20.04.2019
Ohne Karte bist ein Niemand
Ostersamstag, ich schaffe es einigermaßen früh aus dem Bett und fahre kurz vor acht mit dem Fahrrad in die Stadt, um den Einkauf fürs lange Wochenende halbwegs entspannt erledigen zu können.
In der Stadt stelle ich fest, dass ich mein Kreditkartenmäppchen zuhause vergessen habe. Und ich habe nur noch etwa 45 Euro in bar, das langt nicht. Ich überlege hin und her, aber dann finde ich im Geldbeutel noch einen Schweizer 100-Franken-Schein. In der Sparkasse gibt es einen Geldwechselautomaten, also ist das Problem gelöst, und ich spaziere erleichtert dorthin.
Denkste! Auch der Geldwechselautomat wechselt nur, wenn man sich mit Hilfe einer EC-Karte identifiziert. Auf die Idee, ich hätte jemanden bitten können, seine Karte für mich eben mal in diesen Automatenschlitz zu stecken, komme ich erst später beim Aufschreiben, aber es wäre ohnehin ein Unternehmen mit ungewissem Ausgang gewesen, und ich selbst hätte ein solches Verhalten bei anderen hochgradig verdächtig gefunden.
Es hilft also nichts, ich fahre mit dem Fahrrad vier Kilometer nach Hause und wieder vier Kilometer in die Stadt, und erledige meine Einkäufe spät und dafür weniger entspannt.
Bleibt die Frage, wozu der Automat dient. Bei einigem Nachdenken kann man sich Situationen ausmalen, in denen es jemand, der eh eine gültige Girokarte besitzt, es schön finden könnte, lieber Geld zu wechseln als welches abzuheben. Aber sie kommen mir nicht wahnsinnig wahrscheinlich vor.
(Tilman Otter)











