Wo wir unsere Girokonten haben und warum (Teil 1)
Meine Girokontengeschichte ist unnötig kompliziert und langwierig, daher hier in Phasen.
Phase 1 (bis 2002): Sparkasse
Medien: Bargeld, Maestro Karte
Als Kind von Sparkassenangestellten hatte ich, seit ich 14 bin, ein Sparkassenkonto. Dies war bis zu meinem Studium mein einziges Konto, für Taschengeld, Minijobeinkünfte und erstes BaFöG.
Phase 2 (2002-2003): Sparkasse, Citibank (DE) und Citibank (US)
Medien: Bargeld, Debitkarte, Schecks
Während des Studiums plante ich, ein Jahr in den USA zu verbringen. Da ich dort eine nicht geringe Summe Studiengebühren zahlen musste, eröffnete ich ein Citibank-Konto in Deutschland bevor ich übersiedelte, und eines bei der Citibank in den USA, um die zum Begleichen der Rechnungen für die Universität die dafür nötigen Schecks ausstellen zu können. Klassische Überweisungen dauerten lange und waren kostspielig, und mit einem deutschen Citibank Konto durfte man damals in den USA kostenfrei Bargeld abheben, bis zu einem Limit von 1000 Dollar pro Tag. Um also eine Rate der Studiengebühren zu zahlen (4000 USD) musste ich an vier aufeinanderfolgenden Tagen bei der Citibank 1000 Dollar abheben, sie vom Geldautomaten zum Schalter trage, und sie auf mein US-Citibank Konto einzahlen. Wenn dort genug Geld war konnte ich aus meinem US-Citibank-Scheckbuch der Universität einen Scheck für die nächste Rate ausstellen.
Phase 3 (2003-2010): Sparkasse, Citibank bzw. Targobank (DE)
Medien: Maestrokarte, Bargeld, Kreditkarte
Wieder in Deutschland angekommen hatte ich eine Zeit lang nur diese zwei Girokonten. Einmal Sparkasse (damit mir meine Eltern kurzfristig Geld überweisen konnten) und für alle anderen Zwecke Citibank. Nach einigen Jahren wurde die Citibank von einem anderen Besitzer übernommen und in Targobank umbenannt. Hier bekam ich auch meine erste Kreditkarte.
Phase 4 (2011): Sparkasse, Targobank (DE) und Standard Chartered (SG)
Medien: Debitkarte, Bargeld, Kreditkarte
Für meinen Umzug nach Singapur eröffnete ich dort bei Standard Chartered ein neues Girokonto, sonst blieb aber alles beim alten.
Phase 5 (2011-2018): Targobank (DE), Lloyds (UK) und Transferwise (UK)
Medien: Debitkarte, Kreditkarte, Bargeld, Apple Pay, App
Nach meinem Umzug nach London eröffnete ich direkt dort ein Girokonto bei der Lloyds Bank. für die erste Zeit lebte ich allerdings von meinen Ersparnissen von meinem Singapurer Konto. Als nach einiger Zeit Überweisungen von und nach Deutschland nötig wurden, eröffnete ich einen Account bei Transferwise, den ich allerdings nur zu Verschiebungen zwischen Deutschland und Großbritannien nutzte.
Phase 6 (2018-2019): Lloyds (UK), N26 (FR), Wise (UK)
Medien: Kreditkarte, Debitkarte, Bargeld, Apple Pay, App
In Frankreich brauchte ich auch ein lokales Konto. Die Eröffnung eines klassischen Girokontos war in Frankreich aus Gründen, an die ich mich nicht mehr erinnern kann, abschreckend kompliziert. Am einfachsten war es, ein Konto bei N26, einem deutschen Onlinebank-Anbieter, zu eröffnen. Von denen wurde mir eine Bankkarte an eine Wunschadresse in Frankreich zugestellt, und das Konto war auch in Frankreich gut zu verwenden. Es fehlten zwar die typischen “Kontonummer” und “Bankleitzahl” Zahlen, die für Frankreich manchmal nötig sind (die IBAN meines Kontos beginnt mit “DE” trotz französischer Adresse), aber diese Probleme ließen sich umgehen.
Phase 7 (2019-2022): N26 (DE)
Medien: App, Debitkarte, Kreditkarte, Apple Pay
Nach meiner Rückkehr nach Deutschland verwendete ich einfach hauptsächlich das N26 Konto weiter. Meine N26 Debit Karte zählt in Deutschland jedoch als Kreditkarte, das bedeutet, dass ich zB bei der Post und an einigen anderen Orten nicht damit zahlen kann. N26 bietet in Deutschland jedoch auch Maestro Karten an. Mein Konto kommt dafür anscheinend nicht in Frage, auf meine Nachricht an den Kundendienst kommt die Information, dass ich leider ein französisches N26 Konto habe, bei dem weder Maestrokarten noch ein Dispokreditrahmen angeboten werden können. Ein Wechsel zu einem deutschen Konto sei auch nicht möglich, ich möge doch das Konto schließen und ein neues, deutsches eröffnen. Nein, danke.
Phase 8 (2022-2023): Wise (US), Bank of America (US), N26 (DE)
Medien: Apple Pay, App, Venmo, Kreditkarten, Debitkarten,
Für meinen einjährigen Aufenthalt in den USA, dachte ich, sei ein amerikanisches Girokonto nötig. Nach etwas Recherche fand ich heraus, dass als Ausländer ohne Credit History (also in etwa Schufa-Eintrag) lediglich ein Bank of America Konto einfach zu bekommen sei. Hierzu benötige man bei der Eröffnung zwei verschiedene Identitätsnachweise. Als Deutscher hatte ich als Einziges von der Liste der akzeptierten Nachweise einen Reisepass. Ich fand jedoch rechtzeitig vor meinem Umzug heraus, dass auch eine amerikanische American Express Karte als Identitätsnachweis gilt, und wenn man eine nicht-amerikanische American Express Karte hat, kann man eine amerikanische mit minimalem Aufwand erhalten. Ich hatte also rechtzeitig vor dem Auszug in Deutschland eine AmEx beantragt, und direkt nach Ankunft online eine US-AmEx beantragt mit Hinweis auf meine deutsche Karte, was auch problemlos gelang. Mit der US-AmEx und meinem Reisepass konnte ich nun auch ein Konto bei der Bank of America eröffnen. Da dies jedoch einige Wochen dauerte, hatte ich bis dahin mein US-Gehalt auf das Konto bei Wise überweisen lassen. TransferWise hat nämlich inzwischen seinen Namen geändert und bietet Full-Service Girokonten in verschiedenen Währungen und Ländern an. Als ich mein Bank of America Konto eingerichtet hatte, stellte sich heraus, dass ich es eigentlich für gar nichts mehr benötigen würde. Das Konto läuft also seitdem mit nur marginaler Verwendung so nebenbei.
Phase 9 (2023-heute): Wise (DE), Bank of America (US), N26 (DE)
Medien: Kreditkarten, Apps, Debitkarten, Apple Pay
Seit ich wieder in Deutschland bin, läuft eigentlich nur noch alles über Wise. Also, fast alles. Gehalt, Miete, Ausgaben usw sind alle bei Wise, diesmal halt auf dem deutschen Euro-Konto. Lediglich meine Krankenversicherung läuft noch über N26, da ich sie vor meinem Umzug nur pausiert hatte und danach wieder aktiviert, und ich es immer noch nicht geschafft habe, sie auch auf Wise umzustellen. Außerdem unterstützt N26 auch das Investment in ETFs – aber für die meisten Zwecke finde ich Wise am praktischsten, besonders die Mischung aus Website und App kommt mir eigentlich sehr entgegen. Das Bank Of America Konto behielt ich noch für einige andauernde Zahlungen bzw Rückzahlungen aus den USA, beispielsweise von meiner US Krankenversicherung. Inzwischen kann man deutlich einfacher Geld aus den USA überweisen, ein Übertrag von meinem Bank of America Konto auf mein US-amerikanisches Wise Konto geht einigermaßen problemlos, aber am schnellsten (bei kleineren Summen) läuft die Funktion “Geld einzahlen” in der Wise App, bei der ich direkt die Apple Pay Funktion meiner Bank of America Karte verwenden kann, und ich quasi sekundenschnell mit unter einem Dollar Gebühren Geld von meinem US-Konto nach Wise verschieben kann. Umgekehrt ist es ein bisschen aufwändiger, aber die App von Bank of America unterstützt auch Venmo, welches ich mit meiner US-AmEx verwenden kann. Und die AmEx Rechnung zahle ich von meinem USD-Konto auf Wise, alles ganz einfach. Spaßiger Nebeneffekt: da mein N26 Konto immer noch in Frankreich ist, ist es mein Spotify Konto (das ich aus historischen Gründen noch mit N26 bezahle) auch, da ein Länderwechsel bei Spotify inzwischen schwierig ist: ich müsste den Premiumaccount erst kündigen, dann eine schriftliche Anfrage an N26 für den Umzug nach Deutschland stellen (inzwischen unterstützt N26 das), und dann wieder einen neuen Premiumaccount machen, diesmal mit der deutschen N26 Karte. Dann doch lieber französisches Spotify.
(Hier geht es zu Teil 2, Teil 3, Teil 4 und Teil 5 )