Hat sich ja nicht viel geändert
Eigentlich wollte ich nur kurz da hin, um Hallo zu sagen, man hat sich ja lange nicht mehr gesehen. All diese Freunde, wie sie da stehen, mit ihren Gesichtern und den Gläsern in den Händen. Sie stehen da und warten, warten mit einer brutalen Selbstverständlichkeit, darauf dass sich etwas ändert heute Abend, irgendwas muss ja passieren.
Eigentlich wollte ich ja nur Hallo sagen, aber wie sie da stehen, fast leer getrunken von ihren Getränken, wie sie warten dass dieser Abend mit seiner… – egal.
Ich wünsche mir ein Fest. Ich will kein rumstehen mit schalen Getränken, ich will keinen Alltag, ich will, ich will, ich, ich, ich will Leidenschaft und Einzigartigkeit. Ich will die Sehnsucht und den tiefen Schmerz. Ich will ein Fest.
Alle klammerten sich an ihrem Bier fest, huschten mit den Blicken über die Jacken auf dem Bett. Ich erzähle, meine Geschichte der ersten Person, die sie hören will, sie hört zu und nickt. Wiederholt die Geschichte, ich höre zu und nicke. Diese Momente sind wichtig für mich und noch wichtiger für die anderen. Dann treffe ich dich und fragst mich, wie du heißt, ich komme ganz nah und stecke dir meinen Namen tief ins Ohr, so tief dass du ihn nicht verlieren kannst zwischen diesen ganzen Menschen. Ich mach das so, ich bin so und das ist scheiße. Niemand soll mich verlieren, denn wenn ich einmal aus dem Ohr gefallen bin, auf diesen versifften Boden, wird es niemanden geben der mich aufhebt.
Ich stehe also im Raum zwischen Räuschen und Geräuschen. Lasse mich ein wenig durch die Masse treiben bleibe hängen, sage dass ich ja nur so Hallo sagen wollte, stecke meinen Namen in fremde Ohren, bin genervt von meinen Geschichten.
- Ja
Irgendwie verstehen wir uns ja alle ganz gut so ohne etwas zu sein. Ich treffe irgendeinen Menschen der seine Hand auf meine Schulter drückt und mir „du bist total süß“ ins Ohr brüllt. „Danke“ brülle ich zurück, die Menschen stehen so unreal gleich aus, wer war das gleich wieder? Ich bin allein auf einem Fest. Ich bin allein in einer Stadt. Allein auf dieser Welt. Ich wache irgendwo auf, unter mir ist feuchtes Gras, über mir ist fleckiger Himmel. Ein Tautropfen rinnt über meine Wange, oder ist das eine Träne oder alles nur ein böser Traum?