltwerk für ausreichende Kettenspannung. Nahezu alle Räder mit Kettenschaltung der letzten 10 bis 15 Jahre haben vertikale Ausfallenden. Falls ihr also euer altes Mountain Bike oder Rennrad zum Eingangrad umrüsten wollt, habt ihr folgende Möglichkeiten, die Kette zu spannen:
Schaltwerk - einfach das alte Schaltwerk dranlassen. Entspricht der wahrscheinlich billigsten Lösung, ist aber nicht gerade die schönste Variante.
Kettenspanner - ein Kettenspanner ist eine simple Variante des Schaltwerks nur ohne Schaltfunktion. Er wird ebenfalls an das Schaltauge geschraubt. Für kleines Geld zu haben, ist ein Kettenspanner eine sinnvolle Methode zum Kette spannen.
Exzenternabe - bei einer Exzenternabe verläuft die Achse asymmetrisch. So kann das Hinterrad in einem Bogen um die eingespannte Achse um einige Millimeter nach hinten oder vorne verschoben werden. Solche Naben sind allerdings sehr teuer.
Exzentertretlager - gleiches Prinzip wie bei der Exzenternabe. Allerdings braucht man für fast alle Exzentertretlager - wie sie z.B. in Tandems eingesetzt werden - einen speziellen Rahmen mit großem Tretlagerdurchmesser. Bei der Verwendung von Hollowtech II Tretkurbeln kämen noch die Exzentriker-Lagerschalen von Tr!ckstuff in Frage. Diese passen auch an normale Rahmen mit klassischen Tretlagerdimensionen, vertragen sich aber nicht mit jeder Kurbel. Ebenfalls teuer.
Magic Gear - Mit etwas Glück passen Übersetzung, Kettenstrebenlänge und Kettenlänge so zusammen, dass keine mechanische Kettenspannung notwendig ist. D.h. Ritzel- und Kettenblattgröße sowie Länge der Kettenstreben bzw. der Abstand zwischen Hinterachse und Tretlager entsprechen zufällig genau der Kettenlänge. Leider längt sich die Kette im Laufe ihres Lebens, so dass man entweder die Kette häufiger als üblich wechseln muss oder die Längung durch ein größeres Ritzel, ein Kettenblatt oder ein halbes Kettenglied ausgleicht. Wer nicht lange tüfteln möchte, kann sich seinen Magic Gear ausrechnen (Engl.) lassen.
Jede Variante hat ihre Vor- und Nachteile, wobei aus technischer Sicht vieles für einen Kettenspanner spricht, da er die unvermeidliche Kettenlängung automatisch ausgleicht. Nachteil ist für viele die Optik, die weiterhin an eine Kettenschaltung erinnert.
Kettenspannung bei horizontalen Ausfallenden
Ein Rad mit Nabenschaltung hat in der Regel horizontale Ausfallenden bzw. Ausfallenden mit einem Winkel von ca. 30°, in denen das Hinterrad um einige Millimeter nach hinten verschoben werden kann, bis die Kette stramm sitzt. Ältere Rennräder und MTBs mit Kettenschaltung haben häufig auch noch solche Ausfallenden.
Diese Rahmen eignen sich hervorragend als Grundlage für ein Singlespeed. Vorteile sind die saubere Optik, keine weiteren (Verschleiß-)Teile und die Gewichtsersparnis. Allerdings sollte man die hintere Achsbreite beachten, wenn eine aktuelle Hinterradnabe in einem alten Rennradrahmen verbaut werden soll. Während Rennräder mittlerweile bei 130mm und MTBs bzw. Trekking Bikes bei 135mm angekommen sind, sind alte Rennräder auf 126mm breite Naben ausgelegt. Mit etwas Gewalt passt zwar eine aktuelle Rennradnabe zwischen den alten Stahlrahmen. Das Hinterrad aus dem Trekking Bike passt allerdings nicht mehr.
Die nach hinten geöffneten horizontalen Ausfallenden waren ursprünglich den Bahnrädern vorbehalten, erfreuen sich aber mittlerweile auch an Singlespeeds von der Stange großer Beliebtheit. Allerdings kommen diese Ausfallenden fast immer in Kombination mit einer 120mm-oder 110mm-Achsbreite. In solchen Fällen kommt man um Singlespeed- bzw. Bahnnaben nicht herum.