Frau Meyer geht zur Arbeit (Teil 1)
Was ihr sofort aufgefallen wäre, würde sie denn noch darauf achten, war der Müll. Von dem Bushäuschen bis zur Eingangstür lagen verstreut leere Chipstüten, Getränkedosen, Taschentücher und allerhand andere Dinge herum. Der Müll säumte den Weg, er stand Spalier, bis sie das Eingangstor erreicht hatte.
Frau Meyer hielt den Kopf gesenkt. Sie schaute nicht nach rechts oder links, sie konzentrierte sich ganz auf ihre Schritte. Wurde sie doch mal gegrüßt, hörte sie entfernt ein „Guten Morgen, Frau Meyer“, so war das meist so laut ausgesprochen, fast gebrüllt, dass der Gruß ihr wie eine Beleidigung vorkam und sie gar nicht erst darauf reagierte. Im seltenen Fall, dass jemand direkt unter ihrer Nase vorbei lief, wenn sie so mit gesenktem Kopf durch die Müllallee spazierte und dieser kleine Mensch sie dann doch schüchtern grüßte, antwortete mit einer Stimme, die ihr selbst sehr würdig und autoritär erschien. In diesen Gegengruß mischte sich sogleich Mitleid. Denn nur eine schwache Person, eine Person, die kein standing hier hatte, würde den Lehrkörper so ehrerbietig grüßen, fast so als suche sie Beistand. Betrachtete Frau Meyer dann den oder die Grüßende, so waren sie meist unscheinbar bis auffällig zart oder dick. Sie hatten irgendeinen Makel, der für sie in unvorteilhafter Weise herausstach, eine altmodische Brille, ungewaschene Haare oder auch einfach ein schüchternes Wesen.








