Fiskalpakt und strukturelles Defizit
Ein Leser schickte mir folgende Frage:
Der Fiskalpaket sieht - soweit ich das überschauen kann – verbindliche Obergrenzen für das strukturelle Defizit eines Haushalts vor. Doch was geschieht, falls diese nicht eingehalten werden? Wenn sich beispielsweise ein Peripherie-Land nicht an diese Grenzen hält.
Denn schließlich würden Geld-Strafen prozyklisch wirken, Stimmrechtsentzug wäre undemokratisch und symbolische Strafen würden nichts bringen.
Nun bin ich kein Makroexperte und auch kein Experte für den Fiskalpakt, daher will ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Prozyklische Politik wäre tatsächlich ein großes Problem. Nun ist der Knackpunkt in der obigen Frage das Wort "strukturell". In der Theorie ist das also nicht prozyklisch. Aber wie sieht das in der Praxis aus? Zitieren wir mal Wikipedia zum Fiskalpakt:
Der allgemeine Staatshaushalt muss ausgeglichen sein oder einen Überschuss aufweisen (Art. 3 Abs. 1 Buchst. a). Das gilt bereits dann als erreicht, wenn der konjunkturbereinigte jährliche Saldo ohne Anrechnung einmaliger und befristeter Maßnahmen ... in seinem länderspezifischen mittelfristigen Ziel ... nicht höher als 0,5 % des nominalen BIP ist...
Um herauszufinden, ob irgend etwas strukturell oder zyklisch ist, muss man die Daten also konjunkturbereinigen. Und diese Konjunkturbereinigung ist alles andere als eindeutig und unumstritten - wird aber mit dem Fiskalpakt entscheidende Auswirkungen haben.
Hier findet sich ein etwas längerer, lesenswerter Artikel zum Filtern von Zeitreihen: HP-Filters and Potential output