26. und 27. September 2019
Die Rabeneltern mit ihren Smartphones
Wir sind im Urlaub in einer Hotelanlage und leider liegen unser Appartement und das Restaurant etwas weiter auseinander, als die Funkverbindung unseres Babyfons reicht. Es gibt hier aber flächendeckend WLAN und LTE und wir haben zwei Smartphones. So reift rasch der Entschluss, die Telefone zum Einsatz zu bringen, um gemeinsam zu Abend essen zu können, nachdem das Kind eingeschlafen ist.
Eine simple Variante wäre natürlich, ein Telefongespräch zu beginnen und dann einfach ein Handy zum Kind zu legen und eines mitzunehmen. Dabei würden ggf. Gebühren anfallen, aber da wir einerseits nicht ewig dinieren wollen und uns andererseits im Bereich des EU-Roamings befinden, wäre das kein Riesenproblem, aber schon rasch teurer als eine App für € 4,99.
Und man würde bei einem laufenden Gespräch vermutlich ständig lauschen und auf jedes Nebengeräusch reagieren, wie z.B. Hotelgäste, die am Fenster des Kinderzimmers vorbeigehen. Besser wäre eine App, die mit einem Schwellwert zwischen "alles ruhig" und "Alarm" zu unterscheiden weiß. Das Kind macht im Schlaf manchmal kleine Traumgeräusche, äußert sich aber vernehmlich wenn es wach ist.
Ich google also Babyfon-Apps, finde aber nur wenig aussagekräftige Tests und Bewertungen. Einige sind bereits veraltet, sodass die Apps mit guten Kritiken im App Store nicht mehr zu finden sind. Das alles hätten wir natürlich auch daheim vor der Abreise ausprobieren können, aber da gab es in letzter Minute einiges andere zu erledigen (wovon noch zu berichten sein wird). Es gibt auch Apps, mit denen man IP-Kameras zum Babyfon umfunktionieren kann, was uns natürlich gerade nichts nützt.
Meine Wahl fällt schließlich auf "Luna Babyphone", weil das im App-Store 7.500 Bewertungen mit einem Schnitt von 4,7 von 5 möglichen Punkten hat. Angesichts der durchschnittlichen Besorgtheit und Beschwerdebereitschaft heutiger Eltern erscheint mir das ein fantastischer Wert.
Wie nicht anders zu erwarten muss man die App auf beiden iPhones installieren und eines als Baby- und eines als Elternstation konfigurieren. Mir wird sofort vorgeschlagen unsere beiden Telefone zu koppeln, offenbar weil sie sich im selben WLAN befinden. Sonst gäbe es auch einen Verbindungscode, wie bei TeamViewer oder Online-Konferenzen.
Etwas nervig ist, dass schon das Herstellen der Verbindung von der Elternstation mit einem kleinen Jubelgeräusch quittiert wird. Ich verziehe mich also umgehend nach draußen, meine Frau sagt "ich leg das jetzt zum Kleinen", was bei mir klar und deutlich ankommt und dann entfernen wir uns vorsichtig Richtung Speisesaal.
Die App muss auf der Elternstation sowieso im Vordergrund aktiv bleiben – im Hintergrund funktioniert sie nur in der kostenpflichtigen Version. Ich trage also das Telefon aufmerksam vor mir her, so als bräuchten wir Navigationsunterstützung für den Weg, und im Restaurant legen wir es gleich gut sichtbar auf den Tisch.
Eindeutige Grafiken helfen den Eltern bei der Einschätzung der Lage.
Ich gehe als erster zum Buffet und als ich zurückkomme, sind Gattin und Telefon schon wieder verschwunden. Die App hatte wohl Unruhe signalisiert und da meine Frau vor der Geräuschkulisse des Restaurants den Kleinen nicht klar hören konnte, ging sie noch einmal nachschauen. Kind schlief aber und sie stellt die Empfindlichkeit der App von "empfindlich" auf "mittel", was ebenfalls einen Bestätigungston hervorruft. Der Rest des Abendessens verläuft ohne Unterbrechung.
Am kommenden Abend bin ich dran – die Elternstation meldet einen Verbindungsabbruch. Ich hole also vorsichtig die Babystation aus dem Kinderzimmer, aber diese zeigt eine funktionierende Verbindung. Ich starte die App auf beiden Geräten neu, kleines Jubelgeräusch inklusive, und schaffe es, das richtige wieder ins Kinderzimmer zu schmuggeln, ohne das Kind zu wecken. Die Ursache lag vielleicht in einem WLAN-Aussetzer und für den kommenden Abend werden wir es daher wohl mal auf LTE-Basis probieren.
(Virtualista)













